Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler
(1811 – 1877)

"Wollen wir die Zeit erkennen, so müssen wir die soziale Frage zu ergründen suchen.
Wer sie begreift, erkennt die Gegenwart, wer sie nicht begreift, dem ist die Gegenwart und Zukunft ein Rätsel."

(W. E. von Ketteler, Adventspredigten im Mainzer Dom)

gemalt von OStD Guido Muer +
Schulleiter von 1966 bis 1992

 
 

Sein Leben

geboren am  25.12.1811 in Münster, als sechstes von neun Kindern
1824 Besuch des Jesuiteninternats in Brig (Schweiz)
1829 Abitur in Münster, anschließend Studium der Rechts- und Staatswissenschaft in Göttingen, Berlin, Heidelberg u. München
1835 - 1838 Arbeit als Verwaltungsbeamter
1841 - 1843 theologische Studien in München
01.07.1844 Priesterweihe in Münster, Kaplan in Beckum, anschließend Pfarrer in Hopsten
1848 Wahl zum Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, wo er als Mitglied des kath. Kirche zum Vorkämpfer kath. Interessen, der kirchlichen Freiheit und der christlichen Schule wird gewinnt große Aufmerksamkeit durch seine Rede für die Opfer des Frankfurter Septemberaufstandes, durch sein Auftreten beim 1. Mainzer Katholikentag und durch die 6 Mainzer Adventspredigten über die soziale Frage (1848)
1849 Niederlegung des Mandats, anschließend Ernennung zum Propst an St. Hedwig in Berlin und gleichzeitig fürstbischöflicher Delegat von Brandenburg und Pommern
20.05.1850 Ernennung zum Bischof von Mainz
1869/70 Teilnehmer des 1. Vatikanischen Konzils in Rom - Diskussion um Unfehlbarkeit des Papstes
1871 Wahl in den Reichstag
1872 Niederlegung des Mandats
gestorben am 13.07.1877 im Kapuzinerkloster Burghausen (Oberbayern) und spätere Beisetzung in der Marienkapelle des Mainzer Doms 

 

"Ohne Ketteler wären wir noch nicht so weit" (Otto von Bismarck)

Ketteler beeinflusste maßgeblich die Sozialpolitik des 19.Jahrhunderts durch seine Stellungnahme zu den sozialen Fragen, durch Organisation des katholischen Vereinswesens, durch Förderung des Siedlungswerkes und Einwirkung auf die Zentrumspartei (Gründung 1870/71), die Arbeiterschaft und die Jugendbildung. Er schrieb u.a. "Freiheit, Autorität und Kirche" (1862) sowie "Die Arbeiterfrage und das Christenthum" (1864). Bischof Ketteler gab bedeutende Anregungen zur bahnbrechenden Sozialenzyklika Rerum Novarum (Leo XIII). Auf Kettelers Initiative hin wurde seit 1867 die Fuldaer Bischofskonferenz zur ständigen Einrichtung. Sein gesamtes Vermögen gab er für soziale Zwecke aus. Die Gedanken des "sozialen Bischofs" sind zum Ideengut aller christlichen Sozialreformer geworden. Seine Einstellung zum Staat war lange Zeit Vorbild für die Gesamtheit der deutschen Bischöfe. Ketteler war die markanteste und populärste Gestalt des deutschen Katholizismus im 19.Jahrhundert. Sein Leben und Wirken war eng mit den Reformbewegungen der Zeit verknüpft. Das am 06.05.1891 im Reichstag angenommene Arbeiterschutzgesetz ist auch aus dem Geist Kettelers erwachsen.

"Die Arbeiterfrage und das Christentum" (W. E. von Ketteler 1864)

"Wenn es keine anderen Potenzen mehr in der Welt gäbe..., so ginge Deutschland dem Zustand entgegen, wo wir es in zwei Hälften teilen könnten: in die reichen Börsenmänner und Spekulanten mit all ihren Schmarotzern und die von ihnen absolut abhängige Arbeitermasse, die Proletarier. Gibt es dagegen keine Mittel mehr? Müssen wir unser deutsches Volk dieser neuen Sklaverei entgegengehen lassen und ruhig zusehen, wenn man noch dazu diesem Volke den Wahn beibringt, dass dieser Zustand Fortschritt, Freiheit, Aufklärung und Glückseligkeit sei? Gewiss nicht."

Gedenktafel zur Erinnerung an das Geburtshaus im Alten Steinweg 47, Münster

Wilhelm Emmanuel von Ketteler auf YouTube ... hier  (NDR Info - ZeitZeichen vom 25.12.2011 Autor: Kay Bandermann)

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