Liebe Genossinnen und Genossen,
zum ersten Mal in der Geschichte unserer Partei leitet ein
sozialdemokratischer Verteidigungsminister einen Angriff deutscher
Soldaten.
Die neue Bundesregierung beteiligt sich damit an einer Politik, die
militaristisch und unter dem Aspekt der internationalen Friedenssicherung
und des Völkerrechts falsch ist.
Die Nato hat sich mit dem Luftkrieg gegen Jugoslawien in eine Sackgasse
manövriert. Der nationale Zusammenhalt in Serbien wird aufgrund
des als
Willkür empfundenen Aktes der Aggression gestärkt. Die Angriffe
stärken
somit Milosevic in Belgrad den Rücken. Die Angriffe verbauen eine
politische
Lösung des Problems, sie sind ziellos. Eine Perspektive ist nicht
erkennbar.
Täglich werden die Nato-Angriffe ausgedehnt und die Armeen Serbiens
begehen
immer unverhohlener Völkermord: Das ist das Gesetz des Krieges.
Die Eskalation der Gewalt ist nur durch ein Beenden der Gewalt zu stoppen,
nicht durch die Ausdehnung der Gewalt. Das Handeln muß nun wieder
auf die
politischen Kräfte übergehen. Wir erwarten von der deutschen
Regierung im
Rahmen der EU-Präsidentschaft, unter Einbeziehung Rußlands
und der Vereinten
Nationen eine zügige diplomatische Initiative zu starten!
Wir JungsozialistInnen müssen mit den uns zur Verfügung stehenden
Mitteln
versuchen, die Politik der Bundesregierung zu ändern. Wir rufen
alle
Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auf, sich an
den
diesjährigen Ostermärschen gegen den Krieg im Kosovo zu beteiligen.
Eine
Liste mit den diesjährigen Veranstaltungen liegen diesem Brief
bei.
Mobilisiert zu den Kundgebungen und Demonstrationen und zeigt Flagge
gegen
den Krieg! Aktuelle Informationen zu den Planungen der diesjährigen
Ostermärsche erhaltet ihr stündlich aktualisiert unter
http://www.friedenskooperative.de.
Versucht auch, in der SPD Beschlußlagen gegen den Krieg in Jugoslawien
herbeizuführen und die Partei gegen dieses militärische Engagement
der Nato
zu mobilisieren.
Der Krieg der Nato ist aus vier Gründen falsch:
1) Er legitimiert den Völkerrechtsbruch. Innerstaatliche Konflikte
wie in
Spanien, Nordirland, Tschetschenien, Kurdistan, etc. können nicht
durch
kriegerische Mittel gelöst werden. Der Völkerrechtsbruch
durch die Nato
liefert jetzt allen anderen Mächten die Legitimation für
militärische
Interventionen. Notwendig ist eine konsequente und friedliche
Menschenrechtspolitik nach gleichen Maßstäben gegenüber
allen Ländern.
2) Nur die UNO wäre berechtigt, einen Militärschlag dieser
Art
durchzuführen. Nur bei der UNO kann das internationale Gewaltmonopol
angesiedelt sein. Die Selbstermächtigung der Nato hat die Autorität
der
Vereinten Nation erheblich beschädigt.
3) Der Militärschlag ist verfassungswidrig, da Deutschland keinen
Angriffskrieg führen darf. Die Bedingungen, unter denen sich Deutschland
an
internationalen Einsätzen beteiligen darf, sind eindeutig nicht
erfüllt.
4) Die sozialdemokratischen Regierungs- und Fraktionsmitglieder, die
sich
für den Krieg ausgesprochen haben, stehen damit eindeutig im Gegensatz
zur
Beschlußfassung der Partei. Sowohl im Grundsatzprogramm als auch
im
Wahlprogramm der SPD wird die Beteiligung der Bundeswehr an einem
Angriffskrieg und ohne UN-Mandat ausdrücklich abgelehnt. Im
Koalitionsvertrag, der gerade ein halbes Jahr alt ist, heißt
es:
"Die Beteiligung deutscher Streitkräfte an Maßnahmen zur
Wahrung des
Weltfriedens und der internationalen Sicherheit ist an die Beachtung
des
Völkerrechts und des deutschen Verfassungsrechts gebunden. Die
neue
Bundesregierung wird sich aktiv dafür einsetzen, das Gewaltmonopol
der
Vereinten Nationen zu bewahren und die Rolle des Generalsekretärs
der
Vereinten Nationen zu stärken."
Bereits heute beteiligt sich die Rot-Grüne Bundesregierung an einer
Politik,
die Völkerrecht verletzt, das Gewaltmonopol der Vereinten Nationen
untergräbt, das deutsche Verfassungsrecht mißachtet und
den Generalsekretär
der Vereinten Nationen zum Statisten degradiert.
In der Hoffnung auf ein schnelles Ende des Krieges im Kosovo verbleiben wir
mit sozialistischen Grüßen,
Sebastian Jobelius Reinhold Rünker
Vorsitzender
Jusos NRW