Literaturtreff 2005


9. November31. August

Günter Grass
Im Krebsgang. Eine Novelle
dtv 13176 - 216 Seiten

Es geht um den Untergang der „Wilhelm Gustloff“ als Ausgangspunkt eines vielschichtigen Generationenkonflikts.

In der mecklenburgischen Residenzstadt Schwerin wird 1895 ein Mann geboren, der später als „Blutzeuge“ gefeiert und einem Schiff den Namen geben wird, dessen Untergang am 30. Januar 1945 die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt darstellt. Eine der Überlebenden des Grauens ist die hochschwangere Tulla Pokriefke aus Danzig. Ihr in jener Nacht geborener Sohn Paul, Journalist und Chronist der Geschichte, stößt eines Tages zufällig auf die brisante Internet-Seite einer „Kameradschaft Schwerin“, die ihn fortan umtreibt. Dabei fördert er ein menschliches Drama zutage, das bis in unsere Gegenwart hineingreift und nicht zuletzt seine eigene Familie tangiert.
„Grass spielt virtuos mit literarischen Formen, Selbstzitaten, Perspektivwechseln. Sein Buch ist Katastrophenreportage, Kriminovelle und engagiertes Plädoyer gegen Rechtsradikalismus.“
J.-U. Brand im „Focus“

Günter Grass, geboren 1927 in Danzig, ist einer der renommiertesten Dichter der Nachkriegszeit in Deutschland. Für sein Werk erhielt er 1999 den Nobelpreis für Literatur.

E. Annie Proulx
Mitten in Amerika
Goldmann-Taschenbuch, 512 Seiten

In vielen skurrilen Geschichten (Familiensagen, Cowboy-Legenden, Tragödien...) schildert E. A. Proulx Land und Leute des amerikanischen Mittleren Westens jenseits der großen Städte.

Der Arbeitgeber Bob Dollars, eine riesige Schweinefleisch-Firma, möchte im großen Stil Land für Mastbetriebe aufkaufen. Dazu soll Bob erst einmal vorsichtig das Terrain sondieren. Also bezieht Bob Quartier im Panhandle, jener weiten flachen Landschaft in der Mitte der USA, die trotz der relativ jungen Geschichte doch schon so viel gesehen hat: gewaltige Bisonherden, herumziehende Indianerstämme, die rabiate Inbesitznahme durch weiße Siedler, das mühselige Leben der Pioniergeneration, die harte Zeit des Dust Bowl, als die Felder verdorrten und die Farmer in Scharen ihr Land verlassen mussten, und in der heutigen Zeit die maschinell betriebene Landwirtschaft, deren Ende durch die zunehmende Wasserknappheit absehbar ist. Aber Bob erfährt nicht nur die Geschichte der Panhandle, sondern er lernt auch eine Reihe skurriler Gestalten kennen.

Annie Proulx wurde 1935 in Connecticut geboren. 1955 zog sie nach Wyoming, wo sie alle ihre Romane geschrieben hat. Für ihren Roman „Schiffsmeldungen" wurde sie unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

13. April9. Februar

Per Olov Enquist
Der Besuch des Leibarztes
Fischer TB 15404, 371 S.

Historischer Roman um die tragisch-romantische Beziehung zwischen dem Hofarzt Struensee und der vereinsamten dänischen Königin Caroline Mathilde.

Zwei Jahrzehnte vor dem Ausbruch der französischen Revolution kommt der Arzt und Aufklärer Struensee aus Altona an den Hof des dänischen Königs Christian VII. Ein kleinwüchsiger, kindlicher, kranker König, der mit der dreizehniährigen englischen Prinzessin Caroline Mathilde verheiratet wurde, die weinte, als sie nach Dänemark reiste. „Die Königin ist einsam, nehmen Sie sich ihrer an!“ befiehlt der König seinem Leibarzt. Und die drei werden Figuren einer unaufhaltsamen und bewegenden Tragödie.

Enquist erzählt mit der Distanz eines Berichterstatters. Dabei passiert etwas Wunderbares: Aus der Sachlichkeit entsteht ein leidenschaftlicher Roman über Macht und Politik... Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen möchte. Max Ezpp, Stern

Per Olov Enquist, 1934 in einem Dorf im Norden Schwedens geboren, lebt in Stockholm. Er arbeitete als Theater- und Literaturkritiker und zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Schwedens. Für seinen Roman „Der Besuch des Leibarztes“ wurde er in Leipzig mit dem Deutschen Bücherpreis 2002 ausgezeichnet.

Ian McEwan
Abbitte
Diogenes, detebe 23380

Eine englische Familientragödie, in der es um das Thema Schuld und Sühne und die Schwierigkeiten der Vergebung geht.
Abbitte ist eines der seltenen Bücher, die spannend und unterhaltsam sind, aber auch auf hohem Niveau zum Nachdenken über elementare Fragen einladen.

Der Roman beginnt im Sommer 1935, als sich die dreizehnjährige Briony Tallis im Landhaus ihrer Familie in die Angelegenheiten ihrer älteren Schwester einmischt und durch ihre blühende Phantasie Schicksal spielt. Das Leben dreier Menschen wird dadurch für immer verändert.
Der zweite Teil schildert - auch in vielen Briefen - auf eindrucksvolle Art das Leben der Beteiligten in Kriegszeiten. Sie sind zu verantwortungsvollen jungen Menschen herangewachsen. Ihre Vergangenheit lässt sie dennoch nicht unberührt.
Der dritte Teil wartet mit einem überraschenden Schluss auf.

Jan McEwan, geb. 1948, verbrachte seine Kindheit in England, Singapur und Nordafrika. Sein Philologiestudium beendete er mit einer literarischen Magisterarbeit, die ihm den Somerset-Maugham-Preis einbrachte. Auch für die Romane „Amsterdam“ und „Abbitte“ erhielt er renommierte Literaturauszeichnungen.