Datum: 25.03.1999
Die Abgeordneten Judith Demba, Ida Schillen. Ursula Hertel-Lenz,
Uwe
Dähn, Dietmar Volk. Barbara Oesterheld, Riza Baran und Jugendstadträtin
Elisa Rode erklären:
Natoangriff auf Jugoslawien sofort beenden
Wir kritisieren in aller Schärfe die Luftangriffe der Nato
auf das Territorium
Jugoslawiens. Die Beteiligung der Bundeswehr an diesem Angriffskrieg
führt
die rotgrüne Koalitionsvereinbarung, in der es noch heisst
"Deutsche
Aussenpolitik ist Friedenspolitik", ad absurdum. Die Bundesregierung
und
insbesondere der grüne Aussenminister trägt damit Verantwortung
für den
ersten Angriffskrieg unter deutscher Beteiligung nach dem 2.
Weltkrieg. Damit
hat die rot/grüne Bundesregierung im Schulterschluss mit
CDU/CSU endgültig
den Weg dafür frei gemacht, dass zum ersten Mal seit 54
Jahren auch von
deutschem Boden wieder Krieg ausgeht.
Die gestrige Ansprache des Bundeskanzlers und sein Appell an alle
Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, nun treu an der
Seite der deutschen
Soldaten zu stehen, hat in erschreckender Weise an den Satz Kaiser
Wilhelms
erinnert, der bei Ausbruch des 1. Weltkrieges erklärte:
" Ich kenne keine
Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche".
Bomben werden den Konflikt nicht lösen. Der Natoangriff stellt
einen eklatanten
Verstoss gegen das Völkerrecht dar. Damit wird ein Prazedenzfall
geschaffen,
auf dessen Grundlage zukünftige Interventionen der Nato
und der USA auch in
anderen "Krisengebieten" zu befürchten sind. Nirgendwo ist
von Seiten des
Westens über den Natoangriff hinaus ein fundiertes politisches
Konzept zu
erkennen, dass zu einer langfristigen Sicherung des Friedens
in der Region
führen könnte. Der Angriff trägt nicht zur Lösung,
sondern eher zur Verschärfung
des Konfliktes bei. Die bewusst in Kauf genommene Provokation
gegenüber
Russland und China verstärkt die Gefahr einer Internationalisierung
des
Krieges.
Wir fordern die grüne Koalitionsfraktion auf, sich wieder
auf den Grundkonsens
von Bündnis 90/Die Grünen zu begeben. Dort heisst es:
"Militärische Gewalt -
zumal die mit hochtechnologischen und Massenvernichtungswaffen
ausgerüstete - stellt eine generelle Bedrohung dar. Krieg
und Kriegsdrohung mit
solchen Waffen ist schlimmste, illegitime Gewalt. Deshalb streben
wir eine
umfassende Abrüstung und Entmilitarisierung der Gesellschaft
an und lehnen
Krieg als Mittel der Konfliktlösung ab".
Friedenspolitisch engagierte Menschen fordern seit einem Jahrzehnt,
Energie
und Mittel in Versuche gewaltfreier Konfliktbearbeitung im Kosovo
zu
investieren. Sämtliche Warnungen über den sich anbahnenden
gewaltsamen
Konflikt wurden ignoriert. Gelder standen für die Unterstützung
nichtmilitärischer
Arbeit im Kosovo nie zur Verfügung- für den Angriff
werden kurzfristig
dreistellige Millionensummen bereitgestellt.