
Die Europaschule sieht sich dem interkulturellen Lernen verpflichtet. Eine interkulturelle Kompetenz, die an Fremdsprachenangeboten gebunden ist, fördert die Fähigkeit, sich adäquat gegenüber den Erwartungen der Kommunikationspartner aus anderen Kulturen zu verhalten. Aus diesem Lernprozess entsteht ein Bewusstsein kultureller Differenzen zwischen eigener und fremder Kultur, das unsere Schülerinnen und Schüler befähigt, als ‚Mittler zwischen den Kulturen' mit sich und seiner eigenen kulturellen Herkunft identisch zu bleiben.
Die interkulturelle Handlungsfähigkeit als Leitziel wird an der Europaschule auf drei Ebenen vermittelt und eröffnet den Heranwachsenden die Begegnung mit anderen Kulturen in Toleranz. Auf der Sachebene wird eine Kenntnis der anderen Sprache und Kultur vermittelt, die über die Faktenkenntnis hinausgeht und soziale Konventionen berücksichtigt. Die Methodenebene fördert das spontane sprachliche Handeln. Hierbei werden die unterschiedlichsten Wissensebenen gefordert, auch die Beherrschung von Gestik und Körpersprache, die für die Zielsprache geltende Normen sprachbegleitender Handlungen darstellen. Diese Erfahrungen stärken die Persönlichkeitsebene der Lernenden in der Begegnung mit dem Neuen und Fremden wie auch sich selbst gegenüber.
Die Europaschule fördert persönlichkeitsbestimmende Haltungen wie Offenheit gegenüber einer fremden Sprache, gegenüber Sprechern, die das Deutsche mit Akzent und sonstigen Abweichungen behaftet sprechen; Rücksichtnahme, wenn das Gegenüber nach Worten ringt; Souveränität, wenn in der Gastfamilie untereinander in normaler Sprechgeschwindigkeit gesprochen wird. Hierzu leistet auch die früh einsetzende literarische Textkompetenz ihren Beitrag.
Der Fremdsprachenunterricht an der Europaschule gründet sich also auf die Didaktik des Fremdverstehens. Hierzu gehört die Notwendigkeit, sich einerseits der eigenen Erwartungen, Vorannahmen und Erfahrungen bewusst zu werden, andererseits, das Fremde auf der Folie dieser Voraussetzungen zu deuten. In der Auseinandersetzung mit sich selbst und fremdsprachlicher Literatur soll das Verstehen des Fremden initiiert, aber auch die Abhängigkeit des Verstehensprozesses von der eigenen Ausgangsposition verdeutlicht werden.
In der Auseinandersetzung mit fremdkulturellen Handlungen oder Konzepten an der Europaschule kann die ethnozentrische Einengung auf die eigene Kultur vermieden und die eigene Positionsbestimmung in einem geeinten Europa auf eine breitere Basis gestellt werden. Zugleich ergibt sich aber auch die Möglichkeit, sich seiner "kulturellen Eigenheiten" bewusst zu werden und dieser kulturellen Verwurzelung auch treu zu bleiben. Somit erwächst die Idee einer europäischen Identität aus dem Bewusstmachen der Chancen, die unsere Schülerinnen und Schüler durch das positive Gefühl ihrer Zugehörigkeit zur europäischen Völkergemeinschaft gewinnen.
Die Europaschule fördert und fordert deshalb besonders den authentischen Kontakt im Schüleraustausch. Sie bietet den Heranwachsenden das Verlassen des schulischen Kontextes, das Überschreiten von Landes- und Kulturgrenzen, die Gegenseitigkeit der Maßnahme, die Kontrastivität und den Dialogcharakter, die Möglichkeit des Erkundens und der weitgehend fehlenden Fremdsteuerung bei gleichzeitiger Förderung des individuellen Lernens und Handelns in einer originalen fremdsprachlichen Umgebung.
Deshalb stellen auch Methodenlernen und dessen Evaluation integrale Bestandteile des ständigen Prozesses der Schulentwicklung dar, an dem die Europaschule arbeitet. Sie nimmt damit ihre Rolle als aktiver Partner in einer sich wandelnden Gesellschaft verantwortlich wahr.
Die Arbeitsschwerpunkte in der Europaschule erstrecken sich auf
- vielfältige Austauschprojekte (möglichst mit originalen und personalen Begegnungen),
- verstärkte und intensivierte Vermittlung von Sprachen (einschließlich der Einführung eines Sprachportfolios),
- die curriculare Verankerung der Europäischen Dimension im Unterricht,
- methodische Vielseitigkeit (im Interesse nachhaltigen Lernens),
- die Vorbereitung in die Arbeitswelt Europa des 21. Jahrhunderts (Berufsvorbereitung unter den Bedingungen eines gemeinsamen Arbeitsmarktes),
- die Entwicklung sinnvoller Formen der Evaluation des Lernerfolgs (mit internen und externen Mitteln),
- die Erprobung und Festlegung effektiver Formen des Schulmanagments (angesichts gesteigerter Schulprogrammansprüche).
Die Beschreibung der Europaschule als Schulform:
Schulministerium NRW: Europaschulen
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