rezensionenAdel verpflichtet – von Klaus Teuber! zurück
Zusammen
mit dem FX Schmid-Verlag hat sich der Ravensburger Verlag (immer noch der
Marktriese) auch ein herrliches Spiel von Klaus Teuber gesichert. Dieser
Autor ist auf dieser Seite schon oft genug gelobt worden. „Adel verpflichtet“
beweist, daß er immer gut ist für neue Spielkonzepte, unkonventionelle
Ideen und Regeln.
Zunächst fällt da auf: bei „Adel verpflichtet“ wird nicht
gewürfelt oder nacheinander gezogen. Alle sind gleichzeitig dran,
jeder ist jederzeit am Zug. Das macht das Spiel interessant.
Wir mutieren in diesem Spiel zu spleenigen englischen Lords, die ihre
Macke zu ausgefallenen Sammlungen kultivieren. Und wie sich das gehört,
wenn Lords in ihrem Club zusammensitzen: es wird gewettet. Wer hat die
beste, die größte, die älteste Sammlung in seinem Schloß?
Ständig wechselt der Schauplatz des Spiels: Auktionshaus oder Schloß,
jeder Spieler kann nur an einem der Orte anwesend sein. Es kommt
also darauf an, dort zu sein, wo sich das Entscheidende abspielt, wer nicht
zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, hat von Anfang an schlechte Karten-
im wahrsten Sinne des Wortes.
Im Auktionshaus werden Sammlerstücke versteigert, und wer den
höchsten Scheck legt, kann sich eines aussuchen. Das Alter des Sammlerstückes
ist entscheidend, aber auch seine Kategorie, ist es also ein Werbeschild
(originalgetreu, z.B. die weiße Persil-Frau), ein Accessoire einer
berühmten Persönlichkeit (z.B. Johnny Weissmüllers Lendenschurz
oder der Hut von Humphrey Bogart) oder andere nette Sachen...
Im Schloß werden die Ausstellungen präsentiert, verglichen
und bewertet. Wer die größte Ausstellung besitzt oder das älteste
Ausstellungsstück sein eigen nennt, der rückt dem Ehrenplatz
an der Dinnertafel für das Festbankett am Ende des Spiels immer näher...
Die Lords gehen untereinander nicht zimperlich miteinander um. Jeder
kann dem anderen nach Herzenslust Diebe auf den Hals hetzen oder die Diebe
der anderen mit Detektiven ins Gefängnis jagen. Wer die besten Ausstellungsstücke
hat, rückt vor in Richtung Festschmaus und hat beste Aussichten, die
Wette zu gewinnen.
Ein typisches Spiel von Klaus Teuber. Einfallsreich und komplex durchdacht.
Wie immer bei Teuber hört sich die Regel kompliziert an, nach dem
ersten Spielen ist alles aber ganz einfach. Ein Spiel, das einfach Spaß
macht. Natürlich ein taktisches Spiel. Das Glück kommt wenig
zum Zug. Wichtig ist, genau zu wissen, was die Gegner vorhaben: für
welchen Spielort entscheiden sie sich? Spielen sie einen Dieb
aus oder doch einen Scheck? Ein Pokerface ist vonnöten, um die anderen
zu täuschen. Und dann überraschend eine Karte zu spielen, mit
der keiner gerechnet hat...
Zu zweit wird das Spiel daher zu einem spannenden Duell. Trotzdem macht
das Spiel bedeutend mehr Spaß, wenn man zu mehreren ist. Es ist einfach
klasse und obwohl komplex, nicht kompliziert.
Weil hier nur der gewinnt, der gnadenlos vorgeht und sich nicht durchschauen
läßt, ist nicht einmal besondere Intelligenz oder strategisches
Geschick gefordert. Da das Spiel trotzdem nicht dumm ist, ist das auch
einmal wohltuend.
Die Spielanleitung gehört noch zur Kategorie der guten alten Heftchen, die das Spiel erklären, und nicht pädagogisch wertvoll sein wollen. Ein bißchen lächerlich sind die unheimlich tollen Tips am Ende. Klasse ist, daß die Geschichte um das Spiel nicht aufgesetzt wirkt. Die Story um spleenige Lords, die eine skurile Wette abgeschlossen haben, zieht sich stringent durch jedes Element des Spieles. Und besonderen Spaß machen die liebevoll gestalteten, authentischen Sammelkarten. Wer wollte nicht schon immer mal Johnny Weissmüllers Lendenschurz oder einen Nachttopf von 1660 besitzen- oder lässig einen Scheck über 23000 für überflüssigen Quatsch ausgeben?
Adel
verpflichtet - von Klaus Teuber
Erschienen bei FX Schmid 1990
Preis: ca. 40 DM, für zwei bis fünf
Spieler ab 12 Jahren
Spieldauer: ca. 60 Minuten
Spiel des Jahres 1990
Kurzkritik: Typisch Teuber- einfach klasse!!
(Michael Ziemons)