rezensionenTurfMaster - von Albrecht Nolte zurück
Viele
Geschichten ranken sich um deses Spiel, das mit viel TamTam daherkommt
und daher neugierig macht. Albrecht Nolte, der Autor, habe darauf verzichtet,
das Dach zu decken, um das Spiel herauszubringen; seine Frau Elena gründete
einen Spieleverlag, um das Werk ihres Mannes mit vollem Elan promoten zu
können.
Der Stand dieses neuen AZA-Verlages sorgte dann
auf der Spielemesse ebenfalls für große Furore- selbst der Kritiker
mit dem schärfsten Verriß des Spieles urteilte: "Dort mußte
man einfach gewesen sein" (Michael Knopf).
Das Ehepaar Nolte bereist nun die Bundesrepublik,
promotet sein Spiel, steht zur Verfügung, veranstaltet Turniere. Mit
unglaublichem Elan machen sie sich ans Werk, aber das Dach, so Frau Nolte,
komme nun als nächstes dran. Statt eines neuen Spieles gibt es also
nun erst einmal Erweiterungen.
Solchermaßen neugierig gemacht stürzte
ich mich auf das Spiel. Die Verpackung, der Inhalt, die Ausstattung, das
Spielmaterial: edel, edel, vom feinsten. Zinnfiguren, einzeln abgepackt
mit Schaumstoffkissen, Karten in eigener, fester Plastikhülle, wunderschöne
Würfel. Kein Zweifel: dieses Spiel kommt nicht in dem üblichen
Billig-Plastik-Design daher. Sehr angenehm...
Das
Spiel wirkt auf den ersten Blick sehr einfach, und auch in den ersten zwei,
drei Spielen erschließen sich die feinen Mechanismen nicht. Die Pferde
ziehen über eine Rennbahn, kommen entweder durch Würfeln vorwärts
oder durch ausgespielte Karten, können sich überholen (nach entsprechenden
Regeln). Klare Mechanismen bestimmen das Spiel: wann gewürfelt, wann
Karten gezogen werden, wie überholt werden muß.
Daher kann man das Spiel ganz einfach und ohne
nachzudenken spielen. Man kann es aber auch verdammt taktisch sehen, kann
genau die Zugmöglichkeiten ausrechnen und andere Mitspieler ausbremsen,
zum Beispiel, täuschen, zum Beispiel, am Schluß an Ihnen vorbeiziehen
zum Beispiel - oder sich auch verkalkulieren und am Schluß auf der
Strecke verhungern. Zum Beispiel.
Besonders schön ist die Variante mit den
zu überspringenden Hürden: hier kann ein unbedachter Spieler
sehr schnell stürzen. Und wer es gemein liebt und wem ein gutes Spiel
immer noch mehr wert ist als eine Freundschaft, der hat hier jede Menge
Möglichkeiten...
Last but not least: Man kann das Spiel sowohl zu zweit als auch zu acht spielen, und daher ist es auch für große Gruppen geeignet. Endlich einmal!Wer ein bischen Phantasie hat, kann es als Grundlage für Großgruppenspiele benutzen (etwa als Plan zum 'Chaos-Spiel'). Schön wäre daher neben der Normalversion (Inhalt oben beschrieben) und der Exclusivversion (wie oben, nur mit handbemalten Zinnpferden) auch ein Billigversion gewesen.
Wir hatten das große Glück, das Ehepaar Nolte persönlich bei unserem Spieletreff begrüßen zu können. Es wurde ein genüßlicher Abend: auf unsere Fragen erzählten die zwei sehr interessant vom Entstehungsprozeß des Spieles und vom ereignisreichen Leben des Spieleerfinders und Spieleverlagsgründers. Dazu bekamen wir eine komplette Rundum-glücklich-Erklärung über das Spiel. Das vermittelte uns eine Ahnung, wie facettenreich dieses Spiel auf den dritten oder vierten Blick sein kann. Wenn man will, kann man sogar eine kleine Wissenschaft daraus machen.
Aber wie gesagt: die vielen Möglichkeiten des Jockeys entdeckt dieser erst nach und nach. Man muß das Spiel schon mehrfach spielen und spielen wollen. Aber dann, soviel sei garantiert, macht es viel Spaß: den hatten wir dann auch...
Wer sich weiter informieren will, tut das am besten
auf der Homepage: www.turfmaster.de,
dort gibt es inklusive Gewinnspiel alles um den AZA-Verlag und sein großes
Spiel. Wer es dann käuflich erwerben will, kann dies nur im spezialisierten
Fachhandel, oder eben per Internet: siehe oben. Mit 99 DM ist das Spiel
allerdings im oberen Preisbereich angesiedelt, aber ein kleiner Verlag
hat eben nicht die Möglichkeiten der Großen. Probespielen kann
man das Spiel in jedem Fall bei uns...
'TurfMaster'- von Albrecht Nolte
Erschienen bei AZA 1999
Preis: 99 DM (Exclusivversion 149DM), für
zwei bis acht Spieler ab zehn Jahren.
Spieldauer: 30 - 90 Minuten.
Kurzkritik: Für kleine und große
Runden- und für den komplizierten Rechner.
(Michael Ziemons)