rezensionen
Ra
-von Reiner Knizia
Das
erscheint zunächst berechtigt, wenn man sich das erste Spiel, also
'Ra', genauer anschaut. Nicht nur Illustration und Design sind liebevoll
und aufwendig, farbenprächtig und Variantenreich; auch die Ausstattung
ist gut. 'Ra' ist ein Versteigerungsspiel: 180 kleine Kärtchen werden
versteigert, wenn ein Spieler eine Versteigerung wünscht, zufällig
eine Ra-Karte zieht oder eine bestimmte Menge Kärtchen aufgedeckt
sind. Dabei werden die aufgedeckten Kärtchen immer im Paket versteigert.
Das Spiel spielt über drei Epochen des alten
Ägypten, und die 180 Kärtchen bestehen aus verschiedenen Sorten,
und von jeder sollte man welche haben, wenn eine Epoche zu Ende geht und
der Bestand des Spielers bewertet wird. Das Besondere dabei ist: es gibt
nicht automatisch für jedes ersteigerte Plättchen Punkte, wie
wir das von anderen Spielen dieses Genres kennen.
Nil-Kärtchen zum Beispiel bringen nur Punkte,
wenn man auch ein Kärtchen mit einer fruchtbaren Überschwemmung
ersteigert hat; Zivilisationskärtchen bringen nur Punkte, wenn man
mindestens drei verschiedene hat, wer aber gar keines besitzt, muß
fünf Ruhmespunkte abgeben. Und so gibt es für jede der fünf
Sorten von Kärtchen andere Regeln, wann sie Punkte bringen bzw. Punkte
wegnehmen.
Gut
erdacht ist auch das Versteigerungssystem. Jeder Mitspieler hat Sonnen,
die unterschiedliche Werte haben. Damit kann er steigern. Die Sonne, die
den Zuschlag erhält, wird in die Mitte gelegt, und der Gewinner der
Versteigerung erhält als Ersatz die Sonne, die bis dahin in der Mitte
gelegen hat. Beim Steigern muß man also auch darauf achten, daß
man nicht immer seine hohen Sonnen gegen niedrige eintauscht, sonst hat
man in der nächsten Runde (Epoche, 'tschuldigung) ein großes
Problem...
'Ra' ist der schnelle Spaß am Stück. Das Spiel dauert nämlich nicht sehr lange und es ist tatsächlich das erste Versteigerungsspiel, das mir wirklich Spaß macht. Allen anderen fehlte immer irgendwas, aber 'Ra' ist schlicht perfekt. Je öfter man es spielt, desto interessanter wird es, weil man manche Elemente erst mal ausprobieren muß. Zum Beispiel das taktische Einsetzen des Ra-Rufes, also des Auslösens von Versteigerungen sollte man sich wirklich Antrainieren und viel austesten, denn das kann einen extremen Vorteil bedeuten. Da ein Spiel aber nie allzu lange dauert, kann man ohne Probleme schnell zum Profi werden. Sehr angenehm, mal ein Spiel zu haben, das nicht direkt Stunden dauert... Dieses Spiel ist absolut empfehlenswert.
Insidertips: Das Beherrschen des taktischen 'Ra'-Rufens kann
spielentscheidend sein. Man muß natürlich darauf achten, daß,
wer eine Versteigerung mutwillig auslöst, auch etwas bieten muß,
wenn das kein anderer tut. Ansonsten ist es sehr wichtig, geschickt Versteigerungen
auszulösen, wenn zum Beispiel klar ist, daß ein Mitspieler die
Reihe auf jeden Fall haben will/muß. Warum ihm dann die Reihe noch
mit Kärtchen volladen? Soll er doch so wenig wie möglich für
seine Sonne kriegen!
Außerdem ist wichtig, daß man wenn nur noch wenige Plätze
auf der Ra-Reihe frei sind, die Ansprüche an die Kärtchen-Reihe
senken sollte. Jederzeit kann die Epoche dann zu Ende sein, und da kann
es sich schon lohnen, wenn gar kein Plättchen, dafür aber eine
attraktive Sonne zu ergattern ist...
'Ra'- von Reiner Knizia
Erschienen bei Alea 1999
Preis: 59 DM, für drei bis fünf
Spieler ab zwölf Jahren.
Spieldauer: 45 - 60 Minuten, taktischer beim
Spiel zu zweit.
Grafik: Franz Vohwinkel
Kurzkritik: Das erste Versteigerungsspiel,
das rundum Spaß macht!
(Michael Ziemons)