|
|
| 3. Dezember 2003 | 21. Mai 2003 | 5. Februar 2003 |
|
MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES KORAN Erzählung von Eric-Emmanuel Schmitt, Amman Verlag Moses ist elf, als er sein Sparschwein schlachtet, um mit den Ersparnissen bei einer Prostituierten erste sexuelle Erfahrungen zu gewinnen. Er flieht vor seinem öden Zuhause: Mutter und Bruder gibt es nicht mehr, der Vater verliert sich in düsteren Erinnerungen an die im Holocaust ausgelöschte Familie. Moses findet einen Ersatzvater in Monsieur Ibrahim, der mitten im jüdischen Viertel von Paris einen typischen arabischen Laden betreibt. Der Händler erklärt Moses Gott und die Welt auf eine einfache, einleuchtende, vor allem aber sehr menschliche Weise. Als Monsieur Ibrahim stirbt, übernimmt sein gelehriger Schüler sein Geschäft. Mit Humor, Charme und Weisheit präsentiert der hier zu Lande bisher unbekannte französische Autor eine schöne Parabel über das friedvolle Neben- und Miteinander der Religionen und Kulturen. |
DAS FEST DES ZIEGENBOCKS Roman von Mario Vargas Llosa, suhrkamp taschenbuch 3427 Der Polit-Thriller erzählt die Geschichte des dominikanischen Diktators Rafael Leonidas Trujillo, genannt „ Der Ziegenbock“, der nach einem Militärputsch von 1930 bis 1961 das Land seiner Schreckensherrschaft unterwarf. Von den USA wurde er als Bastion gegen den Bolschewismus in der Karibikregion gestützt. Jn drei parallel laufenden Erzählsträngen schildert der Autor die letzten Wochen des Diktators, bevor er einem Attentat zum Opfer fiel: die Ereignisse im engsten Umfeld, die Planungen der Verschwörer, schließlich die Erinnerungen der Tochter des damaligen Senatspräsidenten Cabral. Dieser hatte dem alternden Macho Trujillo seine l4jährige Tochter Urania als Beweis seiner Ergebenheit zur Verfügung gestellt. Mit meisterhafter Präzision beschreibt Vargas Llosa die standig unter Hochspannung stehende Atmosphäre im Umfeld des Diktators, die allgegenwärtige Angst vor der Willkür des Tyrannen ebenso wie die blühende Günstlingswirtschaft mit ihren Intrigen. - Ein ebenso bedrückender wie erhellender Einblick in die Funktionsmechanismen eines diktatorischen Systems, einer Welt, in der es keine Werte mehr gibt als den Willen zur Macht. |
SOMMER DER ZÜGE Roman von Stewart O'Nan, rororo TB 22778 Im Sommer 1943 entschließen sich Anne und James Langer, ihre Stadt zu verlassen, um James' todkranken Vater in seinem Strandhaus auf Long Island zu pflegen. Diese Entscheidung fallt ihnen umso leichter, als sie möglicherweise die Chance bietet, James' kürzliche Affäre mit einer Schülerin und die darauffolgende Entlassung zu verarbeiten. Meilenweit entfernt wird im Krieg ihr Sohn Rennie schwer verwundet... „Sommer der Züge“ ist eine sensible, romantische Geschichte von der Liebe und dem vielfältigen Verrat an ihr, von Glücksverheißung und harter Lebenswirklichkeit, von Schuld und Vergebung. Stewart O'Nan zeigt die gefährdete Existenz seiner Figuren mit tiefer Einsicht in die menschliche Seele. Sein souveräner Umgang mit Sprache, seine Fähigkeit, auch das Unausgesprochene hinter den Worten sichtbar werden zu lassen, machen diesen Roman zu einem Meisterwerk. |