Einladung von P. Manfred Simmich zu einem Schulkonzert 1976

Konzerttradition am KvG

P. Karl Springob MSC, Lehrer am KvG 1952-66 und langjähriger Internatsleiter, und Fritz Vorspel, Lehrer am KvG 1965-98, beschreiben die musikalische Tradition der Internatsschule vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, die im KvG bis heute weiter wirkt:

"Ich denke vor allem an die wichtigen musischen Bereiche wie Gesang, Musik und auch Theaterspiel. Im Fächerkanon der Schule fehlt zwar Kunst und Musikerziehung, aber die praktische Seite der Musikausübung hat einen umso höheren Stellenwert. Die Leistungen des Chores, besonders bei der Gestaltung der Gottesdienste, wird von Gästen immer wieder bewundert. Jeder Anfänger lernt schnell, vom Blatt zu singen, wobei die Solmisation (Ziffersystem) gute Dienste leistet. Jeder kann ein Instrument seiner Wahl erlernen und im Blas- oder Streichorchester mitspielen. Es gibt wenig Ablenkung und so steht genügend Zeit für konzentriertes Üben zur Verfügung.
Dass wir bei der Wahl klassischer Orchesterstücke gelegentlich über unsere Verhältnisse lebten, soll hier nur am Rande vermerkt werden. Ich erinnere mich an ein Symphoniekonzert 1929. Ein Schüler schrieb dazu in die Chronik: ,,Zur Aufführung kam die unvollendete Symphonie von Schubert, die unser Orchester noch unvollendeter aufführte." Aber Freude gemacht hat's trotzdem."

P. Karl Springob: Kardinal-von-Galen-Schule. In: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1986, Münster 1986

"Alle Internatsschüler hatten Gelegenheit, kostenlos ein Intrument zu erlernen, ein Angebot, das die Möglichkeiten der damaligen Normalfamilie weit überstieg. So wurde die Grundlage auch für die bis heute anhaltende musikalische Tradition der Schule gelegt. Ein Blick in die Chronik mag das verdeutlichen: Der Schulchor hatte allein für das Schuljahr 1959/60 - man kann es kaum glauben - im Programm Messen von Mozart, Buxtehude, Hassler, Orlando di Lasso, Giovanni da Gabrieli, Lermacher; außerdem die Johannes-Passion von Schütz. Es kann wie eine Verpflichtung auf diese Tradition angesehen werden, wenn in diesen Tagen, zum 50jährigen Bestehen unserer Schule, ein weiteres Großwerk erarbeitet wird: die Cäcilienmesse von Charles Gounod. Der Wandel der Zeiten wird in dieser Veranstaltung aber auch gleichzeitig sinnfällig: Schüler, Eltern, Lehrer und viele "Ehemalige" bilden den Chor und das Orchester."

Fritz Vorspel: Fünfzig Jahre Kardinal-von-Galen-Schule. In: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1996, Münster 1996


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P. Wilhelm Tegethoff, die musikalischen "Lokomotive" der 50er und 60er Jahre. Links: Chor und Bläser bei der Gestaltung einer Fronleichnamsprozession; Mitte und rechts: Konzert des Schulorchesters. Auf dem mittleren Bild P. Klaus Sanders als Schüler (mit Klarinette)
04 "Hör und staune einer nur,
dieses Jahr beim Abitur" -
sagte Tegethoff verschreckt, -
"wollen statt Musik sie Sekt,
wenn sie werden nun entlassen."
Und das konnte er nicht fassen.
Alle Mühe, alle Plage
war dahin mit einem Schlage.
Ja, er sah mit großen Sorgen
schwarz für die Musik von morgen.
Mutlos, krank und voller Bangen
ist er plötzlich heimgegangen. -
Sein Verlust war groß, tat weh
dem gesamten KvG.
Tatkräftig, wenn auch beklommen,
haben wir dann übernommen,
was er mühsam aufgebaut;
nicht auf Mehrarbeit geschaut.
Flöten, Geigen, frohes Singen
hörte wieder man erklingen.
Orchester, Chor und Flötenkreis
macht Pater Simmich, wie man weiß.
Pater Coenenberg indessen
sei dabei auch nicht vergessen.
In den Klassen (außer 8)
wird ganz groß Musik gemacht.
Noten lernen, komponieren,
alles das auch musizieren,
Dreiklänge und den D-7,
außerdem Kadenzen üben;
die Geschichte der Musik
wird gelernt, o welch ein Glück!
Jazz und Pop gibt's in der 9.
Auch 'ne Band für Groß und Klein
hat die Proben aufgenommen
zu der Schule Nutz und Frommen.
Die Oberstufe schließt den Reigen,
und bestes Wissen muß der zeigen,
der Abi macht im vierten Fach.
Doch mancher, der studiert hernach,
hat ganz beglückt mit Engelszungen
das Lob der Schule dann besungen.
Am Ende sei hier noch zu loben
Instrumentalkurs "12" mit Proben,
Idealismus und viel Fleiß.
Konzert-Erfolge sind der Preis.
Was kann es Schöneres wohl geben!
Konzerte konnten wir erleben:
Klassik, Barock, Salon, Modern.
Wir spielen alles gut und gern,
auch wenn wir manches Mal nicht wissen,
woher wir Noten nehmen müssen.

Wir pflegen, das ist zu begrüßen,
den Austausch mit der Uni Gießen
und waren dort. Sie kamen drum
mit dem Collegium musicum
nun auch schon mehrmals zu uns her.
Die Gießener gefielen sehr.

Rund 15 Jahre sind vergangen
seit Pater Tegethoffens Bangen.
Ich find: Viel Einsatz und Geschick
gab uns die ,,Musica" zurück,
und Pater Tegethoff dort oben
hat sicher Grund, uns auch zu loben.

Viva la Musica!
P. Johannes Coenenberg dirigiert
ein Konzert des Schulorchesters
Das Gedicht von Margot Schön (in: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1986, Münster 1986) beschreibt die musikalische Entwicklung am KvG in den 70er und 80er Jahren
05 06 07
Aufführung der Schulmeisterkantate von Telemann
durch P. Hermann (Missionshaus)
Gestaltung einer Feier in der Aula durch das Schulorchester mit P. Tegethoff Blasorchester mit P. Bernhard Bessen, das an
Feiertagen und Elternbesuchstagen aufspielte
08 09 10
P. Johannes Coenenberg
mit Musikern und Sängern
Gestaltung einer Weihnachtsmesse durch das
Schulorchester mit P. Manfred Simmich
Margot Schön mit einem Instrumentalkurs,
Abiturjahrgang 1987