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Spiele   rezensionen

DPSG... letztmalig aktualisiert am 8. 2. 99!!

Minister - von Rudi Hoffmann                                                                                                    zurück

Montag, 8.2.'99. Ein Tag nach der Landtagswahl in Hessen. Zum zweiten Mal nach dem 27. September hat sich die politische Landschaft in Deutschland verändert. Jetzt gibt es die ganz große Koalition: rot-grün im Bund, schwarz im Bundesrat, einer beispiellosen ausländerfeindlichen Hetzkampagne der CDU sei Dank. Langsam beginne ich, mich mit dem Spielkonzept von "Minister" anzufreunden: jeder regiert irgendwie, irgendwo ein bischen mit, und ein paar Pressetermine können spielentscheidend sein. Ein Schuft, der Paralellen ziehen wollte...

Minister - von Rudi HoffmannKanzler werden ist nicht schwer, Kanzler bleiben umso mehr. So lautet ganz kurz formuliert das Spielkonzept. Es geht darum, den Kanzlerthron zu erobern, mit aller Macht: auch das kommt mir so bekannt vor? Es hilft jedoch garnichts, an irgendwelchen Zäunen zu rütteln und Parolen zu schreien: nur wer die meisten Minister ins Kabinett bringt, darf den Kanzler stellen. Wer dies auch am Spielende noch tut, der hat gewonnen!
Mit seinen Parteigängern (Spielfiguren) läuft man auf der Laufbahnleiste voran. Am wichtigsten hier: die Pressetermin- und Meinungsmacherfelder. Wie die Figuren auf der Leiste fortbewegt werden, bleibt beim ersten Lesen der etwas unklaren Spielanleitung unklar. Nach zweitem und dritten Lesen erweist sich das Konzept als sehr erstaunlich. Hat man nun einen Pressetermin oder ein Meinungsmacherfeld ergattert, entscheidet das Würfelglück, ob und wieviele Minister man denn nun neu ins Kabinett ziehen (und dort eventuell andere Minister zum Rücktritt zwingen) darf. Natürlich hält das Spielfeld auch Fettnäpfchen parat. Hier muß man aussitzen, ach nein, aussetzen natürlich!
Bei jedem Zug rückt unaufhörlich ein Zählstein auf der Zeitleiste in Richtung Wahltag. Ist dieser erreicht, heißt das: deadline, das Spiel ist beendet. Gewonnen hat derjenige, der nun am meisten Minister und damit den Kanzler stellt.

Die Story ist sehr originell und gut umgesetzt. Die Spielfiguren sind in vier Farben (schwarz, gelb, rot und grün) realitätsnah gestaltet, die Ministerposten leider etwas albern und peinlich benannt (Bundesverteidigungs- und Bundesangriffsminister, haben wir gelacht). Ganz neu ist das Spiel auch nicht, aber es macht Spaß. Es ist ein böses Spiel, die zivilisierte Form des Chaos-Klassikers "Junta". Auch hier kann man hemmungslos paktieren, anderen Spielern die Minister aus dem Kabinett treiben und hemmungslos koalieren. Nur wer dabei konsequent an sich denkt, kann letztlich gewinnen.

Bis auf zwei, drei Schwächen (Spielanleitung, Zugkonzept, Kabinettsnamen) ist das Spiel sehr originell und durchaus gelungen. Die Einordnung der Jury "Spiel des Jahres" trifft es hier einmal genau: es gehört in die enge Auswahlliste der besten Spiele 1998. Nicht mehr- aber auch nicht weniger. Wer Interesse an einem Spiel hat, das Taktik mit sehr viel Glück verbindet, wer sich ein bischen für Politik interessiert und kabarettistisches Gespür hat, wer einfach mal wieder gemein sein möchte beim Spielen (rauszuwerfen gibt es hier genug), der ist mit "Minister" gut bedient.

Der kleine Verlag TM legt hier das erste Spiel vor, und schafft es gleich, etwas bekannter zu werden. Man darf weiter gespannt sein.

Minister - von Rudi Hoffmann
Erschienen bei TM Spiele 1998
Preis: ca. 39,90 DM
für drei bis vier Spieler ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 60 Minuten
Kurzkritik: Jeder sägt an jedermanns Stuhl und kämpft um den Platz an der Sonne!
(Michael Ziemons)

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