Vorträge / Referate

 

Mittwoch, 18. September 2019, 18:30 Uhr

Firma Advanced Bionics
Referentin: Inga Scholz, Advanced Bionics

Die Cochlea-Implantat-Firma Advanced Bionics ist heute zu Gast im Hörbehindertenzentrum Münster und wird von Frau Inga Scholz, Gebietsleiterin Nordwest vertreten. Der Vortrag von Frau Scholz wird uns zunächst auf den aktuellen Stand der Forschung bringen. Die zeitgemäße Technik der modernen Cochlea-Implantate der Fa. Advanced Bionics selbst werden erläutert aber auch deren Anbindungsmöglichkeiten an externen Geräten, wie z.B. Handy, Telefon und Fernseher erklärt. Aber auch Hörtrainingsmöglichkeiten werden vorgestellt und die Chancen für eine gute CI- Nachsorge mit Hilfe von Reha-Aufenthalten nahe gebracht.
Der Vortrag findet am 18.09.2019 um 18:30 Uhr im Hörbehindertenzentrum, Westfalenstr. 197 in 48165 Münster-Hiltrup statt. Der Besuch ist nicht mit Kosten verbunden. Gäste sind herzlich willkommen.

Der Vortrag wird technisch unterstützt durch eine Induktionsanlage und eine Schriftdolmetschertechnik.

 

 

 


 
 
Rückblick
 

KSL Münster am 18.05.2019

 

Die anwesenden Zuhörer und Zuhörerinnen wurden von Reiner von Oppenkowski, Natalie Heines und dem Referenten Oliver Schneider zum Vortrag „KSL Münster – Was ist das?“ begrüßt.

Oliver Schneider möchte das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL) vorstellen. Kennt das jemand von den Zuhörern? = NEIN

Der Regierungsbezirk Münster (Geschäftsstelle) hat eine KSL-Einrichtung an der Neubrückenstraße, in der Nähe befindet sich das Theater Münster.

In NRW sind insgesamt 6 KSL-Einrichtungen entstanden. Das Team von Regierungsbezirk Münster besteht aus 6 Mitarbeitern. Jeder von den Mitarbeitern betreut/verwaltet im zugeteilte Bezirke. Herr Schneider betreut die Bezirke Münster, Steinfurt und Kreis Warendorf.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmt Leben NRW ist der größte Dachverband. Ihm sind zur Zeit ca. 140 Mitgliederverbände und 35 Interessengruppen angeschlossen.

Das Pilotprojekt wurde im Jahr 2016 ins Leben gerufen bzw. gestartet. Seit 2016 haben die Mitarbeiter des Regierungsbezirks Münster viele Menschen in Einzelfallberatungen unterstützt und begleitet.

Bei den vielen Veranstaltungen bzw. Projekten
versuchen die Mitarbeiter, die Interessierten,
sowie die Behinderten selber, die verschiedensten
Interessen und Aufgaben mit der Politik zu verknüpfen bzw. zu vernetzten, was sehr oft nicht einfach ist.

Es ist nicht einfach, die Mitmenschen aktiv anzusprechen, zu sensibilisieren, zu begeistern, damit diejenigen uns „Behinderte Menschen“ unterstützen. Viele dieser Menschen haben oft keinen Kontakt bzw. sind nicht mit behinderten Menschen in Berührung gekommen.

Es gibt viele Gruppen von behinderten Mitmenschen, die alle unterschiedliche Behinderungen, als auch chronische Erkrankungen haben.

Seit 2016 wurden viele verschiedene Projekte für diese Gruppen gestartet, die auch zum Erfolg geführt haben. Viele Projekte brauchen „Zeit“, die

oft nicht da ist. Die Projekte haben eine Laufzeit von 5 Jahren.

Die Gelder kommen zum Teil über die Landesministerien und zum anderen Teil über die Europäischen Sozialfonds. Dazu gehören auch viele vorgegebene Richtlinien, die eingehalten werden müssen. Alle 5 Jahre werden neue Bewerbungen für „neue“ Projekte gestartet.

Somit ist auch viel Bürokratie bzw. Verwaltungsaufwand zu bewältigen, Steine aus dem Weg räumen, usw. Das geht nur mit großer Unterstützung der Behinderten, Angehörigen und vielen anderen Menschen.

Die weiteren Kompetenzzentren sind in Arnsberg, Detmold, Düsseldorf und Köln um einige zu nennen. Die verschiedenen Stellen sind alle miteinander vernetzt, unterstützen und arbeiten überregional miteinander.

Für die behinderten Menschen werden neue Lösungen, neue Wege, neue Möglichkeiten gesucht und gefunden um ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Für das „selbstbestimmte Leben“ der behinderten Menschen wurden Öffentlichkeitsarbeiten, gemeinsame Ausstellungen oder Filme erarbeitet und umgesetzt.

Ein gemeinsames Bewusstsein wird dafür geschaffen, damit wir alle in einer Gesellschaft mit oder ohne Behinderung, miteinander leben können.

Natalie Heines

 

Bericht „Wege entstehen beim Gehen“

Zu diesem einladenden Titel trafen sich am 15. Sep. 2018 insgesamt 18 Mitglieder, um einen spannenden Vortrag über Kommunikations- und Hörtaktik zu besuchen. Der Vortrag wurde von Frau Regina Klein- Hitpaß gehalten, die extra für uns aus Dingen (bei Bocholt) angereist kam. Frau Klein-Hitpaß ist selbst hörbehindert, hat eine Schule für Heilpraktiker in Unna besucht und ist als psychologische Beraterin ausgebildet. In dieser Funktion ist Frau Klein-Hitpaß als Seminarleiterin aktuell tätig.

Die Teilnehmer erfuhren, dass Hörtaktik von schwerhörigen Menschen oft angewandt wird, ohne dass es uns bewusst ist. Hörbehinderte achten z.B.

unbewusst auf Körpersprache des Gesprächsteilnehmers. Wir achten auch auf Lichtverhältnisse, Sitzplätze, auf Mimik und sehen vom Munde ab. Hierbei kombinieren wir ständig und fragen uns selbstzweifelnd, ob wir auch alles richtig verstanden haben. Diese ständigen Selbstzweifel erzeugen Hörstress, in dessen Verlauf Erschöpfungszustände hinzukommen. Als Konsequenz des nachhaltigen Erschöpfungszustandes passen sich Hörbehinderte an, in dem z.B. Fragen einfach mit „Ja“ beantwortet werden, obwohl man die Fragestellung nicht verstanden hat. D.h. es fehlt die Kraft, ständig immer nachzufragen. Das Ende dieser gefährlichen Entwicklung ist dann der Verlust der Entspannungsfähigkeit und im schlimmsten Falle kann es dann zum Burn-Out kommen.

Hiervon abzugrenzen ist die bewusst eingesetzte Hörtaktik. Diese umfasst den gezielten individuellen Einsatz von Technik. Das sei immer gut und jeder sollte stets darauf achten, dass man technisch zeitgemäß ausgestattet ist.

Bewusst zu unterscheiden ist der Unterschied zwischen Nutzschall und Störschall. Unter Nutzschall versteht man in erster Linie Sprache. Aber auch alle anderen Geräusche, die wichtig sind, d.h. Informationen beinhalten. Zum Beispiel eine Türklingel o.ä.. Störschall sind Lärmquellen, die keine Informationen beinhalten und die nur bei der eigentlichen Kommunikation stören. Insbesondere der Krach von Straßenverkehr sei hier genannt.

Bei aller Anwendung von Taktiken sei es aber unerlässlich, dass die Einstellung zur eigenen Behinderung geändert wird. Denn nicht die Behinderung ist der Mittelpunkt, sondern der Mensch. Das heißt aber auch, dass man ggf. Mut aufbringen muss, Dinge und Situationen zu ändern. Zum Beispiel den Gesprächspartner nicht in Unwissenheit über die eigene Hörbehinderung lassen, sondern diesen hierüber informieren. Die Änderung dieser Denk- und Verhaltensweise erhöht automatisch das Selbstwertgefühl eines Hörbehinderten.

Nicht: Ich kann nicht, sondern ich kann. Diese Änderung der Einstellung verhindert auch die unter Hörbehinderten weit verbreitete übliche Verstecktaktik. Verstecktaktik, damit umschreibt man das Verhalten, nicht mit zur Mittagspause mit den Kollegen zu gehen, das Mitlachen, obwohl man in Wirklichkeit nichts verstanden hat.

Frau Regina Klein-Hitpaß ermunterte alle Zuhörer zum Schluss, mit der eigenen Hörbehinderung offensiv umzugehen. Das dadurch gesteigerte Selbstwertgefühl erleichtert anschließend die Kommunikation und den Umgang mit den hörenden Mitmenschen.

 

Insgesamt ein spannender Vortrag, der die eigene Hörbehinderung aus einem ganz anderen Winkel betrachtet. Nach dem Vortrag standen sowohl Zuhörer als auch Frau Klein-Hitpaß selbst noch lange zusammen und diskutierten das Gehörte.

Geschrieben: Joachim Bless