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Montag, 12. April 1999, 04:58 Uhr

Auschwitz-Überlebende gegen Kosovo-Vergleiche

von: rin

Bonn - Überlebende des NS-Vernichtungslagers Auschwitz haben am Sonntag in einem Brief an Bundesaußenminister Joschka Fischer und Verteidigungsminister Rudolf Scharping gegen deren Vergleich zwischen Auschwitz und der aktuellen Situation im Kosovo protestiert. "Wir Überlebenden von Auschwitz und anderen Vernichtungslagern verurteilen den Mißbrauch, den Sie und andere Politiker mit den Toten von Auschwitz, mit dem (...) im Namen der deutschen Herrenmenschen vorbereiteten und begangenen Völkermord an Juden, Sinti und Roma und Slawen betreiben",
heißt es in dem Schreiben.

Mit der Behauptung, es gelte im Kosovo "ein neues Auschwitz" zu verhindern, solle offenbar ein "schwerwiegender und nicht entschuldbarer Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen" gerechtfertigt werden, heißt es in dem Brief an Fischer und Scharping. "Was Sie tun, ist eine aus Argumentationsnot für Ihre verhängnisvolle Politik geborene Verharmlosung des in der bisherigen Menschheitsgeschichte einmaligen Verbrechens", kritisieren die unterzeichnenden Autoren Esther Bejerano, Kurt Goldstein und Peter Gingold.

Ebenso scharf wird das Vorgehen der jugoslawischen Führung gegen albanische Minderheiten, das massiv gegen die
Menschenrechte verstoße, von den Autoren mißbilligt. Dagegen müsse jedoch vorgegangen werden mit den Mitteln, die der
UNO zur Verfügung stünden. Wer die den Menschenrechten verpflichtete Rolle der UNO nicht nutze, sondern sie schwäche,
habe jedes Recht verloren, sich auf antifaschistische Postulate wie "Nie wieder Auschwitz" zu beziehen, erklären die Autoren.