Angesichts der dramatischen Zuspitzung im Kosovo fordern die GRUNEN
Münster ein großzüiges Programm zur Aufnahme von Flüchtlingen
aus dem Kosovo in Deutschland und zur Unterstüzung der Füchtlinge
vor Ort, die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen sowie die Rückkehr
zu politischen Verhandlungen.
Mit den derzeit stattfindenden Luftangriffen der NATO auf Jugoslawien
wird das Ziel, die Kosovaren vor Vertreibung und Übergriffen der serbischen
Einheiten zu schützen, nicht erreicht. Im Gegenteil! Die humanitäre
Situation hat sich dramatisch verschlechtert. Zudem droht eine weitere
Eskalation des Krieges. Deshalb müssen die Kampfhandlungen sofort
eingestellt werden.
Wir unterstreichen die Verantwortung der Internationalen Staatengemeinschaft
für die Einhaltung der Menschenrechte und verurteilten die Verbrechen,
die unter der politischen Verantwortung von Slobodan Milosevic von serbischen
Einheiten begangen wurden und werden. Die Vertreibungen und Massaker an
der Zivilbevölkerung Kosovos müssen beendet werden.
Wir stehen in Verantwortung für hunderttausende von Flüchtlingen
aus dem Kosovo. Wir dürfen sie nicht allein lassen. Deshalb fordern
wir die Errichtung eines humanitären Sicherheitskorridors im Kosovo
unter der Aufsicht der OSZE. Gleichzeitig brauchen wir ein großzügiges
und unbürokratisches Sofortprogramm zur Aufnahme von Kosovo-Flüchtlingen
in Deutschland. Das muß insbesondere die Aufnahme von Deserteure
der serbischen Armee und Menschen, die sich der Zwangsrekrutierung der
UCK widersetzen, einschließen. Zudem müssen die Hilfsmaßnahmen
in den angrenzenden Nachbarländern des Krisengebietes massiv verstärkt
werden. Flüchtlinge aus dem Kosovo dürfen nicht an den Grenzen
unseres Landes zurückgewiesen werden. Es muß einen sofortigen
Abschiebestopp geben.
Wir kritisieren die Behandlung der Primakow-lnitiative durch die Bundesregierung
und fordern dazu auf, unter enger Einbeziehung Rußlands so schnell
wie möglich wieder zu politischen Verhandlungen zurückzukehren.
Der Kreisverband Münster von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unterstützt
die Initiative des Generalsekretärs der UNO und begrüßt
die Initiative der Bundesregierung zur Vermittlung unter Einbeziehung Rußlands.
Der Krieg der NATO ist kopflos, weil die NATO weder definieren kann,
welches Kriegsziel sie erreichen kann und will, noch eine Vorstellung benennt,
wie es politisch nach Beendigung des Krieges weitergehen soll.
Wir weisen erneut darauf hin, daß der Krieg völkerrechtlich
nicht gedeckt ist.
Der NATO-Einsatz ist zudem gemessen an den eigenen Zielen willkürlich.
Die NATO muß sich fragen lassen, wie sie sich zu anderen humanitären
Katastrophen verhalten will, wie z.B. in Kurdistan.
Es gibt aus unserer Sicht keine Alternative zur Rückkehr zu politischen
Verhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen.
Angesichts der Entscheidungen der rotgrünen Bundesregierung brauchen
wir eine offene und faire Debatte zur Standortbestimmung von Bündnis
90/DIE GRÜNEN. Ein wichtiger Bestandteil dieser Diskussion muß
die nachhaltige Unterstützung zur Institutionalisierung der Zivilen
Konfliktbearbeitung sein.
Uns geht es nicht darum, die GRÜNEN Verantwortungsträger
zu diskreditieren. Wir sind vielmehr der festen Überzeugung, daß
sich keiner von ihnen die Entscheidung leicht gemacht hat. Ihre Haltung
hat unseren Respekt.
Es geht nicht nur um eine Klärung der GRÜNEN Positionen.
Wir gehen davon aus, daß die GRÜNEN gegenwärtig am ehesten
in der Lage sind, eine überfällige, breite gesellschaftliche
Diskussion darüber anzustoßen, in welche Richtung sich die Außen-
und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik weiterentwickeln soll.