beschlossen auf der Mitgliederversammlung am 28.4.99
Den NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien sofort beenden!
Den Weg für eine friedliche und langfristige Lösung des Kosovo-Konflikts
offenhalten!"
Am 24.3.99 hat die NATO Luftangriffe gegen die BR Jugoslawien und damit
einen Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat begonnen. Dabei
ist auch
nach mittlerweile vier Wochen Bombardierung nicht erkennbar, wie das
selbstformulierte Ziel der NATO, eine humanitäre Katastrophe im
Kosovo
ab-zuwenden, auch nur im Ansatz erreicht werden kann. Hunderttausende
sind
auf der Flucht, die Hinweise auf Massaker im Kosovo verdichten sich.
Wenn man sich nur auf die humanitäre Rechtfertigung der NATO bezieht:
Es war
vorhersehbar, daß mit Abzug der OSZE-Beobachter und Beginn des
Bombardements
Milosevic seine Repressalien gegen die albanische Bevölkerung
steigern
würde - so wie es eingetreten ist. Dieses hätten die westlichen
Staaten
einkalkulieren müssen. Vor dieser Entwicklung konnte nur die Augen
verschließen, wer an die chirurgische Kraft des Militärs
glaubt. Wenn jedoch
offensichtlich die militärischen Mittel den Zweck nicht erfüllen,
wenn sie
statt dessen die Situation im Kosovo eskalieren, wenn sie Milosovic
erst
ermöglichen, seine 'ethnischen Säuberungen' noch brutaler
und konsequenter
durchzuführen, dann muß die NATO gestoppt werden!
Die NATO trägt nicht nur eine Mitverantwortung für die Eskalation
im Kosovo,
sondern auch eine Mitschuld bei der Destabilisierung der Nachbarstaaten
und
der ganzen Region (z. B Makedonien und Montenegro) und dass die
demokratische Opposition in Serbien ausgeschaltet wird. Durch ihren
Angriffskrieg hat sie nicht nur geltendes Völkerrecht gebrochen,
sondern
sich auch angemaßt, das Definitionsrecht zu besitzen, was eine
'humanitäre
Katastrophe' ist und was nicht. Auch wenn wir die serbische
Unterdrückungspolitik gegen die Kosovo-Albaner schärfstens
verurteilen,
teilen wir dennoch keineswegs die Position, daß es ausschließlich
in der
Hand der jugoslawischen Regierung liegt, den NATO- Angriffskrieg zu
beenden.
Die NATO selbst, und mit ihr die deutsche Bundesregierung, trägt
die
Verantwortung für die Eskalation und kann ihre Kriegsaktivitäten
jederzeit
selbst beenden.
Nicht zuletzt an ihrem Beharren auf der Stationierung von NATO-Truppen
im
Kosovo ist der Konfliktlösungsversuch von Rambouillet gescheitert.
Alle politischen Funktionsträger, die in den letzten Monaten diese
Politik
unterstützt haben, tragen dafür Mitverantwortung.
Wir mißbilligen, daß unsere GRÜNEN Regierungsmitglieder
und die Mehrheit der
GRÜNEN MdBs durch ihre Zustimmung zur Kosovo-Politik der NATO
im Bundestag
die politische Grundlage für die deutsche Beteiligung geschaffen
bzw.
bekräftigt haben. Wir unterstützen die sieben GRÜNEN
MdBs, die ihre
Zustimmung durchgehend verweigert, und damit der Kriegslogik eine Absage
erteilt haben.
Wir fordern alle Konfliktparteien im Kosovo, Serben, Kosovaren und
die NATO,
auf, ab sofort alle bewaffneten Auseinandersetzungen einzustellen.
Wir
fordern, daß unter neutraler Vermittlung ein Friedensabkommen
ausgehandelt
wird.
Dieses sollte durch friedenserhaltende Einheiten der zuständigen
internationalen Organisationen, OSZE bzw. UNO, mandatiert nach Kapitel
VI
der UN-Charta überwacht werden, um so den vielen Flüchtlingen
die Rückkehr
in ihre Dörfer zu ermöglichen. An solchen internationalen
Einheiten soll
sich Deutschland in angemessener Form beteiligen. Wir sehen keine
Alternative zu einer friedlichen Lösung, die die Interessen aller
Konfliktparteien ausbalanciert.
Der Friedensprozeß muß mit einer wirtschaftlicher Unterstützung
für den
Balkan einhergehen. Es ist sinnvoll, eine Form von 'Marshall-Plan'
aufzustellen und der gesamten Region einen wirtschaftlichen Sonderstatus
in
der EU anzubieten. Hier ist der politische Wille und die Entschlossenheit
der reichen westlichen Industriestaaten gefragt. Der Kosovo-Konflikt
ist eng
verknüpft mit der Formulierung der neuen NATO-Strategie, in der
die
NATO-Selbstmandatierung für Militäreinsätze über
das Völkerrecht und damit
faktisch das Gewalt-monopol der UNO außer Kraft gesetzt werden
soll.
Wir fordern die GRÜNEN Regierungsmitglieder und MdBs auf, ihre
Unterstützung
der abenteuerlichen NATO-Politik zu beenden, auf die Beschlußlage
der GRÜNEN
Partei zurückzukehren und ihren Einfluß zu benutzen, den
Angriffskrieg gegen
Jugoslawien sofort zu beenden. Wir unterstützen jede diplomatische
Initiative, die zu einer Beendigung des Kampfhandlungen führen
kann.
Wir fordern ein sofortiges Ende der NATO-Luftangriffe, die Beendigung
aller
Kampfhandlungen und die Rückkehr zu Verhandlungen mit Hilfe einer
internationalen Vermittlungsinitiative. Wir rufen alle Mitglieder der
GRÜNEN
auf, deutlich zu machen, daß der politische Kurs der rotgrünen
Bundesregierung von einem relevanten Teil der GRÜNEN Partei nicht
mitgetragen wird.
Die Grünen Recklinghausen führen den Europa-Wahlkampf als
Antikriegskampagne. Zu Veranstaltungen im Rahmen des Wahlkampfes werden
ausschließlich GRÜNE Europa-KandidatInnen eingeladen, die
eindeutig Stellung
gegen die NATO-Angriffe im Kosovo bezogen haben.