filmfestival münster 2007

17.10.07

« CAMILO — The Long Road to Disobedience [engl.OmdtU] »

So 21.10. 15:00 Preview
Koproduktion Filmwerkstatt Münster

ff07_mc_camilo_07.jpgDas Rückgrat der US- amerikanischen Armee kommt nicht aus West Point oder Annapolis, nicht aus Familien mit einer Militärtradition, die bis zum Sezessionskrieg zurückreicht, sondern wurde in den Armenvierteln der Schwarzen aufgebaut und den Einwanderungswellen aus Lateinamerika weiter gestärkt. Die Rekrutierungskommandos der Streitkräfte haben zumeist leichtes Spiel bei den Perspektivlosen und gesellschaftlich Ausgestoßenen, die Verlockungen der vereinfachten Einbürgerung durch den Wehrdienst tun ihr Übriges.

The backbone of the US army does not come from West Point or Annapolis, not from families with a military tradition going back to the Civil War, but was built in the black ghettos and further strengthened by immigration waves from Latin America. The forces’ recruitment officers find it easy to win over those without perspective in and marginalized by society, the temptation of smoother naturalization through military service is another incentive.

Auch Camilo Mejía, Sohn des berühmten nicaraguanischen Komponisten Carlos Mejía, trat der National Guard bei, in der Hoffnung, Unterstützung für sein Psychologiestudium und die US-Staatsbürgerschaft zu bekommen. Der Emigrant aus Nicaragua verpflichtete sich 1995 für acht Jahre bei der National Guard. In seinem letzten Dienstjahr wurde Camilos Einheit für den zweiten Irakkrieg mobilisiert und in Ramadi, einem der Brennpunkte des sunnitischen Dreiecks, eingesetzt. Sein wachsender Zweifel am Sinn des Krieges führte dazu, dass sich Camilo von einem zweiwöchigen Heimaturlaub nicht mehr zurückmeldete. Camilo Mejía wurde der erste offizielle Kriegsdienstverweigerer des Irakkriegs.

Camilo Mejía, son of the famous composer Carlos Mejía, also joined the National Guard hoping to find support for his psychological studies and obtaining the US citizenship. The emigrant from Nicaragua signed an eight-year contract with the National Guard in 1995. In his last year of service, Camilo’s unit was mobilized for the Iraq war and was stationed in Ramadi, one of the hotspots in the Sunni triangle. His growing doubt about the purpose of the war led Camilo not to report back from a two-week vacation at home. Thus Camilo Mejía became the first official conscientious objector of the Iraq war.

Für seinen Dokumentarfilm „CAMILO — Der lange Weg zum Ungehorsam“ begleitet der renommierte Autor und Regisseur Peter Lilienthal den zwischenzeitlich Inhaftierten bei seinen Versuchen, wieder im Leben Fuß zu fassen und verfolgt sein neues Engagement für die Friedensbewegung. Lilienthal kontrastiert die Geschichte Camilos mit der von Fernando Suarez del Solar, der seinen Sohn Jesus bei der Irak-Invasion verlor. Er war der erste Mexikaner, der in diesem Krieg starb. Fernando geht in seiner Trauer den Hintergründen nach und gründet das Guerrero Azteca Peace Project. Als Friedensaktivist zieht er durch die Schulen hispanischer Communities in den USA und setzt den beschönigenden Versprechungen der Rekrutierungskommandos seine bitteren Erfahrungen entgegen.

For his documentary “CAMILO — The Long Road to Disobedience” the renowned author and director Peter Lilienthal accompanies Camilo, who was intermittently arrested, in his attempts to deal with life and documents his new engagement with the peace movement. Lilienthal contrasts Camilo’s story with that of Fernando Suarez del Solar, who lost his son Jesus at the Iraq invasion. He was the first Mexican to die in the war. Fernando in his grief traces the backgrounds and starts the Guerrero Azteca Peace Project. As peace activist he visits schools of Hispanic communities in the US and contrasts the euphemistic promises of the recruitment officers with his own bitter experience.

Peter Lilienthal hinterfragt in diesem essayistischen Dokumentarfilm die Verantwortung der Söhne und Väter, als Soldaten in einen Krieg zu ziehen. Ihm ist ein poetisches und wahrhaftes Porträt zweier Menschen gelungen, die sich gegen die öffentliche Meinung gestellt haben und die nun — als verurteilter Deserteur und wahrheitssuchender Vater — die Sehnsucht empfinden, wieder zu sich selbst und zur Ruhe zu kommen.
„CAMILO — Der lange Weg zum Ungehorsam“ ist eine Gemeinschaftsproduktion von Steelecht, Triangle 7 und der Filmwerkstatt Münster, im Auftrag des WDR, in Zusammenarbeit mit ARTE.

Peter Lilienthal questions the responsibility of sons and fathers, who go to war, in this essayistic documentary. He created a poetic and truthful portrayal of two people, who oppose popular opinion and who now — as convicted deserter and as father looking for truth — feel a longing to get back to themselves and find peace.
“CAMILO — The Long Road to Disobedience” is a co-production by Steelecht, Triangle 7 and the Filmwerkstatt Münster, commissioned by the WDR in cooperation with ARTE.

anschl. Podiumsdiskussion
„Eine Achse der Hoffnung“
mit Peter Lilienthal, Regisseur und Vorstandsmitglied der Europäischen Filmakademie, einem Mitglied des „Connection“ e.V. (Aachener Friedenspreis 1996) und einem US-amerikanischen Kriegsdienstverweigerer.

Stage discussion after the film: “An Axis of Hope“ with Peter Lilienthal, director and board member of the European Film Academy, a member of “Connection” e.V. (Aachen Peace Prize 1996) and an American conscientious objector.

D 07 | 84 min | Digi Beta | Farbe
R+B Peter Lilienthal
K Carlos Aparicio
S Julian Isfort
M Seraphin
D Camilo Mejia,
Fernando Suarez del Solar

Kontakt
film {at} muenster.de

Peter Lilienthal
geb. 1929 in Berlin. Der Sohn eines Bühnenbildners wanderte mit den Eltern 1939 nach Uruguay aus, wo seine Mutter ein Hotel führte. Er studierte nach dem Abitur an der Universität Montevideo Kunstgeschichte, Musik und Jura. Im Universitäts-Filmclub beteiligte er sich an der Produktion von Kurzfilmen. Ab 1956 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Er inszenierte für das Fernsehen eine Reihe von Adaptionen des absurden Theaters, die wiederholt mit Fernsehpreisen ausgezeichnet wurden. 1971 gründete er mit anderen Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films den Filmverlag der Autoren.
In den siebziger Jahren wandte Lilienthal sich in seinen Filmen mehrmals den Problemen in Südamerika zu. 1976 erhält sein Film „Es herrscht Ruhe im Land“ den Deutschen Filmpreis für den besten Spielfilm, 1979 wird „David“ der Goldene Bär auf der Berlinale zugesprochen.
Lilienthal ist Direktor der Akademie für bildende Künste, Abteilung Film, sowie im Vorstand der Europäischen Filmakademie.

Born in Berlin in 1929. The son of a stage designer emigrated to Uruguay with his parents in 1939, where his mother ran a hotel. After graduating from school, he studied art history, music and law at the university of Montevideo. At the university’s filmclub, he participated in the production of short films.
He studied at the Academy of the Performing Arts in Berlin from 1956. He created a number of adaptations of the theatre of the absurd for television, which repeatedly won the German Television Award. Together with other auteur film makers he created the Filmverlag der Autoren in 1971. In the 1970s, he repeatedly dealt with problems of South America in his films. In 1976, he won the German Film Award for Best Film with “Es herrscht Ruhe im Land”, in 1979, he won the Golden Bear at the Berlinale for “David”.
Lilienthal is director of the Academy of the Performing Arts, Section Film, as well as board member of the European Film Academy.