rezensionen
Rheinländer
- von Reiner Knizia
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Erstaunlich: aus dem Hause Parker kam seit langem nichts Neues, wirklich gutes mehr. Stattdessen förderte das Mutterbüro "Hasbro" die Klitsche MB, die außer Babykram nichts zu bieten hatte. Eine Schande, daß Hasbro das in einem Atemzug mit dem nannte, was wir unter Brettspielen verstehen.
Wenn uns also der Verlag und seine Muttergesellschaft
(und deren Methoden, auf die näher einzugehen hier der Platz nicht
ist) sehr suspekt erscheinen müssen, können wir nicht umhin festzustellen,
daß mit "Rheinländer" ein mutiger Schritt gewagt wurde. Erstmals
wagt sich dieser Verlag an ein anspruchsvolles taktisches Brettspiel von
gehobenem Niveau.
Reiner Knizia hat sich was einfallen lassen, und das ist ihm gut gelungen.
Bei "Rheinländer" geht es -natürlich- darum, die Herrschaft über
den Rhein zu erobern. Zu diesem Zweck werden in eingeteilten Parzellen
rechts- und linksrheinisch Ritter eingesetzt, wenn die Karten auf der Hand
das erlauben. Liegen zwei Ritter nebeneinander, bilden diese ein Herzogtum-
unabhängig davon, wem die Ritter gehören. Außerdem können
natürlich beliebig Ritter auf den Nachbarparzellen dazugelegt werden
und so nicht nur das Herzogtum vergrößert, sondern auch die
Machtverhältnisse darin verändert werden. Den Herzog stellt natürlich
immer der, dem die meisten Ritter gehören. Wachsen zwei Herzogtümer
sehr aufeinander zu und verpassen es die Spieler, eine Bastei als Trennmarke
zu legen, können zwei Herzogtümer zu einem verwachsen, wenn auf
dem letzten freien Feld auch ein Ritter abgelegt wird. Dann erlischt das
schwächere Herzogtum, die Machtverhältnisse werden neu bestimmt.
Zu jedem Herzogtum gehören zwangsläufig Kirchen, Burgen und
Städte, die auf dem Plan eingezeichnet sind und den Wert des Herzogtums
bestimmen. Diesen Wert erhält der Herzog ausbezahlt wenn das Spiel
zu Ende ist oder wenn er - aha! - während des Spieles das Herzogtum
verliert. Da aber derjenige gewinnt, der am Schluß des Spieles das
meiste Geld hat, kann es durchaus von Vorteil sein, Herzogtümer zu
verlieren. Ich kenne jedenfalls noch keinen Fall, in dem ein Spieler gewonnen
hätte ohne ein Herzogtum zu verlieren, aber auch keinen, in dem es
genügt hätte, fast alle zu verlieren. Es kommt hier auf den guten
Mittelweg an, wie so oft.
Das Spiel ist sehr strategisch aufgebaut, und es macht Spaß, diabolische Pläne zu schmieden, Herzogtümer abzujagen und abgejagt zu bekommen. Etwas schwierig kann es sein, den Überblick zu behalten, aber auch davon profitiert das Spiel. Es dauert lange,das Spiel erklärt zu bekommen, aber dann ist es nicht kompliziert; und die Spielanleitung ist so ausführlich und mit vielen Beispielen geschrieben, daß es zwar länger dauert, sie zu lesen, aber dann hat man sie garantiert verstanden. Und das ist doch das Wichtigste!
Schade
ist, daß das Spiel fast 80 DM kostet. Sonst wäre es ein Spiel
für die ganze Familie, für Pfadis und älter, will sagen:
etwas älter als angegeben sollte man schon sein. Und man sollte Duelle
verlieren können (aber das ist ja hier nicht nur negativ) und brutal
sein können. Dann ist es ein sehr gutes, spielenswertes, ein fesselndes
und diabolisches Spiel!
'Rheinländer'- von Reiner Knizia
Erschienen bei Parker (Hasbro) 1999
Preis: 79 DM, für drei und fünf
Spieler ab zwölf Jahren.
Spieldauer: 60 Minuten.
Grafik: Franz Vohwinkel
Kurzkritik: Fesselndes, diabolisches Spiel.
(Michael Ziemons)