Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) Münster

Beitrag Werner Kuhn zum Tag der Menschenrechte am 9.12.2005

Liebe Freundinnen, und liebe Freunde !

Den Namen Mensch verdienen wir erst, wenn wir die Kriege vergessen... so hat es die Schriftstellerin Birgit Berg in den 80er Jahren einmal formuliert.

Und ein erster Schritt dahin ist es - vor allem anderen - jede Teilnahme an Kriegen und Kriegsvorbereitungen zu verweigern.
So wie es auch Mehmet Tarhan getan hat, und der damit für eine zivilisierte Türkei steht, der aber dafür in seinem Land zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ein Schandurteil, das jeden zivilisierten Menschen empören muss.
Dieses Urteil zeigt, dass in der Türkei immer noch jene Gewaltmentalität vorherrscht die schon für den Völkermord in Armenien und Kurdistan erforderlich wahr und die offenbar bewahrt werden soll.

Dabei brauchen wir nichts dringender in der Welt als Menschen und Länder die sich zum Pazifismus und Frieden hin entwickeln, statt zu neuen Formen der Barbarei.
Wir müssen darum alles tun, damit die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei solange abgebrochen werden bis wenigstens die Verweigerung von Kriegsdiensten in der Türkei nicht mehr strafbar ist.

Zugleich müssen wir aber auch darauf einwirken, dass sich Deutschland und die EU nicht länger an den US-Kriegen beteiligt die - inzwischen zu einer Verdreifachung der weltweiten Terroranschläge geführt haben und immer schlimmere Ausmaße annehmen. Es wird höchste Zeit zu erkennen, dass alle diejenigen, die staatlich befohlenen Mord zur nationalen Pflicht erklären die Totengräber einer menschlichen Welt sind. Und nicht die Kriegsdienstverweigerer gehören in die Gefängnisse, sondern die Vorbereiter neuer Kriege damit sie nicht weiter morden können.

Ich frage mich immer wieder welchem Wahn diese Leute unterliegen, die Milliarden für das Militär ausgeben, aber unfähig sind menschenwürdige Lebensbedingungen für ihre Völker zu schaffen.

Darum gebührt Mehmet Tarhan - und den vielen anderen - die sich unter großen persönlichen Opfern für eine gewaltfreie Welt einsetzen - unsere Hochachtung und unsere Solidarität.

Und wir sollten diese Hochachtung jetzt durch eine Zeit des Schweigens und des intensiven Gedenkens ausdrücken.

Wir wissen es eigentlich alle:
Wir sind auf dem Weg in eine Katastrophe globalen Ausmaßes wenn wir nicht lernen in Gerechtigkeit und Frieden miteinander zu leben.
Immer neue Bedrohungslügen sollen uns aber Angst und kriegswillig machen! Keiner darf deshalb mehr zu Unrecht oder Verbrechen schweigen.Wer schweigt ist mitschuldig! Reden wir darum überall öffentlich über das Verbrechen an Mehmet Tarhan, über die barbarische türkische Justiz, über US-Folter, Entführungen und alle die anderen Menschenrechtsverletzungen in der Welt.
Menschenwürdige Entwicklungen beginnen immer damit, den unmenschlichen Machthabern nicht mehr zu gehorchen und ihre Verbrechen öffentlich zu machen. Immer wieder müssen wir die Untauglichkeit aller Gewaltlösungen entlarven und ihre Verfechter als die Verursacher der heutigen Zustände erkennen und entmachten.
Wie lange akzeptieren wir noch , dass Menschen die den Kriegs dienst verweigern eingesperrt werden und Massenmörder Orden bekommen?
Wie lange akzeptieren wir noch, dass Milliarden für das Militär vergeudet werden während Millionen Menschen verhungern ?

Eine menschlichere Welt kommt nur wenn sich mehr Menschen dafür einsetzen. Darum, lasst uns nicht durch Schweigen und Resignation schuldig werden.