rezensionen
Euphrat
& Tigris - von Reiner Knizia
zurück
Viel
zu spät widme ich mich einem Spiel, das ich persönlich total
klasse finde und das wir in unserer Spielerunde mit großer Begeisterung
spielen. Mit Euphrat & Tigris prämierte der Deutsche Spielepreis
wieder einmal zu recht ein hervorragendes Spiel und verteidigte damit seinen
guten Ruf!
Versetzen wir uns ins alte Ägypten. Wer
Pharao werden will, muß alle vier Klassen des Systems hinter
sich haben: verloren hat daher am Ende der Spieler, der in der Klasse,
in der er die wenigsten Siegpunkte gesammelt hat, den geringsten Betrag
aufzuweisen hat.
Es
geht also um Siegpunkte, in den vier Schichten der ägyptischen Gesellschaft:
König, Priester, Händler, Bauern. Für jede dieser vier Gruppen
haben wir einen König, die anderen Spieler aber auch: und in jedem
Königreich kann natürlich nur pro Kaste ein König abkassieren.
Königreiche bestehen aus "Zivilisationsplättchen" in den vier
Gruppen, die senk- oder waagerecht nebeneinander gelegt werden. Legt man
ein grünes Plättchen (Händler) an ein Gebiet mit einem grünen
König, erhält der Besitzer dieses Königs einen grünen
Machtstein. So einfach wäre das.
Aber dann können sich ja Königreiche
verbinden, und dann müssen eventuell zwei grüne Könige miteinander
kämpfen. Auch kann ein anderer Mitspieler von außen
eine
feindliche Übernahme versuchen. Und dann gibt es da noch Monumente,
die regelmäßig am Ende eines Zuges Siegpunkte sichern, und neutrale
Punkte, die bei der Endabrechnung beliebig eingesetzt werden können...
Jede Runde dürfen entweder zwei von fünf
möglichen neue Plättchen auf das Spielfeld gelegt, alle fünf
Plättchen bei der Bank ungetauscht, ein König neu ein- oder versetzt
werden. Katastrophenplättchen vermiesen dem Gegner den Zug und bringen
zusätzlich Würze in das Spiel, welches so zu einem herrlichen
Geschacher wird. Das Spiel kann natürlich Freundschaften zerstören,
und die Spieler müssen den Krieg lieben und Schlachten verlieren können;
doch wer das Spiel gewinnen möchte, muß genau darauf achten,
wo es sich lohnt, zu kämpfen und wo nicht. Schließlich bringen
einem Unmengen blauer Siegpunkte gar nichts, wenn man eine der drei anderen
Sorten gnadenlos vernachlässigt. Dann hat man schon sicher verloren.
Wie gesagt, ein herrlich böses, unendlich
spannendes, strategisches und abwechslungsreiches Spiel. Die Regeln sind
gut erklärt und leicht verständlich, das Material gut und ansprechend
gestaltet.Nur wer wirklich nicht verlieren kann, sollte die Finger davon
lassen, für alle anderen ist es ein Muß im Spieleschrank.
Euphrat & Tigris- von Reiner Knizia
Erschienen bei Hans im Glück 1998
Preis: 69 DM, für zwei bis vier Spieler
ab zwölf Jahren.
Spieldauer: 90 Minuten.
Grafik: Doris Matthäus
Kurzkritik: Ein sehr schönes, kurzes,
unkompliziertes, spannendes Spiel.
(Michael Ziemons)