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Therapeutisches Reiten. Rjasan
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Bericht der Projektleitung
Zusammenfassende Information über die Ergebnisse des Projektes „Therapeutisches Reiten für behinderte Kinder in Rjasan“ 2011-2013

 

 

 

Im Laufe von zwei Jahren haben die Rjasaner zivilgesellschaftliche Organisation „Rjasaner Gender Zentrum e.V.“(RGZ) und die Gesellschaft zur Förderung der deutsch-russischen Beziehungen Münster/Münsterland e.V.(DRG) ein Projekt realisiert, das zum Ziel hatte, die Hippotherapie als eine neue Methode der sozialen Adaption und Rehabilitation für Familien mit behinderten Kindern einzuführen. Ursache und Begründung für dieses Projekt waren die zahlreichen Anfragen von Müttern mit behinderten Kindern, die nicht zufrieden waren mit den Möglichkeiten, die der soziale und medizinische Dienst für die Rehabilitierung von Kindern mit chronischen Erkrankungen, vor allem mit infantiler Zerebralparese, anbietet.

Auf Initiative des Rjasaner Gender Zentrums fuhren im Jahr 2010 die Ärzte Dr. Vladimir Lapizki und Dr. Natalja Lapizkaja, die seit 2005 in Rjasan hippotherapeutische Übungen mit kranken Kindern durchführen, nach Münster, um deutsche Methoden kennenzulernen und um Kontakte mit Spezialisten auf diesem Gebiet anzubahnen. Als Ergebnis dieses Aufenthalts haben sich enge Beziehungen zu einigen Strukturen in Deutschland gebildet und das hat die Teilnahme deutscher Experten an diesem Projekt ermöglicht.

Im Jahr 2011 wurde das Projekt vom RGZ und der DRG der Stiftung Aktion Mensch vorgestellt und angenommen und nach Rjasan kam dann eine Expertin des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten, Frau Rosemann. Sie hat eine Expertise der Bedingungen für die Durchführung der Übungen gemacht, einen Workshop durchgeführt und Empfehlungen zur Verbesserung der Methode gegeben.

Seit Oktober 2011 nach Beendigung der Vorbereitungsphase begannen die praktischen Übungen mit den Kindern. Parallel dazu wurde mit den Eltern und mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen gearbeitet (medizinischer Dienst, Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeitern, Medien). Ziel dieser Arbeit war es, Politik und Verwaltung wie die Öffentlichkeit auf die Hippotherapie als Methode sozialer Adaption und Integration aufmerksam zu machen.

Im Laufe des Projektes wurden mehr als 30 Informations- und Aufklärungsveran-

staltungen durchgeführt, an welchen mehr als 450 Menschen teilgenommen haben.

 

• Pressekonferenz unter Teilnahme von Frau Rosemann und Frau Langer mit der

anschließenden Präsentation der Materialien in den Zeitungen und im Fernsehen.

27.08.2011

• Informationstreffen mit der Leitung der psychologischen Fakultät der Akademie

FSIN. 12.10. 2011

• Informationsgespräch mit Ärzten des Kinderberatungszentrums des Gebiets

22.10.2011

• Informationstreffen mit den Mitarbeitern des sozial-psychologischen

Beratungszentrums für Kinder und Jugendliche und mit dem Leiter der

psychologischen Beratungsstelle Münster, Herrn Dunkel. 26.10.2011

• Das Projekt wird dem Minister für Soziales des Gebietes Rjasan V.N. Glonti.

Vorgestellt. 14.11. 2011

• Seminar für Psychologiestudenten der FSIN Akademie über die Teilnahme am

Projekt als Freiwillige. 15.11. 2011

• Das Projekt wird der Stiftung „Unsere Kinder“ vorgestellt. 17.12. 2011

• Seminar für die Eltern und Tee-Party im Club Rosinant, 07.1.2011

• Seminar für die Eltern „Hyperaktive Kinder“ in der Stiftung „Unsere Kinder“,

23.12. 2011

• Seminar für Freiwillige. 27.12. 2011

• Videoaufnahme über das Projekt für die Fernsehanstalt „Vesti – Rjasan“, 18.01.

2012

• Information für die Wochenzeitung „Panorama der Stadt“, 08.02.2012

• Treffen mit der Organisation der Eltern von Kindern mit Autismus „Mein Weg“.

18.02.2012

• Beratung gemeinsamer Veranstaltungen mit der Koordinatorin des Projektes

„Zukunftsnavigator“ Natalja Baryschewa. 22.02. 2012

• Präsentation des Projektes für die Zeitschrift „Fragen der Gesundheit“.

14.03.2012

• Seminar für Freiwillige. 22.03. 2012

• Seminar für die Eltern und Mitarbeiter des kommunalen Zentrums „Familie“.

26.04. 2012

• Präsentation des Projektes und Workshop auf der Konferenz

„Zukunftsnavigator“. 24.05.2012

• Exkursion der Eltern mit ihren Kindern und den Mitarbeitern des Zentrums

„Familie“ in den Club Rosinante. 26.05.2012

• Zusammenfassung der Ergebnisse der Fortbildung in Münster und Information

der Stadtregierung darüber.

• Zusammenstellung eines Arbeitsplanes mit der Organisation „Der eigene Weg“

und Information über die Tätigkeit der Selbsthilfegruppe von Eltern mit

autistischen Kindern in Münster am 10.11.2012

• Exkursion der Eltern mit den Kindern des Zentrums „Der eigene Weg“ in den

Club Rosinante am 26.11. 2012

• Seminar für Freiwillige 22.11. 2012

• Neujahrsfest für die Kinder, die am Projekt Hippotherapie teilnehmen und

Präsentation der Übungen durch die Kinder am 29.12. 2012

• Geburtstag des Pferdes Fakel. Einführungsveranstaltung für die zukünftigen

Teilnehmer des Projektes mit dem Pferd am 01.03. 2013

• Seminar für Eltern zum Thema „ Der heilpädagogische Einfluss der

Hippotherapie“ am 04.05. 2013

• „Paraolympischer Sport- Perspektive für die Teilnehmer des Projektes“ –

Demonstrationen der Teilnehmer des Projektes am Internationalen Tag des

Schutzes der Kinder. 01.06. 2013

• Workshop von Frau Rosemann für die Ausbilderinnen der Hippotherapie 27.-

28.08. 2013

• Abschlusskonferenz zum Thema Hippotherapie 29.08.2013

• Workshop von Frau Rosemann und Frau Kottmann für die Ausbilder der

Hippotherapie und für Spezialisten aus dem medizinischen und pädagogischen

Bereich 30.08.2013

• Pressekonferenz zu den Ergebnissen des Projektes und der Konferenz.

 

Alle durchgeführten Maßnahmen erfreuten sich eines großen Erfolges bei den Teilnehmern und bewirkten Resonanz vor allem bei den an Hilfe interessierten Menschen, was man von den Strukturen der Politik und Verwaltung, auf deren Hilfe wir für die Fortführung der Arbeit gezählt hatten, nicht sagen kann.

Im Ergebnis der zweijährigen Arbeit nahmen 94 Kinder an dem Projekt teil. Nach Plan waren für jeden 10 Übungsstunden vorgesehen. In Wirklichkeit jedoch ergab es sich, dass die Anzahl der Übungen zwischen 8 und 20 schwankten. Das hing von verschiedenen Ursachen, in der Regel von Einflüssen des Alltags, ab (Wohnungswechsel, Wetter, Erkältungen oder andere starke Erkrankungen etc...) Keiner der Eltern unterbrach die Behandlung aus Unzufriedenheit oder Unlust des Kindes. Im Gegenteil, eine erdrückende Mehrheit bat um Verlängerung der Behandlung, weil sie den überzeugenden positiven Effekt sahen. Davon zeugen einige der beigelegten Briefe.

Im Hinblick auf die Probleme, mit denen sich die Eltern an uns wandten, teilten sich unsere Teilnehmer in folgende Gruppen: Die meisten unserer Patienten leiden an Infantiler Zerebralparese und an den Folgen von Traumata – 52 Menschen. An zweiter Stelle steht der kindliche Autismus – 21 Menschen. Die übrigen 21 haben unterschiedliche andere Befunde: Mutismus, Angstneurosen, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen, Haltungsstörungen. In vielen Fällen hat die positive Wirkung der Hippotherapie sehr schnell gewirkt, manchmal nach drei bis vier Übungsstunden. So begann ein fünfjähriges Mädchen mit Autismus, das niemals harte und kalte Speisen aß (ihre Mutter gab ihr immer flüssiges warmes Essen), nach der dritten Übungsstunde Eis zu essen und danach feste Speisen. Ein dreijähriges Zwillingspaar, die an Mutismus leiden (bis zur Therapie sprachen sie nur vereinzelte Silben) sprachen nach der zehnten Übungsstunde schon kurze Sätze. Solche Beispiele gibt es nicht wenige, jedoch zeigt unsere Erfahrung, dass die positive Tendenz einer Festigung bedarf, d.h. einer länger andauernden Fortsetzung der Übungen. Man muss sie nicht unbedingt zwei Mal die Woche absolvieren, wie wir es gemacht haben. Es kann auch nur einmal die Woche sein oder alle zwei Wochen, aber es muss ein System sein.

Besonders erwähnen möchten wir auch die Anwendung von Gruppenübungen mit Kindern, die Probleme im schulischen Lernen haben. Als Vorbild für diese Praxis benutzten wir die Methode, die uns Frau Rosemann freundlicherweise während unseres Aufenthalts in Deutschland vermittelt hat. Analoges gibt es Russland nicht. Das Ergebnis hat alle Erwartungen übertroffen. Als Ergänzung unseres Projektes werden wir diese Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen unbedingt fortsetzen und versuchen die Methode je nach Gruppenzusammensetzung zu variieren.

Im Prozesse der Realisierung des Projektes haben wir verstanden, dass wir unsere Hoffnung auf die Hilfe der staatlichen Strukturen überschätzt haben. In Russland wird die Hippotherapie nicht als offizielle Heilmethode für Behinderte anerkannt und von Seiten der Politik-und Verwaltungsstrukturen wurde höchstens Neugier gezeigt, aber keinerlei Interesse oder Wunsch zu überlegen, wie man diese wunderbare Methode in das System der Hilfe und Rehabilitation Behinderter einbeziehen könnte.

Jedoch kann man im Verlauf dieser zwei Jahre mit Sicherheit feststellen, dass die Information über diese Methode der Rehabilitation entscheidend zugenommen hat, und dass die Eltern begannen, den Behörden gegenüber sehr hartnäckig aufzutreten und zu fordern, diese Art der Hilfe für die Kinder ernst zu nehmen. Außerdem kann man vereinzelte Fälle von Sponsorentätigkeit feststellen, die einzelnen Kindern die Hippotherapie bezahlten. Unbedingt muss man auch feststellen, dass als Resultat des Projektes eine effektive Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Eltern mit autistischen Kindern entstanden ist. Auf dieser Basis entsteht möglicherweise ein dauerhaftes hippotherapeutisches Projekt. Auf jeden Fall streben wir das an und betrachten es für die bevorstehende Zeit als unser nächstes strategisches Ziel.

Dr. Natalja Lapizkaja, Gender Zentrum Rjasan, Projektleiterin

 









Letzte Änderung: 07.03.2016