Redebeitrag zum Antikriegstag

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir stehen hier gemeinsam, weil wir den Krieg auf das schärfste ablehnen. Was den Krieg so verabscheuenswürdig macht, ist nicht nur die Tatsache, daß hier Menschen durch Menschenhand umkommen, sondern daß abstrakte Staaten gegeneinander Krieg führen und dafür ihre Gründe anführen. Diese Gründe haben nichts mit der Bevölkerung, sondern nur mit den Herrschenden zu tun, die den Krieg beschließen. Führen muß ihn aber immer die Bevölkerung.

Einen guten Krieg hat es nie gegeben, gibt es nicht und wird es nie geben – auch nicht, wenn er sich als „humanitär“ bezeichnet!

Antimilitarismus erschöpft sich aber keineswegs darin, den Krieg abzulehnen, auch wenn dies selbstverständlich der Kern sein muß.

Das Militär ist seit seinem Bestehen Garant und Bedingung für Herrschaft in diversen Ausprägungen: Es manifestiert die staatliche Herrschaft über die BewohnerInnen eines durch willkürliche Grenzen festgelegten Nationalstaats. Es manifestiert die Herrschaft des Patriarachats. Es verhilft durch das Führen von Kriegen dem globalen Kapitalismus zu einer scheinbaren Existenzberechtigung. Und es fördert durch seine Organisationsstruktur autoritäres, nationaltümelndes und faschistoides Gedankengut.

Durch die Uniformität von Massen, ein konsequent durchgeführtes Befehls-Gehorsams-System in fast allen Lebensbereichen, Militarismuspropaganda in sämtlichen Medien, insbesondere durch die Unterhaltungskultur, wird die gesamte Gesellschaft militarisiert. Dem Individuum wird damit Eigenverantwortung und selbstständiges Denken permanent aberzogen. So wird das hierarchische System von oben nach unten in Staat, Wirtschaft, Patriarchat und Religion stabilisiert.

Darum ist es für uns als AntimilitaristInnen auch nicht damit getan, das Führen von Kriegen zu verhindern oder verhindern zu wollen.
Zum Antimilitarismus gehört die Ablehnung aller Herrschaftsstrukturen. Wir dürfen nicht vergessen, wem Krieg und Militär zu Gute kommt und wer es erhalten will: Dies sind unsere Gegner, malen sie ihren Militarismus nun schwarz, gelb, rot oder grün an.
Ich bin überzeugt, daß die Mitglieder der angedeuteten Parteien andächtig den Antikriegstag begehen – obwohl sie allesamt kürzlich einen deutschen Angriffskrieg verteidigt haben.
Die wirklichen Gegner des Krieges und des Militarismus aber kriminalisieren sie: Ein Aufruf, sich von der Truppe zu entfernen, der am 1. April vom Komitee für Grundrechte und Demokratie vor der Hardthöhe in Bonn verteilt wurde, ist Grund für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Wer dem Militär fernbleiben will oder diesen Ratschlag erteilt, ist für diesen Staat kriminell.
Dabei sollte dies genau unser Ansatz sein, keinen Finger zu rühren für etwas, was im Endeffekt immer kriegerischen Zwecken dient. Dem Militarismus, in allen seinen Bereichen, auch, wie er durch ein Befehls-Gehorsams-System den Kindern in der Schule nahegebracht wird, wie er uns in den Medien, in Studium oder bei der Arbeit begegnet, kann nur eine absolute Weigerung entgegenstehen.
Daher gibt es nur einen Ratschlag für die sogenannten ZivilistInnen: Bleibt der Truppe fern!
Und nur einen für Soldaten: Entfernt euch von der Truppe!