Waffenstillstand - Zurück zur Politik!
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Der Frauenrat von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat am vergangenen
Wochenende auf seiner Sitzung in Kassel folgenden Beschluß gefaßt:
BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN haben ihr Verständnis von Außenpolitik
immer von einem doppelten Grundsatz leiten lassen: Der Absage an militärische
Gewalt einerseits und der Wahrung und Durchsetzung der Menschenrechte andererseits.
Im Kosov@ finden gegenwärtig massive Menschenrechtsverletzungen
statt. Mit Gewalt, Terror und Willkür wird die Bevölkerung aus
dem Land vertrieben. Inzwischen häufen sich Berichte über Vergewaltigungen.
Nach neuen Informationen werden junge Frauen gezielt aus den Konvois herausgesucht
und abtransportiert. Gewalt im Krieg ist immer auch sexualisierte Gewalt
gegen Frauen.
Es kommt darauf an, in allen Phasen Spielräume für nicht-militärische
Formen der Konfliktbearbeitung immer wieder neu auszuloten.
Die Angriffe von NATO-Luftstreitkräften sind das Ergebnis einer
über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verfehlten Balkanpolitik. Der Militäreinsatz
galt als "ultima ratio" gegen die ethnischen Vertreibungen durch Milosevic
im Kosov@.
In den vergangenen Tagen hat sich jedoch gezeigt, daß die NATO
ihr ursprüngliches politisches Ziel, die Regierung Milosevic mit militärischen
Mitteln zurück zu den Grundlagen von Rambouillet zu bringen, nicht
erreichen konnte und daß das diktatorische Regime eher gestärkt
aus dieser Situation hervorgehen kann. Weite Teile der jugoslawischen Bevölkerung
vereinigen sich im Schulterschluß gegen das westliche Bündnis.
Mit der massiven Bombardierung hat sich die "humanitäre Katastrophe"
nicht abwenden lassen. Vielmehr hat Milosevic die Vertreibungen mit aller
Brutalität beschleunigt. Die gesteckten Kriegsziele sind somit nicht
erreicht und eine Zäsur dringend erforderlich, um zu verhindern, daß
der Krieg auf dem Balkan unkalkulierbar eskaliert und weitere zivile Opfer
fordert.
Angesichts der Dringlichkeit einer Verbesserung der Lage im Kosov@ und
um aus der militärischen Logik endlich wieder heraus und hin zu politischem
Handeln zu kommen, sehen wir nur noch die Möglichkeit unter neutraler
Vermittlung und unter Einbeziehung Rußlands in die vorbereitenden
Überlegungen und Verhandlungen zu einem Waffenstillstand zu kommen.
Wir begrüßen die von Außenminister Joschka Fischer
ergriffenen Friedensinitiativen; damit erhöhen sich die Chancen zu
einer politischen Lösung zu kommen.
Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, sich für folgende
Ziele einzusetzen:
Politische Lösungen suchen - die Militärlogik aufbrechen
- allen Flüchtlingen die Rückkehr in den Kosov@ ermöglichen
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Sofortige Auswahl und Einsatz eines neutralen Vermittlers in Abstimmung
mit dem UN-Generalsekretär und Rußland.
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Ziel einer politischen Lösung ist die Rückführung aller
Flüchtlinge in ihre Heimatorte und die Wiederherstellung eines multiethnischen
Kosov@.
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Erarbeitung einer neuen Vertragsgrundlage für eine politische Lösung
in Zusammenarbeit mit den übrigen PartnerInnen in der Balkankontaktgruppe
und unter Einbeziehung des UN-Generalsekretärs.
Beim nachfolgenden Punkt gab es eine Patt-Abstimmung· Die
Luftangriffe sollten befristet einseitig eingestellt werden, um ein deutliches
Zeichen zu setzen, daß die NATO an einer diplomatischen Lösung
unter Einbindung Rußlands interessiert ist.
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Sofortige Beendigung der NATO-Luftangriffe, um eine Rückkehr an den
Verhandlungstisch unter Einbeziehung Rußlands zu ermöglichen.
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Kein Einsatz von Bodentruppen· Das Gewaltmonopol soll an die UNO
zurückgegeben und eine Sicherung durch eine internationale Friedenstruppe
auf der Grundlage von Kapitel VII der UN-Charta durchgeführt werden.
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Den Flüchtlingen wirksam helfen - für Frauen spezielle Hilfsangebote
sicherstellen
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Die Flüchtlinge in Albanien, Mazedonien und den angrenzenden Ländern
von UN-Friedenstruppen zu schützen.
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Großzügige Hilfe für die Staaten, die am meisten von der
Fluchtwelle betroffen sind und weitere großzügige Aufnahme von
Vertriebenen aus dem Kosov@ in Deutschland.
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Frauenspezifische Fluchtgründe, wie beispielsweise Vergewaltigung
müssen als Asylgrund anerkannt werden.
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Den unter Traumata stehenden Flüchtlingen - jede/r zweite davon ein
Kind- darf nicht noch der Streß dauernd bevorstehender Abschiebungen
drohen. Deshalb müssen alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft
werden, damit die Rückkehr jeweils nur auf freiwilliger Basis erfolgt.
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Flüchtlingen, die von in Deutschland Lebenden eingeladen werden, sollen
von deutschen Auslandsvertretungen unbefristete Visa erhalten und eine
finanzielle Unterstützung bekommen.
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Die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge muß Gynäkologie
und die sonstige Versorgung von Schwangeren einschließen. Ebenso
muß psychologische Versorgung frauenspezifische Ansätze beinhalten.
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Aussprache eines formellen Abschiebestopps für Kosov@-AlbanerInnen,
serbische Oppositionelle bzw. Deserteure und Kriegsdienstverweigerern der
Jugoslawischen Bundesarmee in Deutschland; ebenso die formelle Aussprache
eines Abschiebestopps nach Bosnien-Herzegowina, um eine Gefährdung
zurückkehrender Minderheiten - insbesondere in der Republik Srpska-
zu vermeiden.
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Deutschland muß sich verpflichten, Kosov@-Flüchtlinge über
das bisherige Kontingent hinaus aufzunehmen.
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Eine dauerhafte Lösung für den gesamten Balkan anstreben
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Unter Federführung der UNO soll baldmöglichst eine mehrstufige
Balkankonferenz einberufen werden, die den Wiederaufbau und die wirtschaftliche
Stärkung aller Balkanstaaten ebenso unterstützen wie die Demokratisierung
und das zivile Zusammenleben der Völker.
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Ein gemeinsames Vorgehen des UN-Sicherheitsrates gegen die Vertreibung
im Kosov@ ist anzustreben.
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Die Bundesregierung soll sich für eine nachdrückliche und dauerhafte
Politik des Empowerments für friedensorientierte Kräfte der Region
(NGOs, serbische FriedenspolitikerInnen, FriedensfoscherInnen) einsetzen,
insbesondere auch in den Nachbarstaaten Jugoslawiens und des Kosov@, einschließlich
wirtschaftlicher Hilfe für alle Gebiete in der Region, die Flüchtlinge
aufnehmen.