Unsere Streitschlichter

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2006
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2002

Streitschlichtung am KvG


Wer hat sich nicht schon mal gezofft und so verzankt mit einem Klassenkameraden oder sogar mit der eigentlich besten Freundin, dass sich das Gefühl breit macht: „Das kriegen wir alleine nicht wieder hin! Jetzt wäre jemand gut, der Zeit hat, uns versteht und beim Vertragen hilft!“ - Diese Stelle gibt es im KvG. Sie heißt Schlichtungsraum, befindet sich neben dem Forum und der Schulseelsorge und ist in jeder ersten großen Pause besetzt mit Streitschlichterinnen und Streitschlichtern in roten Schlichter-T-Shirts. Zusätzlich hat - und dies ist seit diesem Jahr neu - immer ein Schlichterteam in der ersten großen Pause auch auf dem Schulgelände Pausendienst und ist dort für die Mitschüler ansprechbar, sozusagen als Ersthelfer bei Streitigkeiten, sei es z. B. an der Tischtennisplatte oder beim Fußballspielen.
„Was passiert eigentlich bei einer Streitschlichtung?“ Diese Frage stellen sich nicht nur die neuen Schülerinnen und Schüler und deren Eltern im 5. Jahrgang, sondern das ist auch immer noch vielen aus den anderen Jahrgangstufen nicht geläufig. Hier wollen wir Abhilfe schaffen.
Wenn es einen Konflikt gegeben hat und die Konfliktparteien sich selbst entschließen, freiwillig zur Schlichtung zu gehen - Lehrer dürfen aber auch gerne die Schlichtung als heißen Tipp an ihre Schülerinnen und Schüler weiter geben - suchen sie in einer ersten großen Pause den Schlichtungsraum auf, in dem in der Regel immer zwei Schülerschlichter/innen Dienst tun. Wer gerade dran ist, kann man dem Dienstplan entnehmen, der in der Pausenhalle rechts im SV-Kasten aushängt. Dort und in jedem Unterstufenklassenraum sind die Schlichterteams mit Fotos und Namen ausgehängt.
Eine Schlichtung besteht aus vier Schritten:

Schritt 1: Zunächst werden die Regeln einer Schlichtung erläutert. Es gibt Gesprächsregeln, die Schlichter sind unparteiisch, und sie sagen garantiert nichts weiter; alles, was besprochen wird, behalten die Schlichter für sich. - Ganz wichtig: Sie sind nicht der „lange Arm des Lehrerzimmers“, d. h. kein Lehrer erfährt, was besprochen wird. - Die Konfliktparteien suchen selbst eine Lösung für ihr Problem, dabei sind die Schlichter Moderatoren.

Schritt 2: Die Parteien können nacheinander in Ruhe erzählen, was aus ihrer Sicht bei dem Konflikt passiert ist. Im Anschluss daran wird versucht, durch einen Rollentausch das Gegenüber besser zu verstehen, jeder spricht über seine Anteile am Konflikt und über mögliche Handlungsalternativen.

Schritt 3: Auf dem Weg zur Lösung füllen die Parteien gelbe und blaue Zettel aus, die anschließend einander laut vorgelesen werden. Es werden die Satzanfänge „Ich erwarte...“ und „Ich bin bereit...“ jeweils ergänzt. In der Regel passen etliche Erwartungen zu Bereitschaften des Konfliktpartners, so dass am Ende dieses Schrittes beide Parteien wissen, was dem/der anderen wichtig ist und was er/sie selbst leisten möchte, damit sich die Situation wieder verbessert.

Schritt 4: Im letzten Schritt setzen die Schlichter zusammen mit den Konfliktparteien einen Vertrag auf. Die wichtigsten Vereinbarungen von den Zetteln werden schriftlich festgehalten. Alle unterschreiben diesen Vertag, und es wird ein Folgetreffen in 14 Tagen vereinbart, damit überprüft werden kann, wie es mit der Vereinbarung geklappt hat.
Die Konfliktparteien bekommen einen Entschuldigungszettel als stille Erklärung für den unterrichtenden Kollegen der dritten Stunde, in der man ca. 10-15 Minuten verspätet eintrifft. Der Zettel wird kommentarlos von der Lehrkraft zur Kenntnis genommen, und die Schüler nehmen wieder am Unterricht teil.

[...] Streit ist nichts Schlimmes, sondern gehört zum Leben von Menschen, die anderer Meinung sind, dazu. Schlimme Folgen gibt es nur dann, wenn ein Streit das Klima in der Klasse vergiftet, wenn Freundschaften deswegen zu zerbrechen drohen oder aber wenn es wegen eines Konfliktes jemandem in der Klasse richtig schlecht geht, wie es z. B. bei Mobbingfällen passiert. In solchen Situationen sind die Schlichter auf jeden Fall die richtigen Ansprechpartner! Wir laden alle ein, diese Chance für ein besseres Miteinander zu nutzen! Die Schlichterinnen und Schlichter lassen niemanden allein und helfen bei der Lösungssuche!
Übrigens: Bei uns findet keine Schlichtung ohne Gummibärchen statt!
Esther Röder und Christa Chrobak, Mediatorinnen und Schlichtertrainerinnen

Streitschlichtung an der Schule - Schüler, Eltern und Lehrer haben einen Gewinn


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Christa Chrobak und Esther Röder,
Mediatorinnen und Schlichtertrainerinnen
Gewinn für Schülerinnen und Schüler
Speziell für die Schülerinnen und Schüler, die einen Konflikt untereinander gelöst haben, gilt:
- Wenn sie sich wieder begegnen, brauchen sie keine Angst mehr voreinander zu haben.
- Keiner hat verloren. Niemand muss Gelegenheiten suchen, um Rache zu nehmen. Ihre Beziehung ist ausgewogen.
- Beide haben erlebt, dass ein Konflikt gewaltfrei aus der Welt geschafft werden kann.
- Sie erfahren die Verbindlichkeit von getroffenen Vereinbarungen.

Gewinn für die Schule
- Streitende lernen, ihre eigenen Probleme zu lösen. Sie müssen sich nicht auf andere verlassen. Sie werden sich eher an die Vereinbarungen halten, weil sie auf ihren eigenen Ideen beruhen.
- Schülerinnen und Schüler müssen nicht zu Lehrkräften laufen, wenn ein Konflikt sie bedrückt.
- Jüngere erhalten ein höheres Maß an Sicherheit, weil sie durch die Schlichterinnen und Schlichter Schutz und Hilfe erfahren.
- Schüler schlagen sich seltener, sie sprechen miteinander. Sie wissen, dass beide Seiten durch Gespräche etwas gewinnen können.
- Sie erfahren, dass ein Konflikt auch Ausgangspunkt für neue, positive gemeinsame Erfahrungen mit dem Kontrahenten sein kann.
- Sie werden mit Fähigkeiten ausgerüstet, um mit Konflikten außerhalb der Schule im späteren Leben umzugehen.
- Das gilt im besonderen Maße für die Schülerinnen und Schüler, die sich als Schlichter ausbilden lassen. Die schon bestehende Neigung zu vermitteln wird professionalisiert.

Gewinn für die Lehrerinnen und Lehrer
- Die Gewinne, die Schülerinnen und Schüler haben, decken sich mit den Intentionen zur Werteerziehung, vor allem der Erziehung zur Selbstständigkeit.
- Lehrkräfte kommen dem Ziel zu lehren, wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden können, näher.
- Sie werden bei leichten und mittelschweren Konflikten zwischen Schülern entlastet.
- Lehrerinnen und Lehrer erhalten auch für sich ein Instrument an die Hand, schwierige Fälle zu lösen, in denen Schülerinnen und Schüler überfordert sind.

Gewinn für Eltern
- Eltern erhalten durch Informationen beim Elternabend und durch Berichte ihrer Kinder ein Angebot, wie sie auch zu Hause Konflikte lösen können.
- Eltern sind froh, dass ihr Kind in der Schule neben Sachwissen auch ein Instrument kennen lern, durch das ein besseres Zusammenleben möglich wird.
- Eltern sind beruhigt, weil auch bei Abwesenheit von Lehrerinnen und Lehrern, z. B. im Schulbus, in der Bahn, oder bei der Aufsicht aus größerer Entfernung, z. B. auf dem Schulhof, ihr Kind im Konfliktfall Schutz und Hilfe hat.
KvG-Jahrbuch 2007/08