29. November 2000
DAS WÜTEN DER GANZEN WELT
Roman von Maarten 't Hart, Piper Serie 2592 

Der Erfolgsroman des 1944 geborenen Maarten 't Hart verschränkt die Muster des Erziehungsromans mit einem Krimi und greift dabei wichtige Themen auf: vom Holocaust, von Kollaboration, Liebe, Religion, Musik und vom Schuldigwerden.

Liebeserklärung an die Musik

Literaturgespräch mit Multimedia-Einsatz

Münster-Hiltrup. Die rund 20 Teilnehmer des Literaturgesprächs, die am Mittwochabend in der Schülerbücherei des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums zusammentrafen, waren sich einig: Der besprochene Roman „Das Wüten der ganzen Welt“ von Maarten 't Hart ist ein äußerst lesens- und empfehlenswertes Buch. Die Geschichte, die der 1944 geborene Autor darin erzählt, wirkt auf den ersten Blick wie ein Krimi, entpuppt sich beim genauen Hinschauen aber als sehr vielschichtig. Man könnte das 411 Seiten starke Werk auch als einen Entwicklungsroman mit satiriscben Zügen oder einfach als Liebeserklärung an die Musik beschreiben.

Ein zwölfjähriger Junge wird Zeuge eines Mordes. Dieses Ereignis prägt sein ganzes Leben. Der Angst, von dem Mörder aufgespürt und selbst umgebracht zu werden, kann er nur durch die Kraft der Musik entfliehen.
Zum Literaturgespräch trafen sich rund 20 Hiltruper in der Bücherei des KvG-Gymnasiums. Foto: kus
Besonders der Erzählstil des holländischen Schriftstellers fand bei den Teilnehmern großen Anklang. Immer wieder fänden sich im Text Hinweise auf spätere Geschehnisse. Dieses System der Vorausdeutungen sei frühestens beim zweiten Lesen zu durchschauen.

Sehr aufschlussreich war ein Fernsehporträt von Maarten 't Hart, das den Literaturfans als Videoaufzeichnung vorgeführt wurde. Viele Elemente des Romans finden sich auch im Leben des Schriftstellers wieder. So teilt Maarten 't Hart mit der Hauptfigur seines Buches die Liebe zur Musik. Seine gemächliche, aber fesselnde Erzählweise resultiert offensichtlich aus seiner unspektakulären Art der Lebensführung. So besitzt er kein Auto und bewältigt alle Wege mit dem Fahrrad. Seine Bücher verfasst er nicht am Computer, sondern ausnahmslos handschriftlich.

Von den zahlreichen im Buch angesprochenen Musikstücken gab Gesprächsleiter Fritz Vorspel einige Hörproben. Von der zum Buch erschienenen CD waren unter anderem Stücke von Bach und Mozart zu hören.

kus, Westfälische Nachrichten 01. 12. 2000