rezensionenEdison & Co - von Günter
Burkhardt
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Zunächst mal müssen einige Illusionen, die der Titel vielleicht
geweckt haben mag, zerstört werden: zu erfinden gibt es hier nichts.
Der vermeintliche Wettkampf um die besten originellsten, innovativsten
Erneuerungen, er ist längst gelaufen. Dennoch geht ein Ruck durch
das Spiel. Daher ist das Spiel nicht nur für Bundespräsidenten,
sondern für alle geeignet, die es spannend und taktisch zugleich mögen.
Originell
ist das Konzept nicht. Wer "Heimlich & Co" kennt, wird sich heimisch
fühlen. Es geht um ein Rennen, bei dem keiner weiß, welche Figuren
der Gegner zieht. Anders als bei dem Agentenspiel, bei dem jeder heimlich
nur eine Figur zu ziehen hatte, ist hier für jeden Spieler jede Figur
interessant, allerdings nicht gleich wichtig. Auf einem Rundkurs müssen
die Erfinder ihre lustigen Gefährte ziehen, und dabei auf möglichst
wertvollen Feldern landen (und nicht etwa auf Ölfeldern oder dergleichen).
Wie sich ein Gefährt fortbewegt, ist dabei aber nur bedingt kalkulierbar:
es gehören drei Karten zusammen, damit die Figur ziehen kann. Jeder
Spieler kann nur eine davon legen, er begibt sich daher immer in die Gefahr,
daß der nächste Spieler etwas ganz anderes aus der gelegten
Karte macht, als man selber wollte. Ein Spieler wählt zwei der vier
Gefährte aus, der nächste entscheidet über die Anzahl der
Felder, die eines der beiden ziehen kann, der nächste gibt eine Richtung
(vorwärts oder rückwärts) vor. Dann erst entscheidet der
letzte über dasjenige der beiden Fahrzeuge, das nun also so ziehen
darf. Dieses Konzept öffnet Tür und Tor für Spekulationen,
denn es wird "ouvert", also mit offenen Karten gespielt. Jeder weiß,
welche Karten der andere drückt, noch auf der Hand hält, und
kann wild drauflosphantasieren, was er wohl damit machen will.
Das Spiel ist gut durchdacht und verlangt zwar taktische Überlegung, läßt aber eine Menge Raum für Spontanität, denn ständig muß man umplanen, je nachdem, in welche Richtung der Gegner die Bewegung einer Figur lenken will. Und man ist nie sicher, daß man für die Karte, die man gelegt hat, auch das bekommt, was draufsteht. Das ist nicht chaotisch, wie es sich jetzt vielleicht anhört: das ist spannend und hochspekulativ.
Die
wichtigste Regel in diesem Spiel ist Murphys Gesetz: Allles was schief
gehen kann, geht meistens auch schief, wenn der Gegner eine Möglichkeit
hat, Dir einen Strich durch die Rechnung zu machen, wird er dies- bewußt
oder unbewußt- mit Sicherheit auch tun. Dennoch fehlt diese wichtige
Regel in der umfangreichen Spielanleitung. Das Spiel setzt sich aus
vielen Komponenten zusammen, Spielplan mit Variablen Feldern, mehrere verschiedene
Arten Karten, ein Wertungsplan... alle wollen erklärt werden und das
dauert Zeit. Bevor es zum ersten Spiel kommt, dauert es also ein bißchen,
obwohl die Regel nicht kompliziert oder unverständlich ist, sie ist
recht gut und bietet, das ist besonders interessant, eigene Kapitel für
das Spiel zu zweit, dritt oder viert, die Regel wird der Anzahl der Spieler
immer angepaßt, so daß das Spiel in jeder Zahl (also auch zu
zweit) interessant ist. Leider ist bei vier Spielern Sense, mehr geht nicht.
Schön ist die liebevolle grafische Gestaltung des Spielplanes,
wieder mal ein echter Vohwinkel. Der Name des Grafikers Franz Vohwinkel
bürgt einfach für Qualität. Die Spielfiguren sind aus Metall
gestaltet, also sehr schön: schade nur, daß sie so einfarbig
sind, was Laien des Spieles die Unterscheidung schwierig macht. Denn auf
den Karten ist jeder Figur eine Farbe zugeordnet. Es wäre besser gewesen,
diese hätte sich irgendwie auf der Figur wiedergefunden. Auch wenn
die Story das Spiel manchmal zu erschlagen scheint, das Spiel ist gut gemacht
und es macht Spaß, es zu spielen. Alle zusammen, und doch jeder für
sich, und keiner weiß, wie der Zug letztlich aussehen wird, auch
wenn er selber daran Anteil hatte: das sind die Faktoren, die das Spiel
spannend, spekulativ und dadurch interessant machen.
'Edison & Co'- von Günter Burkhardt
Erschienen bei Goldsieber 1998
Preis: 59 DM, für zwei bis vier Spieler
ab zwölf Jahren.
Spieldauer: je nach Mitspielerzahl zwischen
30 und 60 Minuten.
Kurzkritik: Spannend: jeder gegen jeden und
doch alle gemeinsam!
(Michael Ziemons)