| *Weihnachtsbrief* von Dr. Ruth Pfau: DAS ist die Welt, Morgens, auf dem Weg zur Messe. Ich gehe den
streunenden Hunden aus dem Weg, schlage einen Bogen um die Obdachlosen, die auf dem
Bordstein liegen, auf einer Zeitung als Unterlage, in einen schmutzigen Umhang gehüllt;
an der Basarkreuzung: die Drogenabhängigen, zwischen weggeworfenen Bananenschalen und
verschütteten Abwässern, Abfall der 13 Millionenstadt. Auf dem Heimweg. Die Drogenabhängigen sind im Aufbruch. Sie müssen den Fußsteig
geräumt haben, ehe die erste Polizeistreife auftaucht. Abwesende Blicke, fahrige
Bewegungen, jämmerliche Gestalten, verstaubt, unrasiert. ...Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder. Weihnachten Seit mein einheimisches Führungsteam Arbeit und
Verantwortung zunehmend übernommen hat, kann ich endlich Aufgaben in Angriff nehmen, die
mir schon seit langem am Herzen liegen. Ich hatte nur keine Zeit dafür.
Menschenrechtsarbeit z. B. schon unter unseren Patienten, unseren Angestellten ist so viel
zu tun. Indryas, des Raubüberfalles angeklagt. Er hatte ein kleines Gesundheitszentrum eröffnet, seine Frau ist ausgebildete Hebamme, er selbst Lepraassistent. Die Leute können für wenig Geld Rat und Hilfe bekommen in den täglichen Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Seither lief die Privatpraxis seines Nachbars nicht mehr wie früher. Der Nachbar hatte Verbindung zur Polizei. Gefoltert, bis er "gestand", ins Gefängnis geworfen. Die Familie ist jetzt finanziell ruiniert. Die Kinder mussten die Schulausbildung unterbrechen. Einer von Ihnen aus Deutschland, von unseren regelmäßigen Spendern, schickte uns eine zusätzliche Spende für den Rechtsanwalt. Jetzt ist Indryas zurück, aus dem Gefängnis entlassen. Wir versuchen ihm zu helfen, über die Erfahrungen der letzten Monate hinweg zu kommen... Mohammed Ali, einer unserer afghanischen Leprapatienten ist wegen Mordes angeklagt. Ich habe noch keinen getroffen im Stamm, der gezweifelt hat, dass er unschuldig in den Prozess verwickelt worden ist. Der von der Menschenrechtsorganisation vorgeschlagene Rechtsanwalt vertritt den Patienten für 1/3 der Gebühren, die wir sonst bezahlen würden. Er hofft, noch in diesem Monat den jungen Afghanen freigesprochen zu bekommen. Der Bruder einer unserer Lepra-Assistenten wurde unter Mordverdacht verhaftet und gefoltert. Monatelange Erhebungen haben keinerlei Beweise erbracht! Jetzt hat uns die Menschenrechtsgruppe einen Rechtsanwalt vermittelt, der den jungen Mann kostenlos vertritt. Was diese Geschichten mit Weihnachten zu tun
haben?! Und was diese Geschichten mit der Lepraarbeit
zu tun haben? Der Gesundheitsminister der ovinz Baluchistan: "..... Es ist mir eine Freude und eine Ehre, Ihnen in dieser Sache helfen zu können". Warum sagt er das? Er hat an dem Programm noch nie auch nur eine Rupee verdienen können. Sitzung des kürzlich ins Leben gerufenen Nationalen Lepra-, Erblindungs-, Tuberkulosebekämpfungsausschusses, 14 Vertreter der Zentral-, Provinzialregierungen, von Hilfsorganisationen. "... Ich habe noch nie erlebt in Islamabad," sagt der Verantwortliche für die Zentralregierung, als wir den Sitzungssaal miteinander verlassen, "dass sich Delegierte vier Stunden lang konzentriert mit der Materie beschäftigt, so aufeinander gehört, konkrete Lösungen erarbeitet haben - wie haben Sie das nur gemacht!?" Ich mache nichts" - sage ich. "Doch", sagt er, "das hängt mit Ihnen zusammen, sonst ereignet sich so etwas einfach nicht." Irgendwie stimmt es natürlich. Wir haben eine Kultur des aufeinander Hörens entwickelt, die man sonst in Pakistan schwer findet. Friedensarbeit Ihre Ruth Pfau |
Deutsches
Aussätzigen-Hilfswerk e.V. · Aktionszentrale Nordwest
· D-48145 Münster
Redaktion: Harald Meyer-Porzky, Jürgen Belker-van den Heuvel · Aktionszentrale
Nordwest
hmp