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Kommentar zur CW-Prüfungstempo-Umfrage

(von Martin Hengemühle, DL5QE, Vorsitzender, DTC e.V.)

Die DTC-Umfrage zum CW-Prüfungstempo war aus zweierlei Gründen für den Verein interessant. Einmal war sie die Möglichkeit, etwas derartiges im Internet und in PR auszuprobieren, d.h. zu sehen, ob und wie ein derartiges Verfahren angenommen wird und ob und wie das von unserem Internet-Provider freundlicherweise zur Verfügung gestellte Umfrageprogramm funktioniert. Andererseits war das eine willkommene Möglichkeit, ein Meinungbild in Sachen CW-Prüfungstempo zu erhalten.

Eine Beteiligung von 180 Personen ist mehr, als wir in der kurzen Zeit erwartet hätten. Nochmals Dank allen, die sich beteiligt haben.

Sicher, diese Anzahl ist, statistisch gesehen, keine signifikante Probe, die als Querschnitt über alle Funkamateure gelten kann. Einmal sind längst nicht alle Funkamateure im Internet oder in PR vertreten. Zum anderen ist klar, daß sich von denen, die es doch sind, nur die gemeldet haben, denen die Sache an sich wichtig genug erschien. Trotzdem kann man zumindest einen Anhaltspunkt gewinnen, was diejenigen, die sich aktiv mit der CW- Prüfung und dem Prüfungstempo beschäftigen, sich darum also Gedanken machen, für eine Meinung haben.

Während der Internetteil von sich aus anonym war, war es in der Natur der Sache in PR nicht so, die Daten wurden aber anonymisiert. Letzteres gilt auch für die Meinungsbekundungen auf dem Postweg, so sie nicht anonoym waren.

Mehrfachabstimmungen hat es gegeben, hauptsächlich via Internet. Erfreulicherweise ist das von uns verwandte Verfahren aber in der Lage, diese Mehrfachabstimmungen ein und der selben Person zu erkennen und somit nicht zu werten. Zur Ehre derjenigen, die sich via Internet an der Meinungsumfrage beteiligt haben, ist festzustellen, daß es sich bei den Mehrfachabstimmungen um einige wenige Personen handelte, die meinten, ihrer Meinung eine "überdurchschnittliche Wichtigkeit" verleihen zu müssen. "Spitzenreiter" war ein Teilnehmer, der gleich 116-mal (!) hintereinander abstimmte. Doch hat es nicht in seinem Sinne funktioniert, denn trotz Anonymität ist das Umfrageprogramm in der Lage, derartiges eindeutig zu identifizieren. Es zeigt sich aber auch, daß, im Sinne des "Schummelns", Funkamateure sich nicht von dem Durchschnitt der Bevölkerung unterscheiden. Charakterliche Defizite werden eben anscheinend nicht durch ein interessantes Hobby wettgemacht.

Diese Umfrage war eine zum Thema "Prüfungstempo", nicht eine zum Thema "Prüfung: Ja oder Nein?". Da der DTC als CW-Verband, neben allen anderen CW-Verbänden auch, für die Beibehaltung der CW- Prüfung eintritt, und zwar aus grundsätzlichen Erwägungen, ist eine Fragestellung "CW-Prüfung: Ja oder Nein?" nicht unser Thema.

Für uns ist es wesentlich wichtiger, die Meinung derjenigen zu ermitteln, die CW machen, oder die sich auf eine Prüfung vorbereiten. Und da zeigt die Umfrage, daß ein gewisses Mindestempo schon sehr gewünscht ist. Dies ist u.E. ein wichtiges Resultat, denn es ist verständlich, daß ohne eine gewisse minimale Grundvoraussetzung ein brauchbarer Funkbetrieb in der Betriebsart "Morsen" wenig Spaß macht, da man dann keine Partner findet. Daß das derzeitige Verfahren der Prüfungsbehörde als hinreichend akzeptabel erscheint, spricht einerseits für die Prüfungsbehörde und deren Überlegungen zur Morseprüfung, andererseits spiegelt es die Erfahrung wieder, die aktive Telegrafisten mit den Resultaten dieser Prüfung unter den Newcomern, den Neulingen in dieser Betriebsart, auf unseren Frequenzen machen bzw. machen wollen.

Wir haben einige interessante Emails erhalten, von Teilnehmern an der Umfrage, die sich zu dem Zeitpunkt auf ihre CW-Prüfung vorbereitet haben. Der Tenor war, daß es zwar Arbeit ist, aber man auch zugleich nach der Prüfung mit akzeptabler Geschwindigkeit auf den Amateurfunkbändern erscheinen möchte. Dieses Bemühen sollten wir alle, die wir nur zu gern auch eventuell mit unserer jahrelangen Übung im täglichen Funkbetrieb "flotteres" Tempo als 60 BpM mögen, würdigen. Vermeiden wir also, daß "die Neuen" nach wenigen Versuchen die Taste entnervt "in die Ecke feuern", indem wir - ganz im Sinne unseres Hobbys - uns ihnen widmen, unser Tempo auf ihre durch die Prüfung zunächst erworbenen und nachgewiesenen Fähigkeiten anpassen, ihnen nicht den "Spaß an der Freud" verderben.

Das Prüfungstempo muß jeder beherrschen, schneller kann man sein, muß es aber nicht!