rezensionen
Krieg
und Frieden - von Gerard Mulder
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Der kleine Verlag TM legt hier das erste Spiel vor, das wirklich gut ist und das man unbedingt gespielt haben sollte. Die Negativa gleich vorweg: das Spiel ist unheimlich kompliziert gemacht, bzw. durch die Anleitung wird es unnötig verkompliziert. Was soll es, zuerst Jahreszeiten einzuführen, um gleich darauf hinzuweisen, daß sie teilweise überflüssig sind? Tatsächlich wird der ganze Schnickschnack um Herbst und Winter bald keine Rolle mehr spielen. Stattdessen steht Zocken im Vordergrund, und zwar nicht einfach so und ganz banal, sondern höchst originell und abwechslungsreich.
Kurz gesagt geht es darum, eine Kathedrale zu bauen und dafür Punkte
zu ergattern. Man hält vier verschiedene Sorten Karten auf der Hand:
Schilder, Kelche, Getreide oder Werkzeuge. Wieviel diese Karten nun gerade
wert sind, hängt ganz davon ab, ob in der laufenden Runde nun gerade
eine Hungersnot herrscht, Krieg, Aufruhr oder Steuererhebung. Das darf
festlegen, wer sich das Recht dazu ersteigert hat, ebenfalls mit den zuerst
erwähnten Karten, von denen man natürlich noch genug behalten
muß, um anschließend damit produktiv tätig zu werden.
Zugleich darf der Sieger des Steigerns auch festlegen, ob im nächsten
Zug ein Teil der Kathedrale weitergebaut wird oder ob ein Privileg verteilt
wird.
Besonders klasse ist der Schachzug "Gnade des Königs". Wer scheinbar
besonders schlecht dasteht, kann um Gnade winseln, und erhält diese
automatisch, d.h. er darf einem besonders reichen Spieler die Hälfte
der Karten klauen....
Das
ganze Spiel hier darzustellen wäre unmöglich. Hat man es einmal
begriffen, geht es ganz einfach, aber man sollte es regelmäßig
spielen, um nicht bald alles vergessen zu haben. "Krieg und Frieden ist
nur etwas für Leute, die sich gerne auch in komplexe Spielzusammenhänge
hineindenken, die taktische Spiele lieben (Glück ist hier kaum im
Spiel) und die gerne zocken ("No risk - no Fun!"). Wer diese Attribute
auf sich vereinigt, wird mit diesem Spiel höllisch viel Spaß
haben. Es fesselt, ist spannend bis zum letzten Moment, denn schließlich
kann man von ganz unten schnell wieder ganz hoch kommen (um Gnade bitten).
So ´kommt nie Langeweile auf. Die einzelnen Runden dauern nicht lange,
so daß eigentlich immer Bewegung im Spiel ist. Und dank des Facettenreichtums
und der Komplexität ist immer was zu tun...
Das richtige Spiel für Spielefreaks, für Denker, für Fans des komplexen taktischen Brettspiels. Ein Meisterwerk!
Krieg und Frieden - von Gerard Mulder
Erschienen bei TM Spiele 1999
Preis: ca. 49,90 DM
für drei bis vier Spieler ab 12 Jahren
Spieldauer: ca. 60 - 90 Minuten
Kurzkritik: Wenn man es verstanden hat, macht
es unheimlich viel Spaß!
(Michael Ziemons)