Über die Rolle gegenwärtiger und zukünftiger Kriege

Der Krieg im Kosovo ist ein Beispiel für den zukünftigen Umgang mit Krisenherden, es wurde ein Exempel statuiert.
Die kriegsführenden Parteien begründeten mit dem vorgeblich propagierten Anspruch einer "humanitären Intervention" den Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Mit Humanität aber hatte dieser Einsatz keineswegs zu tun. Erst mit Beginn der NATO- Angriffe begannen die großen Flüchtlingswellen aus dem Kosovo. Es war primär ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung, welche die NATO zu schützen vorgab, über 10000 tote Zivilisten wurden einfach als zwar bedauernswerte, aber trotzdem notwendige Kollateralschäden abgetan. Nicht zu vergessen die  Zerstörung der Infrastruktur und der Wirtschaft, die Verseuchung des Landes . Es war nichts von sogenannten Präzisionwaffen zu spüren, die Luftangriffe muteten eher wie ein systematisches Flächenbombardement an.
Auf der einen Seite gab die NATO vor, ethnische Säuberungen verhindern zu wollen. Dies hat sie nicht getan. Auf der anderen Seite tritt die NATO  nicht für die Rechte der Kurden ein, deren Verfolgung ein viel größeres Ausmaß hat.
Der Krieg hat zu einer weiteren ethnischen Homogenisierung auf dem Balkan geführt, der Haß zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen wurde weiter geschürt, nationale Tendenzen finden immer stärker Nährboden unter den Menschen. Mittlerweile leugnen soagr die meisten Politiker nicht mehr, daß die Entstehung eines neuen Nationalstaates im Kosovo kaum noch mehr zu vermeiden sei. Die Krisenherde auf dem Balkan brodeln weiter. Bei den albanischen Bevölkerungsteilen in anderen Balkanstaaten wie zum Beispiel Mazedonien werden verstärkt albanische Unabhängikeitsbestrebungen laut.  Im Kosovo werden außer den Serben auch Minderheiten wie Roma und Aschkali rücksichtslos verfolgt und unterdrückt, mit Duldung und sogar unter Partizipation der UCK. Tilman Zülch, Präsident der "Gesellschaft für bedrohte Völker International" gab an, daß die KFOR-Truppen den Minderheitenangehörigen nur unzureichenden Schutz geboten hätten, häufiger sogar bei Übergriffen nicht interveniert und durch Eskorte in Nachbarländer die Vertreibungen begünstigt hätten. Ironie des Schicksals. Aschkali Familien sagten, daß die die albanische Art zu plündern gründlicher sei als die serbische, da auch Ziegelsteine und Dachziegel mitgenommen wurden.
 
Berechtigterweise taucht nun die Frage auf, warum die NATO sich im Kosovo eingemischt hat, wenn es denn nicht galt, die Menschenrechte zu schützen, diese vielmehr massiv und skrupellos verletzt worden sind?

Zum einen wurde eine weitere Fragmentierung und Homogenisierung des Balkans gefördert. Die Seifenblase von einem sowieso politisch nicht unterstützen und nicht gewollten multiethnischen Jugoslawiens ist endgültig zerplatzt. Politik und Wirtschaft haben sogar tatkräftig an dem Untergang dieses Modells mitgearbeitet. Durch faule IWF-Kredite induzierte Verlendung und Massenarbeitslosigkeit unter der Bevölkerung, durch Anerkennung von Slowenien und Kroatien als autonome Nationalestaaten, wurde der Verstärkung des Nationalismus Vorschub geleistet. Jugoslawien wurde in einen "relativ" reichen zentralen Norden und einen sehr armen peripheren Süden gespalten.
Zum anderen wollte die NATO ein Exempel statuieren. Sie wollte dem Rest der Welt klarmachen, wer das Gewaltmonopol für sich beansprucht. Sie wollte demonstrieren, daß sie gewillt und auch abseits von der UNO in der Lage ist, Krieg zu führen immer wenn eigene Interessen tangiert werden.
Der Konflikt in Osttimor, wo sogar 38% der Bevölkerung , 300000 Menschen, vertrieben worden sind, verdeutlicht das zynische Großmachtinteresse der USA. Vier Tage  nach Beginn der Massaker in Indonesien stellte Samuel Berger, nationaler Sicherheitsberater von Bill Clinton, "humanitäre Probleme in Osttimor den "starken strategischen Konsequenzen und Folgen für die Sicherheit", die im Kosovo auf dem Spiel standen gegenüber und fügte danach hinzu:" Wissen Sie, meine Tochter hat am College ein unordentliches Zimmer. Vielleicht sollte ich nicht intervenieren, um das aufgeräumt zu haben.
Die USA möchten ihre hegemonialen Vormachtansprüche weiterhin verwirklicht sehen. Sie wollten nach dem altbekannten Prinzip einen regionalen Schurken, hier war es Milosevic, abstrafen, da er sich als nicht mehr  westfreundlich entpuppte.
Den europäischen Staaten sollte unmißverständlich klar gemacht werden, daß die USA es nicht zulasssen, daß die Europäer sich in Osteuropa ohne sie wirtschaftlich engagieren. Hier prallen die entgegengesetzten Interessen der Europäer und Amerikaner aufeinander. Auch daher möchten die USA die transatlantische Bindung stärken, um sich ein Standbein in Europa zu sichern und um die  Europäer an sich zu binden.
Weiterhin ist durch den Zusammenbruch der Sowjetunion der eurasische Raum  destabilisiert es ist ein politisches Machtvakuum ist entstanden,  in das die Asiatischen Staaten und die Staaten des Nahen Osten streben. Unter ihnen nicht wenige Atommächte wie China, Pakistan und Indien. Wer Asien beherrscht, könnte die Vorherrschaft der USA in Frage stellen, da der eurasische Raum wirtschaftlich von einigem Interesse ist. Dort lagern lagern riesige Rohstoffreserven, unter anderem große Ölvorkommen . Es gibt Pipelineprojekte, die den ganzen europäischen und asiatischen Raum einbeziehen.

Auf die Bundeswehr und Deutschland des wiedervereinigten Deutschlands kommt in dem transatlantischen Bündnis laut Rudolf Scharping eine neue Rolle zu: "Deutschland falle auf Grund seiner geostrategischen Lage in der Mitte Europas, seiner Größe und Wirtschaftskraft eine Schlüsselrolle für die Gestaltung eines sicheren europäischen Umfelds zu. Als eine der führenden Wirtschaftsmächte, als bevölkerungsreichstes Land der europäischen Union in geostrategischer Schlüssellage, als Pfeiler der transatlantischen Sicherheitsbrücke trägt Deutschland besondere Verantwortung".
Dies bedeutet, daß Deutschland in naher Zukunft zur stärksten europäischen Militärmacht heranwachsen soll, wie es seiner ökonomischen Stärke entspricht. Scharping spricht von einem Investitionsstau von 20 Milliarden Mark. Deutschland wende gemessen an Frankreich und England einen viel geringeren Anteil des Bruttosozialprodukts für Militärausgaben auf. Gemessen am absoluten Bruttosozialprodukt wäre der deutsche Militärhaushalt dann aber genauso groß, wie der von England und Frankreich zusammengenommen. Damit wäre Deuschland nicht nur die wirtschaftlich , sondern auch die militärisch dominierende Macht Europas.

Die NATO hat durch ihren Angriff auf den Kosovo ein eindeutiges Beispiel dafür geliefert, daß es ihr fernliegt die Menschenrechte zu schützen. Diese waren nur Legitimationsbasis für die Kriegsakzeptanz der Bevölkerung in den Mitgliedsstaaten. Die neue strategische Entwicklung der NATO zeigt, daß es den Mitgliedsstaaten in nur noch darum gehen wird, ihre eigenen machtpolitischen Ansprüche gesichert zu sehen. Der Fall Kosovo ist paradigmatisch für eine neue Eskalation der Krisenbehandlung. Es ist eine neue Stufe militärischer Aggression gegen einen Nationalstaat gewesen, in dem ein Bürgerkrieg stattfand. Außenpolitik wird jetzt über offen ausgesprochene Androhung und Durchführung militärischer Interventionen betrieben. Die NATO präsentiert sich nun ungeschminkt der Weltöffentlichkeit. Der Übergang eines angeblichen Verteidigungsbündnisses zu einem aggressiven Erfüllungsgehilfen kapitalistischer und imperialistischer Interessen ist vollzogen.