rezensionen
Anno 1452 - von Gerhard E.
Kodys
Ein opulentes Spiel erschien 1999 im österreichischen Traditionsverlag
Piatnik. Dem Trend der letzten Jahre entsprechend geht es einmal mehr um
ein mittelalterliches Thema: wir sind aufgefordert, Geld, Macht und Ansehen
zu erlangen. Dazu bietet das Spiel in jedem Zug vielfältige Möglichkeiten.
Die Anleitung zu studieren und zu verstehen ist daher sehr langatmig
und kompliziert. Wahrscheinlich versteht man es erst nach ein paar Spielen
so richtig, alle Zugmöglichkeiten voll auszunutzen, anstatt zum Beispiel
immer nur zu heiraten – das ist nämlich praktischerweise in jeder
Runde neu möglich.
Hat man sich endlich hindurchgekämpft, ist die komplizierte Spielregel
dann nicht mal ausreichend. Sie steckt nämlich voller Unausgegorenheiten.
Man hätte das Spiel ein paar mal mehr spielen sollen, bevor man es
veröffentlichte: es hat nämlich tatsächlich ein paar gute
Ideen und könnte durchaus Spaß machen, gerade wegen
seines
Facettenreichtums, und den vielen Aktionskarten, die unzählige ideenreiche
Möglichkeiten bieten.
Aber dann sind da immer diese Fehler: gleich beim ersten Spiel passierte
es bei uns, daß schon nach viel zu kurzer Zeit regelgemäß
derjenige, der punktemäßig zurücklag, König wurde.
Eine gute Idee: doch nach so kurzer Zeit (wann der König gewählt
wird, hängt nämlich auch von den Würfeln ab) war der Abstand
unter den Spielern marginal. Die Königswürde verleiht aber in
jedem Fall unverhältnismäßig große Macht und Stärke,
die die anderen Spieler schier überrollt. Gewechselt wird der König
danach so gut wie gar nicht mehr: die entsprechende Aktionskarte verschwindet
in der Masse und wird mitunter gar nicht gezogen. Ebenso verhält es
sich mit dem Gegenkönig.
Ein zweites Beispiel: eine große Menge der Aktionskarten sind
potentielle Ehefrauen, die meist interessante Fähigkeiten verleihen:
da man aber pro Runde nur eine heiraten darf (was ja irgendwie auch schon
übermäßig klingt) hat man oft die Hand voll toller Karten
und kann keine davon spielen. So ist man dann gezwungen, Dinge zu tun,
die völlig überflüssig sind...
Wie gesagt, schlecht ist das Spiel sicher nicht. Nur die Regeln müßten
noch einmal völlig überarbeitet werden. Vorher ist ein Kauf nicht
ratsam. Und selbst dann: Zielgruppe sind bei diesem komplexen Spiel nur
die Freaks, die Vielspieler, und keinesfalls die durchschnittliche Jugendgruppe
oder Familie.
Anno 1452 - von Gerhard E. Kodys
Erschienen bei Piatnik 1999
Preis: ca. 59,95 DM
für zwei - vier Spieler ab 12 Jahren
Spieldauer: je nach Version 60 - 120 Minuten
Kurzkritik: Nicht ausgereift.
(Michael Ziemons)
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