"Die Eckpunkte des Bundesvorstandes stehen unter dem Motto: Kritik ist
nicht
erwünscht! Sie pervertieren die Aussage "alle anderen Positionen
zu
respektieren", wenn den PazifistInnen in der Partei höhnisch zugerufen
wird,
man werde "die grundsätzliche Orientierung am Pazifismus ... nicht
aufgeben.". Inhaltlich wird die Fortsetzung der bisherigen
Kosovo-Regierungspolitik als "tragfähige Basis für einen
großen Teil der
Partei" ausgegeben. Dem entspricht die unfaire, ausgrenzende Anlage
des
Parteitages. Bisher sind lediglich gesetzte Beiträge für
die Regierungslinie
vorgesehen, die Abgeordneten um Christian Ströbele und die GRÜNE
Anti-Kriegs-Initiative sollen ihre Positionen dagegen nicht im entsprechenden
Rahmen darstellen können. Soll so "die Grundlage des gegenseitigen
Respekts"
aussehen, auf der wir "gut weiter zusammen arbeiten können und
sollten"?
Die Eckpunkte verniedlichen den Krieg als "humanitäre Intervention".
Wer in
der gegenwärtigen Situation den Krieg mit all seinen Folgen für
die
Zivilbevölkerung und die Umwelt nicht als solchen beschreibt,
verharmlost die
Zerstörungen, die die NATO-Bombardements in Jugoslawien anrichten.
Abgesehen davon, daß Krieg nie das langfristig friedvolle Zusammenleben
der
Menschen fördern kann, zieht des Bundesvorstand keinerlei Konsequenzen
aus
der eigenen Analyse, daß die humanitäre Katastrophe durch
die
NATO-Kriegseinsätze beschleunigt wurde. Wer meint, "auf militärischen
Druck
gegen die serbische Seite" nicht verzichten zu können, hat nicht
realisiert,
daß sich die eigenen militärischen Allmachtfantasien der
ersten Kriegstage
als trügerisch erwiesen haben: "Humanitäre Hilfe" haben die
NATO-Angriffe
nicht geleistet, die Vertreibungen wurden systematisiert.
Die Forderung, die politische Ebene gegenüber der militärischen
zu stärken
(wer fordert das nicht?), trägt nicht besonders weit. Die Überlegung,
eine
mehrtägige Feuerpause für Hilfslieferungen zu fordern, ist
unzureichend,
zumal es in der Logik von Feuerpausen liegt, daß danach die Bombardements
wieder aufgenommen werden. Es würden wieder die Mittel eingesetzt,
die
bereits in den letzten Wochen zur Lösung des Konflikts nichts
beitragen
konnten.
In der Konsequenz bejaht der Antrag den bisherigen Kurs der Bundesregierung
und stellt sich hinter den Fischer-Plan. Aus unserer Sicht handelt
es sich
bei diesem Plan um ein Wiederkäuen altbekannter NATO-Positionen.
Es ist ein
Neuaufguß des Rambouillet-Vertrages, der bekanntlich nicht zuletzt
an der
NATO-Forderung nach Stationierung einer NATO-Truppe mit Bewegungsfreiheit
in
ganz Jugoslawien scheiterte. Unsere Kritik am Fischer-Plan betrifft
folgende
Punkte:
è Der Plan rückt keineswegs die UNO als Konfliktvermittlungsinstanz
ins
Zentrum, sondern die Rolle der UNO beschränkt sich darauf, Aktivitäten,
die
die NATO ohnehin vorhat, mit einer Legitimation zu versehen. Es geht
also um
die Instrumentalisierung der UNO.
è Der Plan sieht ein Kapitel VII Mandat für den Truppeneinsatz
im Kosovo vor,
die Zustimmung der beiden lokalen Konfliktparteien ist also nicht zwingend.
è Als Truppen sind nach wie vor NATO-Einheiten ergänzt
um Truppen anderer
Länder vorgesehen, sonst wäre die Erwähnung "no double
key" (einheitlicher
Befehlsstrang) unnötig. Es ist bekannt, daß die USA der
UNO keine Truppen
unterstellt, also soll es sich wohl um einen NATO-Kommandostrang handeln.
NATO-Truppen aus den USA, F, GB und D sind jedoch in dem Konflikt
Kriegspartei und taugen nicht als neutrale Überwachungskräfte.
Neu ist nur
das Label: Jetzt kann auch UNO statt NATO auf den Helmen stehen.
è Der Plan übersieht, daß D als Kriegsteilnehmer
keine neutrale
Vermittlungsrolle spielen kann. Solange man selbst mitschießt,
ist
Zurückhaltung bei der Vermittlung angezeigt.
è Der Plan sieht wie gehabt vor, daß die andere Seite
den ersten Schritt tun
soll: Nur wenn sich die jugoslawischen Verbände zurückziehen,
wird eine
24stündige Feuerpause ins Auge gefaßt. Bundesregierung und
NATO würden jedoch
politische Größe zeigen, wenn sie selbst den ersten Schritt
gehen würden,
indem sie die Luftangriffe gegen Jugoslawien einstellen. Nicht nur
Belgrad
kann den Konflikt beenden. Mit der Bibel könnte man die Bundesregierung
fragen: "Was siehst Du aber den Splitter in Deines Bruders Auge und
nimmst
nicht wahr den Balken in Deinem Auge?" (Matthäus 7, 3)
Es ist zu befürchten, daß die gesamte politische Initiative
am Ende nur eine
innenpolitische Wirkung hat und dazu dient, die Akzeptanz für
den Einsatz von
Bodentruppen zu erhöhen, nach dem Motto "Wir haben alles versucht,
nun müssen
leider Truppen geschickt werden".
Wir lehnen den NATO-Angriffskrieg nach wie vor ab. Er entbehrt jeder
rechtlichen Grundlage und seine humanitäre Motivation scheint
äußerst
fragwürdig. Denn wenn es um konkrete Unterstützung für
Flüchtlinge geht,
verstummen die NATO-Staaten. Statt dessen hat ein unerträgliches
Geschachere
um Aufnahmequoten eingesetzt.
Wir fordern, daß die NATO-Staaten als ersten Schritt ihr Bombardement
sofort
einstellen, um ein Signal für einen Waffenstillstand aller in
Kosovo/a
handelnden militärischen und paramilitärischen Einheiten
der jugoslawische
Regierung und der UCK zu geben. Von Seiten der jugoslawischen Regierung
fordern wir einen sofortigen Stop der brutalen Vertreibungspolitik
und der
Menschenrechtsverletzungen, die durch nichts zu rechtfertigen sind.
Ziel muß
eine vollständige Entmilitarisierung Kosovo/as sein. Wir ermutigen
alle an
den Vertreibungen beteiligten jugoslawischen Soldaten und Polizisten
zu
desertieren und fordern von den deutschen Behörden bedingungslose
Aufnahme
dieser Personen."
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Aktuelle Infos zur GRÜNEN Anti-Kriegs-Initiative finden Sie auch
im Internet:
http://www.basisgruen.de oder http://www.muenster.org/frieden