Hinweis: Redebeitrag spiegelt nicht die Mehrheitsposition der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wider!
Anrede
Seit nunmehr fast vier Wochen versuchen Mitgliedsstaaten der Nato -
darunter die Bundesrepublik Deutschland - mit Luftangriffen auf Ziele in
Serbien,Kosovo und Montenegro der grausamen ethnischen Säuberungspolitik
des Diktators Slobodan Milosevic ein Ende zu bereiten. Wie selbst
für jeden kritischen Laien vorab erwartbar, ohne die versprochenen
Wirkungen. Im Gegenteil: Unterdrückung, Vergewaltigung, Vertreibung,
Morde und auch unbeabsichtigte Tötungen haben im selben Zeitraum in
einem Maße zugenommen, dasm.E. von niemandem verantwortet werden
kann. Und eine schnelle militärische Lösung ist auch weiterhin
nicht in Sicht. Doch selbst hinter der Hoffnung, Milosevic durch monatelange
Bombardements oder den Einsatz von Bodentruppen in die Knie zu zwingen,
stehen viele Fragezeichen. Wenn das überhaupt
gelingen kann, um welchen Preis wohl, muß man fragen.
Zum Preis des Todes, der Verletzung und psychischen Beschädigung
Tausender unschuldiger Menschen auf allen Seiten,
zum Preis des unendlich tiefen Hasses zwischen den Menschen der verschiedenen
Völker,
zum Preis der völligen Zerstörung weiter Landstriche auf
dem Balkan.
Nein, meine Damen und Herren, der platzgreifenden Eigendynamik des entfachten Krieges muß Einhalt geboten werden, jetzt und nicht erst in einigen Tagen, Wochen oder Monaten, aus humanitären Gründen, um über die internationalen Hilfsdienste den geschundenen Menschen auf dem Balkan primär schellstmögliche Betreuung zuteil werden lassen zu können.
Jede weitere Stunde dieses sinnlosen Krieges verschärft das Morden und Flüchtlingselend, jede weitere Stunde dieses sinnlosen Krieges trägt nur dazu bei, dass das Ziel eines dauerhaften friedvollen Zusammenlebens der betroffenen Völker in immer weitere Ferne rückt. Wer das nicht will, wer ferner auch das serbische Volk von den fürchterlichen Erlebnissen eines Dauerbombardements befreien möchte, muß jetzt den ersten Schritt in Richtung Wiederaufnahme von Verhandlungen gehen. Der Schlüssel hierfür liegt in einer sofortigen, bedingungslosen Einstellung aller Luftschläge gegen militärische und Infrastrukturziele auf dem gesamten Balkan.
Ich weiß, dass die kriegsführenden Mitglieder des Natopaktes befürchten, einen Bedeutungsverlust hinnehmen zu müssen. Doch was bedeutet das schon, wenn die Alternative nur heißen kann, Leben tausendfach dem Tod preis zu geben. Ich möchte Sie deshalb bitten, Ihren Einfluß auf allen politischen Ebenen für das schnellstmögliche Erreichen folgender Ziele geltend zu machen:
(Sofortige) Einstellung aller Luftangriffe seitens der Nato;
Verzicht
auf den Einsatz von Bodentruppen
Aufnahme von Verhandlungen zwischen den Vereinten Nationen und der
serbischen Regierung mit dem primären Ziel des sofortigen Rückzugs
der mordenden paramilitärischen und militärischen Einheiten aus
dem Kosovo;
Unterstützung durch die OSZE und andere weltweit anerkannte Vermittler
Aufnahme von Verhandlungen zwischen den Internationalen Hilfsdiensten
und der serbischen Regierung über die Sicherstellung der Ernährung
und medizinischen Versorgung der notleidenden Bevölkerung im Kosovo
und in
Rest-Jugoslawien
Aufnahme von Verhandlungen zwischen den Vereinten Nationen und der
UCK mit dem Ziel der (sofortigen) Beendigung aller Kampfhandlungen
Rückzug aller militärischen und paramilitärischen Streitkräfte
Serbiens aus Kosovo
Durchführung umfassender humanitärer Hilfsmaßnahmen
auf dem Balkan
Erarbeitung eines Kosovo-Friedensplanes durch die Vereinten Nationen
während einer sofort einzuberufenden Konferenz; Verabschiedung einer
entsprechenden Resolution
Vorübergehende Stationierung von UN-Truppen in Kosovo aus Ländern,
die nicht militärisch in den Krieg involviert sind - unter besonderer
Beteiligung Rußlands
Einleitung der Flüchtlingsrückkehr nach Kosovo; Beginn des
Wiederaufbaus mit internationaler Hilfe
Einsetzung einer europäischen Dauerkonferenz Sicherheit
und Zusammenarbeit auf dem Balkan"
Ablösung des UN-Truppenkontingents durch neu zu bildende UN-Friedensbrigaden
Erarbeitung von Waffenrückkaufprogrammen
Bildung von Pakten der Gewaltfreiheit auf lokalen Ebenen
Die Menschen auf dem Balkan haben ein Recht auf Frieden!
20. April 1999
gez. Volker Hartenstein
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
im Bundestag
Fax:0228/1646552
Bitte an alle Mitglieder verteilen!
29. März
1999
Offener Brief
Krieg auf dem Balkan
Liebe Freundinnen und Freunde,
in tiefer Sorge erlaube ich mir, einen eindringlichen Appell an
diejenigen von
Euch zu richten, die die militärischen Einsätze in Jugoslawien
bislang
unterstützt haben:
Laßt ab von dem Irrweg, die Probleme auf dem Balkan mit Waffengewalt
lösen zu
wollen. Kehrt zurück zu den Idealen grüner Politik, setzt
Euch mit allen zur
Verfügung stehenden politischen Mitteln dafür ein, dass das
grausame Töten
unschuldiger Menschen (auf allen Seiten) sofort ein Ende findet. Nur
Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien - auch wenn sie noch so
schwierig
erscheinen mögen - beinhalten den Funken einer Hoffnung auf eine
dauerhaft friedliche Lösung.
Der Angriff der Nato auf Jugoslawien
verstößt in eklatanter
Weise gegen geltendes Völkerrecht,
beschleunigt und verstärkt
das furchtbare Morden im Kosovo,
nimmt viele unschuldige
Tote in Restjugoslawien in Kauf,
läßt in weiten
Bereichen der ärmsten Länder Europas verbrannte
Erde zurück und beschwört die Gefahr eines Dritten Weltkrieges
mit verheerenden Folgen für Gesamteuropa herauf.
Ich bitte Euch inständig, Eure Position zu überprüfen. Einen Irrtum einzugestehen und Korrekturen vorzunehmen, ist nicht verwerflich, sondern zeugt eher von Größe. Wer denn anders als die Grünen sollten in dieser Stunde Mahner sein?
Meine weitere Mitgliedschaft (seit 1980) in BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mache ich von Eurer Haltung abhängig. Sollte der aus meiner Sicht fatale Kurs beibehalten werden, sehe ich für mich keine andere Möglichkeit mehr, als die Partei zu verlassen.
In der Hoffnung auf eine Wende zum Frieden hin
grüße ich Euch herzlich
Volker Hartenstein
Umwelt- und energiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN im
Bayerischen Landtag
Stv. Vorsitzender der Ausschusses für Landesentwicklung und Umweltfragen
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Volker Hartenstein
Umwelt- und energiepolitischer Sprecher der Fraktion BUENDNIS 90/DIE
GRUENEN im
Bayerischen Landtag
Stv. Vorsitzender des Ausschusses fuer Landesentwicklung und
Umweltfragen
Rosshirtstr. 11, 97199 Ochsenfurt, Tel.: 09331/2825, Fax: ~/803189
Volker.Hartenstein@t-online.de
Maximilianeum, 81627 Muenchen, Tel.: 089/4126-2414, Fax: ~/1494
Volker.Hartenstein@bayern-landtag.de
Fraktionsmitarbeiter: Dr. Klaus Kuhn, Tel.: 089/4126-2855, Rudi
Amannsberger,
Tel.:089/4126-2752, Dr. Bert Albers, Tel.: 089/4126-2133
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