Zur Besetzung der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis
90/Die Grünen
am 7.4.1999 in Bonn Braunscheidstr. 1a
Wir laden um 12.30 Uhr zu einer Pressekonferenz in die Räume
der besetzten
Geschäftsstelle ein und fordern die KriegsbefürworterInnen
aus den Reihen der
Grünen auf, dort öffentlich Stellung zu beziehen. Sehr
angenehm wären uns
besonders Ludger Vollmer, Angelika Beer oder Minister Trittin.
Do you remember Artikel 26 Grundgesetz??
Eure Doppelmoral kostet Menschenleben: "Humanitäre" Bomben
auf Belgrad,
Waffenlieferungen und Abschiebungen in die Türkei!! Wir
besetzen heute die
Bundesgeschäftsstelle, um gegen den Krieg der Nato und
die deutsche
Beteiligung zu demonstrieren. Mit dieser Aktion wollen wir an
die wenigen
Menschen aus der Friedens-, Frauen- und aus anderen sozialen
Bewegungen
Jugoslawiens erinnern, die sich der rassistischen Politik Serbiens
in den Weg
gestellt haben. Wir wollen an die Soldaten erinnern, die sich
weigern, sich an
der Vertreibung der albanischen Bevölkerung zu beteiligen
und die aus der
serbischen Armee desertiert sind. Und wir wollen an die zahllosen
Flüchtlinge
erinnern, die vor dem Bürgerkrieg und den Massakern geflohen
sind und die
versuchen, aus den Armenhäusern und Elendszonen von Mazedonien
und
Albanien in die reichen Länder zu fliehen. Ihnen gehört
unsere Solidarität und
hoffentlich gelingt es ihnen an den Grenzen von Schengenland
und an den
Menschenjägern vom BGS vorbei Zuflucht zu finden.
Schließlich wollen wir an die Generation in Jugoslawien
erinnern, die jetzt zum
zweiten Mal in ihrem Leben vor deutschen Bombern in Luftschutzkellern
Zuflucht
suchen muß. Die noch genau wissen, wie die Mörder
der deutschen Wehrmacht
in Zusammenarbeit mit faschistischen Ustascha Zehntausende gemordet
haben. Gestern vor 58 Jahren, am 6. April 1941 überfiel
die deutsche
Wehrmacht zusammen mit ihrem Allianzpartner Italien Jugoslawien.
Am Ende
der Operation "Strafgericht", wie die Nazis ihren Angriffskrieg
nannten, starben
auf der jugoslawischen Seite über 1,7 Millionen Menschen,
Zehntausende
wurden zu Zwangsarbeit oder in Vernichtungslager verschleppt.
Wir grüßen mit
unser Aktion die Überlebenden, insbesondere die Menschen
aus den
Partisanenverbänden, denen es gelang, Jugoslawien
von der Nazibarbarei zu
befreien. Sie sollen wissen, daß nicht alle in Deutschland
dem Krieg zustimmen.
Das Morden im Kosovo
zwänge halt zum Bomben, erklären uns heute die ehemals
friedensbewegten
Grünen-SpitzenpolitikerInnen. Mit der Bombardierung Jugoslawiens
haben sie
erfolgreich einen Präzedenzfall geschaffen, mit dem sich
trefflich eine neue
Weltordnung aufbauen läßt. Aber der moralisch
begründete Angriffskrieg der
NATO von heute wird augenscheinlich nur dann geführt,
wenn die Empörung
über "humane Katastrophen" mit geopolitischen Interessen
einhergeht. Ein
Minderheitenproblem muß nur entsprechend instrumentalisiert
und medial
aufbereitet werden, dann kann die NATO ihre humanitären
Kämpfer schicken.
Und Deutschland ist dabei!
Ganz anders verhält es sich mit der Türkei. Dort vermag
das grünregierte
Außenministerium nicht einmal in seinem Lagebericht erwähnen,
daß dort ein
Bürgerkrieg herrscht, daß gemordet, gefoltert und
vertrieben wird. Dort gelingt
es nicht einmal, einen Abschiebestopp für die 380 Flüchtlinge
im
Wanderkirchenasyl zu erwirken. Für KurdInnen gilt der Menschenrechtseifer
der
grünen Juniorpartner nicht. Im Gegenteil: die ersten rot-grünen
Waffenlieferungen an die Türkei werden gerade parlamentarisch
auf den Weg
gebracht.
Euer Nato-Krieg, den ihr wegen der albanischen Zivilbevölkerung
mitveranstaltet, hat bisher keine Menschenleben gerettet.
Im Gegenteil, dieser
Angriffskrieg war der willkommene Katalysator für die Vertreibung
und
Massakrierung der albanischen Zivilbevölkerung. Die Opposition
und die Reste
von sozialer Bewegung gegen Milosovic haben unter den Bomben
der NATO
keine Chance mehr.
Der Krieg in Jugoslawien hat komplexe Ursachen. Die mörderische
Politik der
"ethnischen Säuberungen" basiert auf irrationalem Haß
und langjähriger
rassistischer Ausgrenzung der albanischen Bevölkerung. Sie
ist nicht einfach
durch Ausschaltung oder Domestizierung von Milosovic aus der
Welt zu
schaffen. Eine Lösung liegt eher in der Schaffung von sozialer
Gerechtigkeit und
einem Leben ohne Not und Elend auch in den Peripherien Europas.
Auch die
kurdischen, nordirischen und baskischen Konflikte lassen sich
wohl kaum durch
Bombenangriffe auf die jeweiligen Hauptstädte lösen.
Wir ergreifen weder für Serben, noch für Albaner Partei.
Es ist nicht an uns, uns
an einer Ethnisierung des Sozialen zu beteiligen. Der Kampf gegen
jede Form
von Rassismus und Nationalismus bleibt das Gebot der Stunde.
Die Frauen und
Kinder auf der Flucht und die Männer, die sich durch Flucht
und Desertation der
Beteiligung an der Gewaltmaschine entziehen, sind die Kriegspartei,
auf deren
Seite wir stehen. Im Kampf um offene Grenzen und gegen die Internierung
der
Flüchtlinge in Lagern, in der Unterstützung der Flüchtlinge
bei der Einreise ins
unsere reichen Länder, beim Grenzübertritt und in der
Unterstützung gegenüber
den Behörden könnten unsere Aufgaben liegen. Der Aufruf
von "kein Mensch ist
illegal", eigene Schleusungssstrukturen für den illegalen
Grenzübertritt
vorzubereiten, könnte ein praktischer Schritt sein, die
Strategie der
Herrschenden zu untergraben, die Flüchtlinge in den Armenhäusern
Europas zu
kasernieren und dort zu vernutzen.
Wir fordern:
Bleiberecht für alle Flüchtlinge
und dem Status als Bürgerkriegsflüchtlinge!
Keine Internierung in Lagern! Grenzen auf!
Keine Waffenlieferungen! Schluß mit
den Bombardierungen!
Antirassistische Gruppen aus NRW 7.4.99
Quelle: email: Isi@kurbel.infodrom.north.de