rezensionenCapone - von Mark Caines zurück
Ehrlich währt am längsten! Das ist der Satz von jemand, der
es nicht mehr nötig hat, unehrlich zu sein. Und nur darum geht es
in "Capone". Sein Startkapital (in der schönen Währung 'Riesen')
muß jeder zuerst in illegale Geschäfte investieren, um Gewinn
zu machen- und das ist natürlich riskant. Die Mitspieler könnten
dir zum Beispiel ein "Angebot, das man nicht ablehnen kann" machen- mit
vorgehaltener Knarre natürlich- und schon ist ein Teil Deiner Familie
um die Ecke gebracht. Natürlich können sie auch im Knast landen-
und, und, und...
Das mühsam erwirtschaftete Geld kann dann in legale Geschäfte
investiert (gewaschen) werden. Wer so eine Million verdient, der hat gewonnen
und kann die Nachfolge von Al Capone antreten...
Jeder Spieler verwaltet einen Mafia-Clan: die Familie Zappajone, den
Kaputtschino-Clan, vielleicht die Vinorosso-Sippe oder die Familie Mascapone.
Jeder Familie gehörten acht Familienmitglider an: vom Don üder
die Mama und den Winkeladvokaten bis zum Novizen. Dazu kommen acht Bodyguards.
Diese sechzehn Spielsteine mit unterschiedlichem Wert muß jeder Spieler
nun auf verschiedene illegale Geschäfte verteilen, die auf dem Spielplan
verzeichnet sind. Dabei darf er nur in jene Geschäfte investieren,
von denen er eine Spielkarte in der Hand hält. Diese Spielkarten werden
regelmäßig ausgeteilt. Dabei können sie entweder Geschäftskarten
sein, die dazu berechtigen, in ein Geschäft zu investieren, oder es
können Aktionskarten sein, die dem Gegner schaden, Schutzgeld etwa
oder das berühmte "Angebot, das man nicht ablehnen kann". Natürlich
gibt es von jedem Geschäft mehrere Geschäftskarten, so daß
es schon bald zu wilden Bandenkriegen kommt und der Clan nach und nach
kleiner wird. Dafür nimmt das Bankkonto zu...
Dieses
Spiel wird von zwei Extremen bestimmt: zum einen, und damit zuerst das
außergewöhnlich positive, von einem gut umgesetzten Spielkonzept.
Die Story wirkt nicht aufgesetzt, sondern wird liebevoll bis ins Detail
verwirklicht. Daran beteiligt ist sicher auch der bekannte Spiele-Illustrator
Franz Vohwinkel, dessen Illustrationen einem Spiel enormen zusätzlichen
Reiz verschaffen. Besonders klasse sind die Familienphotos, auf denen die
Familien vorgestellt werden: jedes Mitglied hat einen eigenen Namen, nicht
etwa nur den Titel. So gibt es Ma Miracoli, Ma Baker, Ma Donna, Ma Le Fitz
und Ma Tahari, Es gibt Caramba-Carlo und Fred die Flasche, es gibt Mackie
Messer und Monaco Francis.
Schon das macht unheimlich Spaß, dieses Spiel zu spielen. Jedes
Detail stimmt. Das Spiel ist taktisch angelegt, birgt aber trotzdem genug
Überraschungen und Unwägbarkeiten, so daß es nicht zu einem
einzigen Grübeln verkommt. Man muß etwas riskieren und wagen
können, darf aber nicht leichtsinnig sein- wie ein echter Don eben.
Leider, und da kommen wir zum anderen Extrem, hat das Spiel eine unglaublich
schlechte Spielanleitung, die selbst für Spieleprofis schwer zu durchschauen
ist. Ständig geht sie sehr durcheinander, springt hin und her und
wehe, man sucht etwas. Der Amigo-Verlag hat offenbar schon einmal versucht,
die Sache einfacher zu machen und ein einfaches DIN-A-4 Blatt dazugelegt,
als Kurzanleitung- und so wird alles nur noch schlimmer. Dabei weiß
der Amigo-Verlag, wie man eine ordentliche Spielanleitung schreibt- siehe
Elfenland, das einfach hervorragend erklärt wird und doch komplizierter
ist. Hier wäre noch einiges an "Capone" zu verbesern.
Schön ist das Inlet des Spielkartons. Es ist aus festem Karton
statt aus Plastik und ohne Probleme sehr gut als Bank während des
Spiels zu verwenden. Wer das tun will, (Achtung: Insidertip!) braucht
nur ein Tesa-Film zu nehmen und die Mittelkonsole so festzukleben, das
sie nicht nach oben rutschen kann und eine wirkliche Trennung darstellt.
Ein wirklich schönes Spiel, mit viel Liebe gestaltet. Schade, das eine so schlechte Spielanleitung es vergällt. Außerdem: es gibt leider keine Ersatz-bodyguards, obwohl die kleinen Holzsteinchen schnell verlorengehen und doch nix kosten. Dasselbe Problem wie bei "Elfenland"- hier muß sich der Amigo-Verlag noch verbessern. Ansonsten: Hut ab. Dieses Spiel hat seinen 2. Platz beim Deutschen Spielepreis wohlverdient.
Capone- von Mark Caines
Erschienen im Amigo-Verlag 1994
Preis: ca. 49,90 DM
für drei bis sechs Spieler ab 14 Jahren
Spieldauer: ca. 60 Minuten
2. Platz Deutscher Spielepreis 1994
Kurzkritik: Sehr gut, wenn man es erst einmal
kann!
(Michael Ziemons)
zurück