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Das aktuelle Krankheitsbild

ein Experteninterview für Patienten
Aktuell: Das Bauchaortenaneurysma

Abb. Dr.med. E. Klenk

Interview mit Dr. med. E. Klenk,
Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie
des St. Franziskus-Hospitals Münster


Unter einem Bauchaortenaneurysma versteht man eine Aussackung der Hauptschlagader im Bauchraum. Gefährlich wird diese Erkrankung dadurch, daß die aufgeweitete Hauptschlagader ab einer gewissen Größe zu platzen droht und der Patient dann innerlich verbluten würde, sofern nicht unverzüglich eingegriffen wird.
Herr Dr. Klenk, wie viele Patienten sind in der BRD schätzungsweise von einem Bauchaortenaneurysma (BAA) betroffen?

Es gibt in der BRD schätzungsweise 220 000 Aneurysmaträger. Das sind Zahlen von 1992. Am häufigsten tritt es im 6., 7. Lebensjahrzehnt auf, Männer sind 4-6mal häufiger als Frauen betroffen.

Welche Möglichkeiten gibt es, um diese gefährliche Aussackung der Bauchschlagader im Vorfeld zu erkennen?

Die gefährliche Aussackung der Bauchschlagader kann durch eine einfache Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Häufig ist es auch ein Zuallsbefund im Rahmen einer Computertomographie.

Warum ist ein Bauchaortenaneurysma so gefährlich?

Es ist deshalb so eine gefährliche Erkrankung, weil die aufgeweitete Bauchschlagader ab einer gewissen Größe zu platzen droht. Viele Patienten wissen gar nicht, daß sie solch ein Bauchaortenaneurysma in sich tragen, da es keine Symptome macht. Bauch- oder Rückenschmerzen können auf ein drohendes Platzen eines Bauchaortenaneurysmas hinweisen. Tritt dieser Fall der Ruptur, also des Platzens ein, so erreichen nur 10% der Patienten lebend das Krankenhaus und trotz sofortiger Notoperation versterben von diesen Patienten im Krankenhaus 50%. Soweit darf es also gar nicht erst kommen!

Muß jede aufgeweitete Bauchschlagader sofort operiert werden?

Nein, denn es kommt auf die Größe des Bauchaortenaneurysmas an. Beträgt der maximale Querdurchmesser des Bauchaortenaneurysmas mehr als 4,5 bis 5 cm, so sollte operiert werden, damit es erst gar nicht zu solch einer Notoperation kommt! Ist das BAA kleiner, so genügen regelmäßige Ultraschallkontrollen. Man schätzt, daß in der BRD 80.000 versorgungspflichtige Bauchaortenaneurysmaträger 5 000 pro Jahr operierten Patienten gegenüberstehen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei diesem Krankheitsbild?

Es gibt neuerdings zwei Verfahren: Das sogenannte konventionelle Verfahren über einen großen Bauchschnitt, bei dem die Erweiterung der Bauchschlagader durch eine Prothese ersetzt wird und das sogenannte endovasculäre Verfahren, bei dem ohne großen Schnitt einfach durch die Leiste eine Metallprothese, ein sogenannter Stent, in die aufgeweitete Schlagader über einen Katheter plaziert wird.

Was sind die Vorteile der neuen Behandlungsmöglichkeit?

Ein großer Vorteil besteht natürlich darin, daß dieser Eingriff viel weniger belastend für den Patienten ist als eine große Bauchoperation. Der Wundschmerz ist gering, die Patienten müssen nicht auf einer Intensivstation überwacht werden und die Krankenhausverweildauer ist wesentlich kürzer als bei dem konventionellen Verfahren. Es treten keine operationsbedingten Potenzprobleme auf - ein Aspekt, der natürlich gerade bei jüngeren Patienten wichtig ist - und die Patienten haben keine Probleme mit einer großen Bauchnarbe.

Gibt es bei diesem endovasculären Verfahren auch Risiken?

Ja, denn es handelt sich um ein neues Verfahren, so daß noch keine Lanzeitergebnisse vorliegen. Wir wissen zum Beispiel, daß es zu einem Leck zwischen Stent und Bauchschlagaderwand kommen kann, es gibt Materialermüdungsprobleme oder ein Verrutschen der Prothese.

Ist jeder Patient für dieses neue Verfahren geeignet?

Nein. Patienten mit einer Kontrastmittelallergie oder einer Niereninsuffizienz, die durch Röntgenkontrastmittel verschlimmert wird, können nicht nach der neuen Methode behandelt werden. Nicht jedes Aneurysma ist von der Gestalt her für das endovasculäre Verfahren geeignet - das muß der Spezialist von Fall zu Fall unterscheiden. Zur Zeit sind ca. 20% der BAAs für ein endovasculäres Verfahren geeignet, man schätzt jedoch, daß durch eine Weiterentwicklung auf dem Prothesensektor in Zukunft ca. 40% der Bauchaortenaneurysmaträger minimalinvasiv behandelt werden können.

Herr Dr. Klenk, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.