rezensionenCarabande - von Jean du Poel zurück
Eigentlich hat Jean du Poel einen eigenen kleinen Spieleverlag, und
beschäftigt sich hauptsächlich mit historischen Spielen. Berühmt
ist er damit bislang noch nicht geworden, was aber vielleicht ein Qualitätsmerkmal
ist.
Für "Carabande" hat er sich einen großen Verlag gesucht,
vielleicht wegen der hohen Produktionskosten. In jedem Fall ist ihm damit
ein ganz großer Wurf gelungen: mit einem denkbar einfachen Konzept
hat er ein Spiel geschaffen, daß in jedes Jugendheim, jedes Pfarrzentrum,
jedes Stammeshaus gehört.
"Formel 1 mit Fingerspitzengefühl", der Untertitel reicht als Beschreibung
schon völlig aus. Das Spiel findet auf einer Miniatur-Formel 1-Strecke
aus Holzplatten statt, die an die Carrera-Bahnen aus frühen Kindertagen
erinnert. Wichtig dabei: jede Platte hat immer nur eine Bande - auf welcher
Seite, entscheiden die Spieler selbst und bestimmen so über die Schwierigkeit
ihres Spiels. Die einzelnen Holzelemente sind völlig kompatibel und
so kann der Verlauf der Bahn ständig verändert werden.
Nun
geht es los: am Start sind kleine Runde Holzscheibchen, die die "Rennfahrer"
mittels Fingerschnipsen vorwärts bringen müssen. Allerdings:
die Scheiben dürfen die Bahn natürlich nie verlassen, und sich
auch nicht auf den Kopf drehen. Dann ist aussetzen angesagt, und die anderen
Scheiben flitzen davon - vielleicht...
Die Erweiterung, das "Action-Set" bringt zusätzliche Komplikationen:
mittels einer Sprungschanze muß ein Teil der Strecke übersprungen
weden (höllisch schwer), eine Platte bringt eine Fahrbahnverengung
und eine hat eine gemeine Bande, die das "Auto" quasi automatisch von der
Bahn drängt.
Schön dabei: mit dem Action-Set ist wohl die erste und letzte
Erweiterung gekommen. Stattdessen gibt es Tips, sich das Rennfahrerleben
selber schwer zu machen: aus der Minigolf-Erfahrung und mit etwas Einfallsreichtum
lassen sich ganz prima eigene Hindernisse zusammenbauen...
Zwei Nachteile hat das Spiel: sehr schnell tun einem vom Schnipsen aufs harte Holz die Finger weh. Wer ständig spielt bekommt garantiert eine böse Hornhaut, oder blaue Fingernägel. Lohnt sich aber! Schade ist der hohe Preis für das Spiel, der sich allerdings durch die Materialkosten erklärt: immerhin sind alle Platten aus hochwertigem Holzmaterial und fein gesägt, so daß sie gut ineinander passen und nicht wackeln.
Es macht eine Menge Spaß, dieses Spiel zu spielen, besonders in
einer Gruppe, um einen Tisch herum zu laufen und mit den Holzscheiben um
die Wette zu flitschen. Der Sonderpreis Geschicklichkeitsspiel, den die
Jury Spiel des Jahres 1996 verliehen hat, ist absolut berechtigt; "Carabande"
gehört in jeden Gruppenraum, in dem Fun, Spaß und Action gebraucht
werden.
Carabande
- von Jean Du Poel
Erschienen bei Goldsieber 1996
Preis: ca. 79,90 DM
für das Action-Set 29,90 DM
für zwei bis acht Spieler ab 7 Jahren
Spieldauer: ca. 30-40 Minuten, zu zweit 20
Minuten.
Spiel des Jahres 1996 - Sonderpreis Geschicklichkeitsspiel
Kurzkritik: Eine Riesengaudi.
(Michael Ziemons)
zurück