Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) Münster

Rede von Werner Kuhn (Kundgebung in Vreden, 23.2.2003)

Liebe, kriegsunwillige Mitbürgerinnen und liebe Mitbürger!
Immer mehr Menschen sehen, dass Krieg keine Probleme löst und wollen keine Kriege mehr. Ich danke darum zuerst allen, die durch ihr Engagement diesen öffentlichen Protest gegen den Krieg -hier in Vreden- organisiert haben, und auch allen die heute hierher gekommen sind, um ihre Meinung dazu deutlich zu machen.
Frieden ist möglich, wenn alle Kriegsgegner ihre Apathie überwinden und konsequent dafür eintreten. Jeder Einzelne der resigniert, ist für einen anderen Einzelnen mitverantwortlich, der auch resigniert, weil er ein Einzelner ist warnte Erich Fried schon vor Jahren.

Beim Jugoslawien-Krieg war ich entsetzt darüber, wie leichtfertig wir uns in diesen Krieg hineinziehen ließen und von angeblichen Konzentrationslagern bis zum sog. ""Hufeisenplan" fast alles glaubten, was uns da vorgelogen wurde.

Sogar Terror gegen die Zivilbevölkerung mit Splitterbomben und abgereicherter Uranmunition wurde von vielen bei dieser sogenannten "humanitären Intervention" akzeptiert.
Und nicht viel anders war -und ist es- in Afghanistan, wo Mord und Bombenanschläge längst wieder zum Alltag gehören. Und immer ist die Zivilbevölkerung das Opfer des Macht- und Profitstrebens skrupelloser Gewalttäter.

Wie auch jetzt beim Irak-Krieg, wo tausende Menschen sterben sollen weil Bush Junior einen ehemaligen Komplicen beseitigen will.
Wieviel es dabei zu verheimlichen gibt, verrät die Zensur des irakischen Waffenberichtes durch die USA - von dem Deutschland, als derzeitiger Vorsitzender des Weitsicherheitsrates, nur 3 000 von 15 000 Seiten zu lesen bekommt.

Da dem Irak keine Verbindungen zum Al Qaeda Terrornetz nachzuweisen sind, und er im Gegensatz zum letzten Golfkrieg, keinen anderen Staat angegriffen hat, - fehlen eigentlich alle rechtlichen Voraussetzungen für die kriegerische Beseitigung dieser Diktatur, die ja leider kein Einzelfall in unserer Welt ist.

Dass UN- Forderungen nicht, oder nur unvollständig erfüllt wurden ist bei hunderten von UN-Resolutionen der Fall, ohne dass es Folgen gehabt hätte. Auch die Absicht im Irak demokratische Verhältnisse herbeizuführen muss bezweifelt werden. Wer wie die USA im ganzen mittleren Osten Diktatoren stützt und schützt und Militärtyrannen wie Musharraf in Pakistan zu seinen Verbündeten zählt ist mehr als unglaubwürdig.

Nichts spricht dafür, dass durch einen Krieg im nahen und mittleren Osten Stabilität, Demokratie oder Menschenrechte erreicht werden könnten.
Aber alles spricht dafür, dass damit ein weltweiter internationaler Terror ausgelöst werden wird.

Krieg ist ein Rückfall in die Barbarei und die Aufhebung jeder Menschlichkeit. Der Mythos von Heidentum" vom Kampf für Humanität Demokratie und Freiheit ist eine Lüge...

Krieg ist ein organisiertes Abschlachten, - in der Mehrzahl - von unschuldigen Menschen. Wir erleben nicht nur, wie die modernsten Tötungsmittel der Industriestaaten skrupellos zum Einsatz kommen, - sondern auch wie Fanatiker alle technischen Mittel zum Massenmord bedenkenlos nutzen und sich Gewalt und Gegengewalt immer weiter steigern. Deutschland hat nach seinen geschichtlichen Erfahrungen deshalb allen Grund Widerstand zu leisten, wenn Kriege vorbereitet und geführt werden.

Kriege haben, - wie Buschfeuer - die Neigung zum Flächenbrand zu werden.
Gerechte Kriege gibt es nicht!

Dieses Denken ist das Ergebnis einer jahrhunderte langen Gehirnwäsche.
Lassen wir uns nicht beirren:
Die archaische Mentalität des "Auge um Auge, Zahn um Zahrix' ist für hochverletzliche Industrienationen existenzbedrohend und muss, schnellstens durch zivilisierte Verhaltensweisen ersetzt werden. "Frieden durch Krieg"" ist eine diabolische Irreführung der Menschen.
Nur Gerechtigkeit ist eine dauerhafte Grundlage für den Frieden.
Das Menetekel vom 11. September mahnt uns alle, den Krieg abzuschaffen, bevor der Krieg uns abschafft.

Werner Kuhn, DFG-VK Münster + Bündnis/Zukunft am 23.2.03 in Vreden.

Bild vom Demonstrationszug Bild vom Demonstrationszug Bild vom Demonstrationszug

28.02.2003