| Benediktinerabtei Königsmünster, Meschede | |
Seit 25 Jahren gehören Tage religiöser Orientierung zum optionalen Angebot an unserer Schule. Sie werden den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 zum Ende des ersten Halbjahres angeboten, zu einem Zeitpunkt, an dem innerhalb ihrer Schullaufbahn eine besondere Sensibilität für Lebens- und Zukunftsfragen besteht, ohne bereits von der unmittelbaren Abiturvorbereitung in Anspruch genommen zu sein. Die teilnehmende Gruppe verbringt drei Tage in einem kirchlichen Bildungshaus oder Kloster. Die Freiwilligkeit der Teilnahme ist Grundlage für die Bereitschaft zur persönlichen Auseinandersetzung und zum gegenseitigen Austausch. Von Anfang an sind die Tage religiöser Orientierung ökumenisch konzipiert und organisiert. Sie werden gemeinsam von evangelischen und katholischen Religionslehrern und -lehrerinnen begleitet. Die Tagungsleitung liegt beim Schulseelsorger, teilweise auch zusammen mit externen Referentinnen und Referenten.
Tage religiöser Orientierung bieten einen Freiraum, außerhalb des Schulalltags gemeinsam Fragen der eigenen Lebensorientierung und Sinnfindung zur Sprache zu bringen. Das teilnehmerorientierte Konzept ermöglicht, dass im Mittelpunkt der Tage solche Themen stehen, die sich aus den Lebenssituationen und -erfahrungen der Schülerinnen und Schüler und aus den Prozessen in der Gruppe ergeben.
Tage religiöser Orientierung möchten den Prozess der Sinnorientierung und Identitätsbildung begleiten
und die religiöse Dimension des Lebens zur Sprache bringen.
Nur beten und über Gott nachdenken???
Einige Stichworte:
- ökumenisch von Anfang an
- drei Tage 'raus aus dem Schulbetrieb
- "auf der Suche nach dem roten Faden in meinem Leben"
- freiwillige Teilnahme, ca. 15-20% der Jahrgangsstufe 12
- in Tagungshäusern der Umgebung, zuletzt in der Benediktinerabtei Königsmünster
in Meschede
- mit Referenten aus Kirche und Schule
"Für manche sind diese Tage der Besinnung nicht weniger fordernd
als der Unterricht, Tage des Nachdenkens über Gott und die Welt und über
mich selber. "Einkehr" halten und die Möglichkeit haben,
- Mitschülerinnen und Mitschüler besser kennenzulernen
- mich über Fragen auszutauschen, die mich bewegen
- nachzudenken über mich, meine Welt, meine Ängste
- Gemeinschaft zu erfahren, z. B. im Gottesdienst und bei gemeinsamen Feiern
- Stille und Meditation einzuüben und zu finden
und vieles mehr.
In offener Gesprächsatmosphäre sich selbst in der Gemeinschaft der
Gruppe wahrnehmen, zu sich selbst finden, grundlegende Fragen nach Herkunft,
Sinn und Ziel des eigenen Lebensweges bedenken, sich einlassen auf andere Sichtweisen
- das wird in allen Gruppen im Mittelpunkt stehen."
So lautet der Einladungstext an die Schülerinnen und Schüler.
1979 wurde das Projekt zum ersten Mal durchgeführt. Seitdem fanden die
"Tage religiöser Orientierung" an wechselnden Orten mit verschiedenen Referenten
statt, begleitet von Religionslehrerinnen und -lehrern unserer Schule. Häufig
gab es ein Nachtreffen, mitunter auch weitere gemeinsame Aktionen. "Die
Religion stand nicht - wie fälschlicherweise von vielen angenommen - im
Vordergrund, sondern war lediglich ein Schwerpunktthema." "Eine wichtige
Erfahrung und ganz wesentliche Bereicherung in meiner Schulzeit." So die
Äußerungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Offenheit und vorurteilsfreies Miteinander, manchmal erst mühsam errungen,
ermöglichen intensive Gespräche und näheres Kennenlernen der
Anderen. Meditation und Stille, kreative Angebote und Gottesdienste können
die eigenen Empfindungen und Gedanken wahrnehmen helfen. Insgesamt: die religiöse
Dimension in meinem Leben erkennen, den Fragen, die Gott, die Welt oder mich
betreffen, Raum geben und so dem Alltag Tiefgang verleihen - wir geben Anstöße.
Udo Hühn