Der Krieg im Spiegel der Medien
Wörtliche Zitate aus zwei Kriegswochen
Gestern abend ließ die NATO den Worten Taten folgen. Das Bündnis mußte endlich handeln. Nicht um des Kampfes willen. Sondern um der Menschen im Kosovo willen. (MZ 25.3.99)
Das Handeln kommt aus der Ohnmacht am Verhandlungstisch. Jahrelang hat die Welt zugeschaut, wie ein Diktator in seinem Machtbereich prügelnde, metzelnde, schießende und vergewaltigende Schergen auf unschuldige Menschen loslässt. (WN 27.3.99)
Es ist Krieg, und niemand weiß derzeit, wie das Ende aussieht. Denn die bisherigen Angriffe haben den serbischen Präsidenten offensichtlich wenig beeindruckt. Jedenfalls setzt Milosevic die Vernichtungsstrategie dort fort wo die NATO Schutz versprochen hat: Im Kosovo. Kann den Menschen im Kosovo nicht geholfen werden stoßen die vom internationalen Recht kaum gedeckten NATO-Einsätze ins Leere, sie verlieren ihre moralische Rechtfertigung.(MZ vom 29.3.99)
Schon die gestern unter Druck befohlenen zweite Phase der Aktion ,,Vereinte Kraft" mit gezielten Angriffen auf serbische Einheiten nimmt zwangsläufig den Tod von Soldaten, aber auch Zivilisten in Kauf - von Zivilisten, deren Schutz und Lebensrettung doch Ziel der Operation war und ist. (WN 29.3.99)
Seit zehn Tagen bombardiert die NATO serbische Ziele und kann doch nichts ändern an dem Strom von Flüchtlingen und Vertrieben, die in Angst und Schrecken den Kosovo verlassen, heilfroh, einfach nur ihr Leben gerettet zu haben. Ganz im Gegenteil: Das Elend der Kosovo-Albaner hat ein Ausmaß erreicht, das einem die Sprache verschlagen muß.(MZ, Ostern 3.4.99)
Falls die NATO ein Konzept hatte über die Hoffnung auf psychologische Wirkung hinaus: Es ist gescheitert wie die Hoffnung. Das einzugestehen ist jetzt dringlich. Der politische Verkehr muß gegen den Krieg wieder aufgenommen werden. (FR 1 .4.99)
Der verstärkte Terror ist die Antwort der Serben auf die Luftangriffe der NATO deren Ziel es unter anderem war, die Völkervertreibung im Kosovo zu stoppen. Bislang wurde das Gegenteil erreicht. Doch das sei kurzfristiges Denken, erklären die Militärs und verlangen einen langen Atem. Einen sehr langen. (MZ 30.3.99)
Die NATO steht der Fluchtwelle einigermaßen hilflos gegenüber, sie kann die Verbrechen im Kosovo nicht stoppen. In Brüssel heißt es dazu, die NATO habe mit einem solchen Ausbruch von Gewalt nicht gerechnet.(MZ 6.4.99)
Zwei Wochen nach Beginn der NATO-Attacke sind über 400.000 Kosovo-Albaner in den völlig überforderten Nachbarländern eingetroffen. Aufnahme der Deportierten in der Europäischen Union bleibt unklar.(TAZ 6.4.99)
Laut Artikel 6 des Annex sollen die NATO und ihr Personal in der Bundesrepublik Jugoslawien völlige Immunität genießen- strafrechtlich und zivilrechtlich.(TAZ 6.4.99)
Artikel 8: Das NATO-Personal soll sich mitsamt seiner Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge und Ausrüstung innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien inklusive ihres Luftraumes und ihrer Territorialgewässer frei und ungehindert sowie ohne Zugangsbeschränkungen bewegen können. (Dokumentation der TAZ am 6.4.99) Selbst ein gemäßigter serbischer Politiker an der Stelle von Milosevic hätte diesen Text niemals unterzeichnet. ,,(Herrmann Scheer, SPD-Bundestagsabgeordneter zum Rambouillet Abkommen, TAZ 6.4.99))
Die Bombardierungen. haben die Lage der Kosovo-Albaner keineswegs verbessert-im Gegenteil. Die NATO hatte gehofft, dass Milosevic sich der militärischen Übermacht schon beugen wird. Doch bis jetzt geschieht das Gegenteil. Der jugoslawische Präsident nutzt die NATO-Bomben, um die serbische Opposition zu knebeln und im Kosovo grausame Fakten zu schaffen. Was nun ? Bodentruppen einsetzen oder den Rückzug antreten - das wird wohl die Debatte der nächsten Wochen sein, falls keine Verhandlungslösung gefunden wird. Beides sind Schreckensszenarien: ein Sieg Milosevic' oder eine Eskalation mit unabsehbaren Risiken. Das ist die Logik dieses Krieges, der einfach zu beginnen war, aber von dem niemand weiß, wie er zu beenden ist.<TAZ 1 .4.99)
Kompletter NATO-Sieg kostet 20.000 Soldaten das Leben.(Der Sonntag in Münster,28.3.99)
Mit ,,Apache" zum Bodenkampf"? (TAZ 6.4.99)
PS: Wie ich soeben erfahren habe soll es am nächsten Donnerstag, den 15. April 1999. eine Sondersitzung des deutschen Bundestages geben.
Ich gehe davon aus, dass dann, entgegen bisher anders lautender Äußerungen, die nächste Eskalationsstufe offiziell beschlossen wird der Einsatz von Bodentruppen. Die Argumentation wird nach meiner Einschätzung dann sein, dass zur Sicherung von Schutzzonen innerhalb des Kosovo entsprechend vorgegangen werden muß, um die ethnischen Vertreibungen rückgängig zu machen und zu verhindern, dass Milosevic sein Ziel erreicht. Ich fürchte, die Spirale des Krieges wird immer höher geschraubt. Was wird das Ende sein ?