rezensionenTa Yü - von Niek Neuwahl zurück
Ta
Yü ist ein Held der chinesischen Sagenwelt. Ähnlich wie Noah
rettete er die Welt vor einer Überschwemmung, allerdings nicht, indem
er ein Boot baute, sondern indem er viele Känale durch das Land grub,
so daß das Wasser ins Meer abfließen konnte. So ist es auch
unsere Aufgabe als Spieler, Kanäle zu ziehen: und nur für die
Mündungen ins Meer gibt es Punkte...
Dieses Spiel macht Spaß, weil es so herrlich einfach und doch
so wunderbar mitreißend ist. Auf einem Spielfeld mit vielen kleinen
Quadraten müssen längliche Plättchen gelegt werden, die
jeweils ein Quadrat breit und drei Quadrate lang sind. Auf den Plättchen
sind Kanäle mit jeweils drei Öffnungen aufgemalt. Es gilt nun
für die beiden Spieler, Kanalverbindungen in Nord-Süd bzw. der
Gegner in Ost-West-Richtung zu schaffen. Jeder Stein muß mit einer
Öffnung an eine andere angelegt werden, und natürlich darf nie
eine leere Kante an eine Mündung grenzen. Das war's schon! Schon wird
klar: dieses Spiel begeistert auch Leute, die sonst nicht so gerne spielen,
sich nicht gerne in komplizierte Strategien hineindenken und mehr zur "Rummy"-
oder "Halma"-Fraktion gehören. Womit ich nicht sagen wollte, "Ta Yü"
gleiche diesen- es stellt nur ähnlich hohe Anforderungen, ist dabei
bedeutend besser und hat hohen Kultcharakter. Immer abwechselnd ziehen
(verdeckt!) bzw. legen die beiden Spieler, bis schließlich beide
feststellen, daß ein Plättchen
nirgendwo
mehr paßt. Dann werden für jeden Spieler seine Mündungen
auf beiden Seiten gezählt und die beiden Summen miteinander multipliziert.
Das ergibt die Siegpunktzahl.
In seiner Einfachheit ist das Spiel trotzdem packend, spannend, und
natürlich auch taktisch. Dennoch ist viel Glück im Spiel, denn
schließlich zieht man die Plättchen verdeckt. Endlich ein Spiel,
das perfekt ist, wenn man es zu zweit spielt. Zu dritt ist es weniger gut;
der dritte muß als Störenfried beide behindern. Zu viert wird
das ganze zur pädagogisch wertvollen Kommunikationsübung: Je
zwei Spieler bilden ein Pärchen, das zusammen spielen muß, aber
nicht miteinander reden darf. Auch nicht schlecht.
Seinen wahren Reiz entfaltet das Spiel aber erst im Kampf zu zweit,
und es gehört absolut zu recht zur Auswahl der besten Spiele 1999.
Der in Italien lebende Autor, Niek Neuwahl, hat hier auf seinem Spezialgebiet
(strategische Brettspiele für zwei) ein Meisterwerk geschaffen.
Der hohe Preis ist zwar schade, erklärt sich aber durch das hochwertige
Spielmaterial. Die graphische Gestaltung ist noch zu loben, sie rundet
die Perfektion ab. Fazit: Sofort beschaffen!
Insidertips: Am meisten macht das Spiel zu zweit Spaß. Es lohnt sich tatsächlich sehr, darauf zu achten, dem Gegner etwas kaputt zu machen, ihm Anlegemöglichkeiten zu verbauen. Und bevor man zu lange auf einen passenden Stein wartet, lieber nachzählen: jeden Stein gibt es nur viermal!
Ta Yü - von Niek Neuwahl
Erschienen in der Kosmos SpieleGalerie 1999
Preis: ca. 89,95 DM
für zwei bis vier Spieler ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 30-45 Minuten
Aufgenommen in die "Auswahlliste Spiel des
Jahres 1999"!
Kurzkritik: Genial, besonders zu zweit.
(Michael Ziemons)
zurück