Aufruf zur Großdemonstration am 8. Mai
1999 in Berlin
Die NATO befindet sich in einem völkerrechtswidrigen
Krieg gegen Jugoslawien. Deutschland ist erstmals seit dem 8. Mai 1945
direkt an einem Krieg beteiligt. Der Weg von der Drohung mit Gewalt bis
zu ihrer Anwendung war kurz. Der Schritt von Bomben und Raketen auf Jugoslawien
bis zum Einsatz von Bodentruppen ist bereits vorgezeichnet.
Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Wir werden uns
weder jetzt noch in Zukunft an Krieg gewöhnen.
Wir verurteilen die Verfolgung und Vertreibung der Menschen
im Kosovo sowie die Unterdrückung der demokratischen Öffentlichkeit
in Jugoslawien. Der Krieg jedoch löst die Probleme nicht, er verschärft
sie. Die Folgen sind noch mehr Hass, mehr Zerstörung, neue Vertreibungen
und Tod. Dauerhafter Frieden kann nicht diktiert und nicht herbei gebombt
werden.
Südafrika und Nordirland sind Beispiele dafür,
nur nichtmilitärische, auf Verständigung und Ausgleich setzende
Politik kann Konflikte entschärfen und einer Lösung näherbringen.
Das braucht Zeit und Kraft.
Ein Fortgang der NATO-Angriffe bedeutet Fortsetzung der
Vertreibung und weitere Missachtung von Menschenrechten, verzögert
die Rückkehr der Flüchtlinge, schafft unsägliches menschliches
Leid, zerstört die Lebensgrundlagen und die Umwelt, trägt zur
Verelendung der ganzen Region und zur Verhinderung demokratischer Entwicklung
bei. Die gigantischen Kosten des Krieges, bisher über vier Milliarden
US-Dollar, müssen von den Steuerzahlern aufgebracht werden. Wir sagen:
dieses Geld hätte sinnvoller ausgegeben werden müssen, für
die Beseitigung der Armut, die Stärkung demokratischer Gesellschaften,
für den Aufbau und die Förderung ziviler Konfliktbearbeitung
und für Flüchtlingshilfe.
Wir fordern:
n Die sofortige Einstellung
des Luftkrieges, keinen Einsatz von Bodentruppen;
n eine politische Lösung
durch Verhandlungen;
n den Abzug aller Truppen
aus dem Kosovo inclusive Entwaffnung der UCK;
n das Recht auf Rückkehr
für alle Flüchtlinge und Vertriebenen unter internationalem Schutz,
materielle Hilfe für die Betroffenen in Trägerschaft ziviler
Organisationen;
n die Aufnahme weiterer
Flüchtlinge und Asyl für Deserteure;
eine Balkankonferenz und einen Wiederaufbauplan für
die Region.
Eine politische Lösung ist nur denkbar durch die
gleichberechtigte Beteiligung verschiedener Ebenen der Zivilgesellschaft,
der UNO und der OSZE und von Nichtregierungsorganisationen. Eine Einbeziehung
Russlands ist dringend erforderlich.
Wir wollen eine Welt ohne Krieg, Nationalismus und Unterdrückung
- eine Welt, in der für alle Menschen Frieden, soziale Gerechtigkeit
und demokratische Rechte gesichert werden. Alle Opfer von Menschenrechgsverletzungen
verdienen unser Mitgefühl und unsere aktive Solidarität.
Dafür demonstrieren wir am 8. Mai gemeinsam in Berlin,
verbunden mit allen, die am selben Tag an regionalen Aktionen und Blockaden
der Friedensbewegung z.B. in Karlsruhe, Stuttgart oder Bonn teilnehmen.
KOMMT NACH BERLIN!
A) Parkplatz vor dem Velodrom (Prenzlauer Berg)
B) Nollendorfplatz (Schöneberg) Abschlusskundgebung um 14
Uhr auf dem Gendarmenmarkt
Bundesweite Unterstützer:
AG gegen den Krieg im Netzwerk Friedenskooperative, Arbeitlosenverband
Deutschland, e.V., BBU e.V., Bremer Friedensforum; Bremer Stiftung für
Rüstungskonversion und Friedensforschung, Bund demokratischer WissenschaftlerInnen,
Bund für Soziale Verteidigung, Bundesausschuss Friedensratschlag,
Bundesausländerbeirat, Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte
KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Deutscher Friedensrat e.V., DPG-Jugend,
Erfurter Erklärung "Aufstehen für eine andere Politik", Föderation
der ImmigrantInnenvereine aus der Türkei, Forum Gewerkschaften, Friedensgruppe
Harburg Land, Regesbostel; Friedensinitiative Ramelsloh e.V, Bendestorf,
Friedenskreis Ilmenau; Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und
Menschenwürde e.V., Gewaltfreie Aktion "Atomwaffen abschaffen", Grüne
Anti-Kriegs-Initiative, Hamburger Friedensforum, Handwerker und Mittelständler
für den Frieden, Hamburg; IALANA, IG Entrüstung, Rostock; IG
Medien, IG Metall-Jugend, IG-Metall Hamburg; Deutsche Sektion der Internationalen
Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs / Ärzte in sozialer
Verantwortung (IPPNW), IVVDN, JungsozialistInnen in der SPD, KAIROS Europa,
Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär, Kasseler Friedensforum,
Konvent der Theologinnen in der BRD, Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher
Arbeitlosengruppen, Münchner Bündnis gegen Rassismus, Münchner
Friedensbündnis, Naturwissenschaftler-Initiative für Frieden
und Zukunftsfähigkeit, Nürnberger Friedensforum, Ohne Rüstung
Leben, Ostermarsch Hessen, Ostermarsch Ruhr, Ostdeutsches Kuratorium von
Verbänden e.V., Pädagoginnen und Pädagogen für den
Frieden (PPF), Pro Asyl, SJD - Die Falken, SPW, Vereinigte der Verfolgten
des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN / BdA),
Versöhnungsbund, ZAA Schleswig-Holstein
Kontakt für weitere UnterstützerInnen: DFG-VK,
Telefon: 02051-4217, Fax: 02051-4210, e-mail: vogler@dfg-vk.de
Spenden dringend erbeten auf Sonderkonto
Willi van Ooyen, Kontonummer 32 29 55 - 606,
Postbank Franfurt/M., BLZ: 500 100 60, Stichwort "8.Mai"