Ich möchte Ihnen berichten über die Folgen nach den 2-monatigen Angriffen auf Treibstoffdepots, Raffinerien, Chemiefabriken, Kraftwerke und durch massive Nutzung des Luftraumes über Jugoslawien.

Schon in den 70-er Jahren warnten Wissenschaftler, daß die Ozonschicht u.a. beträchtlich durch den Ausstoß von Überschallflugzeugen in einer Flughöhe über 10.000 m beschädigt wird. 31 Industriestaaten haben 1985 in Wien und 1987 in Montreal das Protokoll über Schutz der Ozonschicht unterschrieben. Daraufhin wurde der Flugverkehr der Concorde von Paris nach New York reduziert. Während der 72 Tage des Krieges wurden 72.000 Flugstunden registriert!

Die zerstörte Ozonschicht intensiviert die UVA- und UVB- (ultravioletten) Strahlen, welche Hautkrebs verursachen. Die ökologischen Schäden werden nicht nur Jugoslawien, sondern auch dessen Aggressoren treffen. Vor allem in Italien und Zentraleuropa sind dramatische Auswirkungen zu erwarten.

Am 15. und 18. April bombardierte die Nato den petrochemischen Industriekomplex von Panchevo und die zweitgrößte Raffinerie des Landes in Novi Sad, die nur 15 bzw. 80 km in Distanz zur mehr als 1 Million Einwohner zählenden Hauptstadt Belgrad sind. Beide Komplexe verfügten über 5,5 bzw. 2,5 Millionen Tonnen Jahreskapazität. Im rußbeladenen Qualm sind alle möglichen Gifte enthalten: Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle, welche als krebserregend und genverändernd eingestuft sind.

80 % der Rußpartikel solcher Rauchwolken sind lungengängig und transportieren alle toxischen Substanzen dadurch in den Körper. Nach Expertenschätzungen müssen 100.000e Tonnen Benzin, Öl und Gas in die Luft geschleudert worden sein. Bei Zerstörungen von Chemie- und Düngemittelfabriken entwichen Ammoniak und ungezählte andere toxische Verbindungen. Damit ist die ökologische Katastrophe in Jugoslawien nicht nur zu vergleichen mit den Unfällen 1967 in Seveso/Italien (Dioxin) oder 1986 in der Schweiz (Sandoz), wo der Rhein verschmutzt wurde. Was in Jugoslawien geschah, hat dutzendmal größere Ausmaße. Nicht nur die Luft ist beschädigt und verschmutzt, die Gifte aus der Atmosphäre gelangen in das Grundwasser und damit über die Nahrung in den menschlichen Organismus. Augenzeugen berichteten, daß sich Gemüse auf den Feldern in weiße Asche verwandelte, nachdem sich die schwarzen Wolken der bombardierten Ölraffinerien ausbreiteten. Die schöne blaue Donau ist mit mehreren Ölteppichen belegt, einige sind bis zu 24 km lang. Inís Wasser selbst sind etwa 1.200 Tonnen Vinylchlorid, 1.400 Tonnen Ethylendichlorid geflossen, sowie 800 Tonnen konzentrierte Salzsäure. Etwa 100 Tonnen Quecksilber traten aus einer bombardierten Elektrolyse-Anlage aus.

So ist zu der humanitären Katastrophe auch eine Umweltkatastrophe mit weiträumigen und langfristigen Konsequenzen dazu gekommen. Dies war auch ein Krieg gegen die Schöpfung.

Gordana Kämpfer-Curkusic