Bundeskanzler Gerhard Schröder Auf dem SPD Parteitag

"Liebe Freundinnen, liebe Freunde, ich weiß ( . . ), daß es an dem Weg,
den die Bundesregierung (im Kosovo-Konflikt, d. Red.) gemeinsam mit
den Partnern im Atlantischen Bündnis eingeschlagen hat, Kritik gibt. Auch
und gerade Kritik aus den Reihen unserer Partei. Deshalb will ich gleich am
Anfang eines klarstellen. Wer aus grundsätzlichen pazifistischen
Erwägungen gegen jegliche Militäraktionen ist, der muß und der wird auch
weiterhin in der SPD eine politische Heimat haben ( . . . ). Wir haben in
schwierigen Zeiten von unseren Partnern Solidarität erfahren, und wir sind
verpflichtet, in anderen Zeiten Solidarität zu gewähren ( . . ). Wir stehen,
liebe Genossinnen und Genossen, aber auch in der Verantwortung
gegenüber den Menschen, die im Kosovo Opfer grausamster
Menschenrechtsverletzungen sind, Opfer von Vertreibung, Vergewaltigung
und Mord ( . . . ). Der jugoslawische Präsident Milosevic hat sein eigenes
Volk, hat die albanische Bevölkerungsmehrheit in Kosovo, hat aber auch
die Staatengemeinschaft ein ums andere Mal hintergangen ( . . . ) und hat
gegen sein eigenes Volk, gegen die übergroße Mehrheit der Kosovaren
einen grausamen Krieg begonnen, einen Krieg ( . . . ) lange bevor die Nato
eingegriffen hat ( . . ). Wer auf dem Hintergrund der unbestreitbaren
Tatsache, daß die Belgrader Regierung all diese Versuche hat scheitern
lassen ( . . . ), davon redet, politische, diplomatische Bemühungen seien
nicht genügend gemacht worden, der irrt, ( . . . ) der redet falsch. Die
Luftschläge, die die Nato macht, die von uns mitbeschlossen worden sind,
diese Auseinandersetzungen, diese Aktionen haben ein einziges Ziel, das
Ziel, eine friedliche Lösung für den Kosovo zu bringen ( . . . ). Und unsere
Antwort muß klar sein, gerade als Deutsche klar sein, das darf nie wieder
zugelassen werden, daß Deportationen, daß Mord und Vertreibung
politisch geduldet werden ( . . . ). Je größer unser Vertrauen, je fester
unsere Verankerung in der westlichen Staatengemeinschaft ist, desto
größer ist unsere Möglichkeit, etwas dazu zu tun, daß Rußland im Prozeß
einer politischen Lösung beteiligt bleibt ( . . . ).

Liebe Genossinnen und Genossen, was auch immer die Motive für Oskars
sehr persönliche und überraschende Entscheidung gewesen sein mögen:
Für seine Arbeit schulden wir ihm Respekt und Dank. Und ich sage ohne
jede Einschränkung, gerade auch in Oskars Abwesenheit: "Oskar, ohne
Deine Arbeit wären wir am 27. September nicht so weit gekommen." Wir
haben für diesen Erfolg am 27. September, den wir nicht verspielen
werden - es wird sich noch mancher wundern - hart gearbeitet,
miteinander hart gearbeitet. Wir haben ihn erreicht, weil wir verstanden
hatten, daß die Menschen Partei und Regierung als etwas ansehen, was
zusammengehört. Was nicht gegeneinander ausgespielt werden darf ( . . . ).

Und noch etwas zum Schluß liebe Genossinnen und Genossen, wer die
Publizisten aller Couleur so liest, stößt immer wieder auf einen Einwand
zwischen dem Bundeskanzler einerseits und der Partei andererseits. Da
wird viel darüber geschrieben, die Partei liebe mich nicht. Ich finde, daß
das, was da geschrieben wird, auch schon ein Stückchen Richtigkeit hat.
Liebe ( . . . ) ist ein großartiger Begriff. Aber ich sage euch, was die Liebe
angeht in des Wortes wirklicher Bedeutung, reicht mir Doris. Was ich
möchte ( . . ) ist was ganz anderes. Ich möchte durch meine Arbeit Euren
Respekt, ich möchte durch meine Arbeit Eure Unterstützung und ich
möchte ( . . . ) irgendwann einmal sagen können: Nachdem ich bewiesen
habe, daß ich für die Ziele der SPD arbeiten kann, habe ich sogar
Zuneigung verdient. Das ist alles, was ich möchte."