rezensionenLöwenherz- von Klaus
Teuber!
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"Der König liegt im Sterben... Beim Kampf um seine Nachfolge bedienen
sich die Fürsten des Reiches machtvoller Burgen und Ritter. Geschickt
stecken sie ihre Hoheitsgebiete ab und versuchen so, sich einen möglichst
großen Teil des Reiches zu sichern. Ständig müssen sie
Entscheidungen treffen. Sollen sie ein neues Grenzstück setzen oder
besser einen weiteren Ritter? Oder sollen sie ihre Gebiete auf Kosten anderer
erweitern? Wenn zwei das Gleiche wollen, muß verhandelt werden...
Wer sich dabei am besten behauptet und am Schluß die wertvollsten
Gebiete geschaffen hat, wird der neue König - mit dem Ehrentitel 'Löwenherz'!"
So
preist der Goldsieber Spieleverlag dieses wirklich königlich gute
Spiel an. Auf dem variablen Spielplan (so kommt auch beim tausendsten Spiel
keine Langeweile auf) muß man gegeneinander antreten- um das größte
und wertvollste Königreich zu gründen. Je mehr Spieler sich auf
dem Spielfeld tummeln, desto wechselvoller ist das Spiel- denn bald kann
man seine Macht nur noch vergrößern, indem man anderen Gebiete
abjagt. Aber auch zu zweit kann das Spiel zu einem Nervenkrieg werden-
wenn alles verhandeln nichts nützt und man sich duellieren muß...
Am Anfang setzt jeder Spieler Burgen auf den Spielplan. Darum muß
man sein Königreich gründen. in jedem Zug bekommt man verschiedene
Angebote, was man tun könnte: Grenzen um seine Burg ziehen, um das
Gebiet zu gründen, Ritter setzen, um es zu sichern oder ein Gebiet
zu erweitern, oder Geld ziehen, um bei Duellen die besseren Karten zu haben,
oder Politikkarten ziehen, um Sonderaktionen wie Überläufer oder
Bündnisse usw. ausspielen zu können. Das perfide dabei- nicht
nur der Spieler, der dran ist, darf eine der Möglichkeiten ausführen-
jeder Spieler muß sich für eine Aktion entscheiden und diese
verdeckt wählen. Dann wird aufgedeckt- und wenn mehrere Spieler die
gleiche Aktion gewählt haben, kommt es zuerst zu Verhandlungen, dann
zum Duell.
Dann erst werden die Aktionen ausgeführt. So verändert sich
in jeder Runde das Machtgefüge neu. Und natürlich kann man seine
Macht auch jederzeit verlieren...
Bei diesem Spiel ist der Glücksfaktor wirklich fast ausgeschaltet. Ausschließlich die beste Taktik- und das beste Verhandlungsgeschick zählen hier. Natürlich muß man auch gut einschätzen können, welche Aktuionen der Gegner im Schilde führt und was er dafür einsetzen kann. Langweilig wird es auch zu zweit nicht. Wer bluffen kann, ein Stratege ist und intelligente Spiele liebt, ist hier richtig.
Das
Spiel ist nichts für Leute, die sich nicht entscheiden können.
Ständig muß hier abgewägt und möglichst die beste
Strategie verfolgt werden. Klaus Teuber, der meiner Ansicht nach beste
Spieleautor weit und breit, hat hier nach dem Über-Spiel "Die
Siedler von Catan" (1995) (DER Mega-Knüller des Jahrzehnts) und
dem stark glücksabhängigen "Entdecker"
(1996) das dritte Spiel einer Trilogie vorgelegt, in der er sich mit Kulturen,
deren Gründung und Entwicklung beschäftigt.
Gut auch die Art der Spielanleitung. Zweigeteilt in eine Kurzübersichtstafel
und eine ausführliche Anleitung, ist sie für jeden veständlich.
Das ist nicht immer so bei geteilten Anleitungen, wie sie neuerdings in
Mode sind. Das Probespiel gerät jedoch eher zur Farce- dafür
extra den ansonsten gut gemalten Spielplan mit Buchstaben zu verunstalten,
war nicht so perfekt.
Warum "Löwenherz" zwar den Deutschen Spielepreis 1997 klar und
verdient gewann, es bei dem Kritikerpreis "Spiel des Jahres" nur auf die
Auswahlliste schaffte, bleibt ein großes Geheimnis, zumal Spiel des
Jahres 1997 das eher langweilige Spiel "Mississippi
Queen" wurde. Wahrscheinlich gönnte man Klaus Teuber die begehrte
Lorbeer-Trophäe nicht zum fünften Mal. Verdient hätte er
sie.
Insidertips: Beim Ausspielen der Entscheidungskarten
empfiehlt es sich, daß jeder Spieler seine gewählte Karte verdeckt
hält und alle gleichzeitig die gewählte Karte aufdecken. Das
erhöht die Spannung und bringt mehr Duelle. Bei den taktischen Überlegungen,
welche Karte man ausspielen möchte, muß man immer genau überlegen,
was der Gegner wohl tuen wird. Das macht das Spiel noch interessanter.
Außerdem ist nicht einzusehen, warum ein neutrales Gebiet,
das entsteht, wenn ein Spieler in das Gebiet des Gegners erweitert hat,
nach der Gebietsgründungskarte abgezogen werden soll. Besser und oftmals
gerechter (bei kleinen neutralen Gebieten) ist es, das Gebiet nach der
Erweiterungsregel (ein Feld= 1 Machtpunkt) abzuziehen.
'Löwenherz'-
von Klaus Teuber
Erschienen bei Goldsieber 1997
Preis: 59 DM, für zwei bis vier Spieler
ab zwölf Jahren.
Spieldauer: 60 - 90 Minuten, sehr gut auch
beim Spiel zu zweit.
Prämiert mit dem Deutschen Spielepreis
1997
Kurzkritik: Absolut empfehlenswert!
(Michael Ziemons)