Liebe KriegsgegnerInnen, liebe FreundInnen und GenossInnen
ich möchte Euch hier ein Dokument vorlesen, das morgen in der aktuellen
Graswurzelrevolution veröffentlicht wird:
„NATO/Jugoslawien: USA befahlen Angriffe auf die Zivilbevölkerung
„Hier wurde eine der größten Greueltaten der Geschichte
begangen.“ Ein spanischer Pilot berichtet: Angriffe auf Zivilbevölkerung
in Jugoslawien geschahen auf Befehl der USA
Am 14. Juni veröffentlichte eine spanische Wochenzeitung einen
Artikel mit Einzelheiten, wie die amerikanischen NATO-Befehlshaber Angriffe
auf zivile Ziele befohlen haben. Der Bericht in der Zeitschrift Articulo
20 (der Name nimmt Bezug auf Artikel 20 der spanischen Verfassung, der
die Redefreiheit garantiert) stützt sich auf ein Interview mit dem
Hauptmann Adolfo Luis Martin de la Hoz, einem spanischen Piloten der NATO.
Der Artikel wurde von Jelena Karovic übersetzt und über das Netz
für Frieden auf dem Balkan (BalkanPeaceNetwork@listbot.com) verbreitet.
Adolfo de la Hoz hatte seit Kriegsbeginn als Pilot eines Kampfflugzeugs
F-18 an den Bombardierungen teilgenommen und kehrte Ende Mai nach Spanien
zurück. Er sagte, daß die Operation von den USA geleitet wurde,
und daß die NATO all diejenigen mit Medaillen auszeichnete, die zivile
Ziele bombardiert hatten. „Unsere schlimmsten Feinde sind unsere eigenen
Regierungen, der Verteidigungsminister und sein ganzer Stab, die Regierungsmitglieder,
die über Krieg nichts wissen und ihn doch unterstützen, ohne
sich in irgendeiner Weise zu informieren und die, was das Schlimmste ist,
die Schuld dafür tragen, daß die Bevölkerung von Zeitungen,
Radio, Fernsehen, Korrespondenten und Presseagenturen belogen wird,“ betonte
er. De la Hoz wies die Behauptung zurück, daß die wiederholten
Bombardierungen ziviler Einrichtungen durch die NATO ein Versehen gewesen
seien: „Mehrere Male hat unser Oberst gegenüber den NATO-Befehlshabern
protestiert, weil es sich bei den gewählten Zielen nicht um militärische
Ziele handelte. Er wurde von ihnen verflucht und hinausgeworfen.“ Er berichtete
weiter: „Einmal erteilte das amerikanische Militär einen kodierten
Befehl, über Pristina und Nis Splitterbomben abzuwerfen. Unser Oberst
weigerte sich, diesen Befehl auszuführen. Einige Tage später
erhielt er dann seinen Versetzungsbefehl.“ Seine Schilderung über
das wahre Gesicht dieses NATO- Krieges läßt uns erschaudern.
Er sagte: „Kein einziger Journalist hat auch nur die leiseste Ahnung, was
in Jugoslawien wirklich passiert. Sie zerstören das Land, bombardieren
es mit neuartigen Waffen, toxischen Nervengasen, platzieren Oberflächenminen,
die mit Fallschirmen abgeworfen werden, werfen Bomben ab, die Uran, schwarzes
Napalm und sterilisierende Chemikalien enthalten, setzen Spritzmittel ein,
die die Ernten vergiften und verwenden Waffen, die auch uns noch völlig
unbekannt sind. Die Amerikaner begehen eine der größten Barbareien
gegen die Menschheit.“
Chris Marsden, 30. Juni 1999, aus dem Englischen (25. Juni 1999)“
1998 fanden 21 Kriege und 28 kriegerische Auseinandersetzungen statt.
7, 5 Millionen Menschen wurden dabei getötet, 40 Millionen vertrieben
und verletzt. In diesem Jahr droht sich diese Schreckensbilanz noch zu
erhöhen. Der Krieg in Jugoslawien ist in eine neue Phase getreten.
In den letzten Tagen wurden ca. zweihunderttausend Roma und Serben von
albanischen NationalistInnen aus dem zerstörten Kosovo vor allem ins
zerstörte Serbien vertrieben. Fordern Schröder und die Fischerchöre
diesmal wieder „chirurgische NATO-Schläge“ gegen die ethnischen Säuberer?
Nein, stattdessen bekennt Schröder im ZDF, daß der Wiederaufbau
Jugoslawiens der deutschen Wirtschaft nützen werde. „Alle Kriege entstehen
nur um den Besitz von Geld.“ (Plato)
Die „Neue NATO-Strategie“ des militärischen Interventionismus
wurde im „humanitären“ Angriffskrieg gegen Jugoslawien „erfolgreich“
erprobt. Und deutet das vertrauliche Zusatzprotokoll im Rambouillet-Abkommen
nicht darauf hin, daß dieser Krieg von den NATO-Strategen eingefädelt
wurde?
Inhalt dieses für die ebenfalls verbrecherische jugoslawische
Regierung unannehmbaren „Annex B“ war u.a., daß die NATO-Truppen
in ganz Jugoslawien stationiert werden können. Auf dieses Besatzungsstatut
wurde erst bei „Kriegsende“ verzichtet.
Unsere Solidarität gehört den nicht nationalistischen AntimilitaristInnen
weltweit, auch hier:
Gegen KriegsgegnerInnen wie z.B. die UnterzeichnerInnen des in der
Graswurzelrevolution Nr. 239 abgedruckten „Aufruf(s) an alle Soldaten:
Verweigern Sie Ihre Beteiligung an diesem Krieg!“ wird nun strafrechtlich
ermittelt. Die Aufforderung zur Desertion sei srafbar, so die Staatsanwaltschaft.
Es ist also wichtig, dass wir diese Aufforderung immer wieder und gemeinsam
mit vielen Menschen wiederholen. Ingeborg Bachmann bleibt aktuell: „Der
Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held bleibt den Kämpfen fern. Der
Schwache ist in die Feuerzonen gerückt. Die Uniform des Tages ist
die Geduld, die Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung über
dem Herzen.
Er wird verliehen, wenn nichts mehr geschieht, wenn das Trommelfeuer
verstummt, wenn der Feind unsichtbar geworden ist und der Schatten ewiger
Rüstung den Himmel bedeckt.
Er wird verliehen für die Flucht vor den Fahnen, für die
Tapferkeit vor dem Freund, für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung jeglichen Befehls.“
Vielen Dank.