rezensionenMississippi Queen – von Werner Hodel zurück
Die
Spielidee ist denkbar einfach. Auf dem Mississippi liefern sich die Schaufelraddampferkapitäne
ein Wettrennen. Wer erreicht als erster das Ziel?
Dabei weiß keiner, welche Windungen und Kurven der Flußverlauf
nimmt: er baut sich erst nach und nach auf. Die Idee zu dem Spielplan ist
also schon originell. Wer sich auf eine gerade Strecke nach rechts eingerichtet
hatte, muß nun plötzlich nach links- und trifft auf Inseln,
die es zu umschiffen gilt. Und dann sind da noch die lästigen Passagiere,
die unter großem Aufwand aufgenommen werden müssen. Leider geht
ohne sie nichts.
Jede Kurve, jedes abrupte Brems- oder Beschleunigungsmanöver kostet
Kohlen- und deren Vorrat ist begrenzt. Gewürfelt wird nicht. Die Geschwindigkeit
stellt jeder Kapitän selbst ein, wenn er am Zug ist: es gilt, gewisse
Regeln zu beachten, damit man nicht zu schnell seine Kohlen verfeuert hat
und auf der Strecke bleibt. Nachladen kann man nämlich im Grundspiel
nicht.
Das Spielkonzept ist wirklich nicht kompliziert. Mancher mag das als
angenehm empfinden. Ich für meinen Teil möchte „Mississippi Queen“
als etwas banal bezeichnen. Aufregung kommt kaum auf, und durch eine erstaunliche
Regel, die den ersten im Rennen bevorteilt, gibt es kaum Spannung. Andererseits
mal ein einfaches Spiel, das schnell zu begreifen ist. Die gute Anleitung
tut ein übriges: eine kurze Fahranleitung für die Schaufelraddampfer
ist sinnvoll und schnell absolviert, dann kann man losspielen und
hat doch, anders als bei manchem anderen Spiel, von Anfang an das Gefühl,
das Spiel begriffen zu haben. Es eignet sich daher auch gut für jüngere
Spieler, die keine Lust mehr auf Kleinkinderspielchen haben, oder für
eine Runde zu später Stunde, wenn alle schon nicht mehr zu viel gedanklicher
Anstrengung fähig sind. Kurzweilig ist das Spiel dann auf alle Fälle,
und es dauert auch nicht ewig. Auch für Familien, die mit den jüngeren
Familienmitgliedern spielen wollen, ist Werner Hodels Entwicklung geeignet.
Spiel des Jahres 1997 wurde „Mississippi Queen“, und ein weiterer Titel
landete damit bei Goldsieber, einem der erfolgreichsten deutschen Kleinverlage
in der Spieleszene, die es immer wieder schaffen, den Branchenriesen hier
und da ein Schnippchen zu schlagen. Taktiker hätten diesen Preis lieber
bei „Löwenherz“ gesehen- aber es
sollte wohl nicht wieder ein Teuber sein. Es erstaunte mich besonders,
beim Mattel-Verlag ein verblüffend ähnliches Spiel älteren
Erscheinungsdatums zu entdecken: es nennt sich "Mississippi" und ist vom
Spielkonzept ziemlich gleich. Ist Mississippi Queen nur ein Remake? Das
wäre nicht nötig gewesen...
Vielleicht verleiht die Erweiterung „The Black Rose“, die vor kurzem
erschienen ist, dem Spiel etwas mehr taktischen Feinschliff und Abwechslung.
Die Kurzbeschreibung des Verlages läßt solches vermuten, mehr
Varianten kommen in das Fahrgeschehen, z.B. Sandbänke und Piraten,
und endlich kann man auch seinen Kohlevorrat erweitern. Außerdem
wird das Spiel zu zweit und sechst möglich.
Schiff ahoi!
Mississippi
Queen - von Werner Hodel
Erschienen bei Goldsieber 1997
Preis: ca. 50 DM, für drei bis sechs
Spieler ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 40 Minuten
Spiel des Jahres 1997
Kurzkritik: Etwas langweilig, aber nicht schlecht
Die Erweiterung „The black Rose“ ermöglicht
das Spiel auch zu
zweit und sechst, verlängert das Spiel
jedoch unter Umständen.
(Michael Ziemons)