rezensionen
Café International
- von Rudi Hoffmann
Zehn Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen hat dieser Klassiker zum
zweiten Mal den Verlag gewechselt und zum dritten Mal ein neues Outfit
erhalten. An den Regeln und am Spielgeschehen wurde natürlich nichts
geändert. So darf sich Café International auch bei Amigo mit
dem Titel "Spiel des Jahres 1989" schmücken, und es ist und bleibt
das gute alte Spiel, wie ich es schon als Kind geliebt und gerne gespielt
habe.
Es geht, kurz gesagt, ums Kärtchenlegen. Auf denen sind männliche
oder weibliche Figuren verschiedener Nationalitäten abgebildet, und
diese müssen nun an die entsprechenden Tische ihrer Nation gesetzt
werden. Für dieses Ablegen gibt es Punkte. Vertrackt nur, daß
es bestimmte Regeln gibt: so muß immer auf die Ausgewogenheit der
Geschlechter geachtet werden. Und dann gibt es da dummerweise noch Stühle,
die zwischen zwei Tischen stehen und daher von zwei Nationen beansprucht
werden können.
Wer möglichst geschickt setzt (pro Zug ein oder zwei Kärtchen)
kann dabei viele Punte sammeln. Man hat eine Auswahl Kärtchen auf
der Hand und zieht nach. Manchmal ist es also geschickt, mit dem Ablegen
etwas zu warten- aber wer zu lange wartet, findet womöglich keinen
Platz mehr. Dann muß der Gast (das Kärtchen) leider an die Bar
gesetzt werden, und dafür gibt es nur anfangs Punkte; später
kann das ganz schön teuer werden, je später man setzt, um so
teurer.
Das
Spiel hat also alles, was das Spielerherz begehrt. Glück (welche Kärtchen
ziehe ich aus dem Vorrat) und Taktik (wann lege ich sie möglichst
geschickt auf den Plan), und natürlich auch genügend Konkurrenz.
Das spiel macht einfach Spaß und ist einfach und ergreifend völlig
zu Recht ein Klassiker unter den Spielen des Jahres. Man darf allerdings
das Spiel nicht pädagogisch überhöhen wollen. Es ist, gottseidank,
eben nur ein gut gemachtes Brettspiel und keine Erziehungshilfe für
die Multikultigesellschaft. Denn weil es besonders schwer und risikoreich
ist, gibt es für Tische mit Kärtchen aus nur einer Nation natürlich
auch viel mehr Punkte. Und eine Sonderregel erlaubt sogar monogeschlechtliche
Tische und gibt dafür völlig zu Recht hohe Punktzahlen. Denn
wie gesagt, hier handelt es sich um ein gut gemachts Brettspiel, und das
folgt den logischen Regeln von Risiko und Verdienst, und nicht der pädagogischen
political correctness. Deshalb brauchen wir uns auch nicht über die
klischeehafte Gestaltung der Kärtchen (der Deutsche als Bayer mit
blauweißem Rautenhemd etc.) aufzuregen.
Wichtig ist, daß wir es hier mit einem Spiel zu tun haben, das sehr viel Spaß macht, und das in jedes gutsortierte Spieleregal gehört. Auch noch nach zehn Jahren.
Café
International - von Rudi Hoffmann
Erschienen im Amigo-Verlag 1999
Preis: ca. 49,95 DM
für zwei bis vier Spieler ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Grafik: Oliver Freudenreich nach Motiven des
Autors
"Spiel des Jahres 1989"
Kurzkritik: Völlig zu Recht ein Klassiker!
(Michael Ziemons)
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