Bonn (dpa) -
Bei den Grünen wird die Forderung nach einer
Verhandlungslösung im Kosovo-Konflikt immer lauter.

 Heute sprachen sich sechs Bundestagsabgeordnete für einen einseitigen
 Stopp der Nato-Luftangriffe auf Jugoslawien aus. Mit einem solchen Schritt
 soll ein "sofortiger, von internationalen Truppen überprüfbarer
 Waffenstillstand" vorbereitet werden, geht aus einer gemeinsamen
 Erklärung der sechs hervor, die der dpa in Bonn vorlag. Auch
 Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte zuvor an die EU und die Nato
 appelliert, den Konflikt nicht weiter zu verschärfen, "sondern sich auf eine
 politische Lösung zu konzentrieren".

 Die sechs Grünen-Parlamentarier stellen in ihrer "kritischen
 Zwischenbilanz" fest, daß die Nato ihre Ziele bislang nicht erreicht habe.
 "Die humanitäre Katastrophe konnte nicht verhindert werden. Der
 serbische Vertreibungsterror nahm unvorstellbare Ausmaße an." Das
 Rambouillet-Abkommen sei "offensichtlich obsolet geworden". Der
 Bundesvorstand der Grünen tritt im Interesse einer politischen Lösung für
 eine befristete Einstellung der Bombardements auf Jugoslawien ein. Eine
 Gruppe von sieben linken Abgeordneten der Grünen um Hans- Christian
 Ströbele lehnen die Militäraktionen gegen Jugoslawien kategorisch ab.

 Die jetzige Erklärung unter dem Titel "Zurück zur Politik" ist unterzeichnet
 von Christian Sterzing, Winfried Hermann, Winfried Nachtwei, Claudia
 Roth, Hans-Josef Fell und Klaus Müller. Sie plädieren dafür, möglichst
 geringe Hürden für eine Beendigung der Kampfhandlungen aufzubauen.
 "Die Bedingungen für einen Waffenstillstand und für ein
 Friedensabkommen müssen getrennt werden, damit nicht - wie bisher -
 ein möglicher Waffenstillstand durch die Uneinigkeit über ein
 Friedensabkommen blockiert wird."

 Die Verfasser hätten die Nato-Luftschläge bislang "mitgetragen oder
 toleriert", weil sie nach eigenem Bekunden "keine Alternative" zu einem
 militärischen Vorgehen gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan
 Milosevic sahen. Nach "fast dreiwöchiger Bombardierung" wachse aber
 ihre Sorge, daß "sich alle Beteiligten in ihrem Reden und Handeln immer
 mehr in eine militärische Eskalationslogik hineinbegeben und der
 notwendige Ausstieg aus der Gewaltspirale immer schwieriger wird". Für
 ihren Vorstoß erhoffen sich die sechs Grünen-Abgeordneten nicht nur
 weitergehende Unterstützung in der eigenen Fraktion, sondern auch bei
 der SPD, sagte Hermann auf Anfrage.