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Schweinfurt ist zwar ziemlich weitweg von Münster, aber es hatte uns im vergangenen Jahr ohnehin gut in Franken gefallen. Und auch diesmal enttäuscht uns die Bevölkerung nicht. Erfreulich aufmerksame, freundliche Menschen springen spontan ein, um etwa ein Foto von uns zu machen oder uns ein fränkisches Kümmelbrot zukommen zu lassen. Sogar die Schaffnerin im Regionalzug ist hilfsbereit und hält unseren ICE auf, damit wir ihn trotz der Verspätung des Bummelzuges noch erreichen können.
Aber der Reihe nach. "Schweinfurt. Grün erleben." ist eine Initiative zum Stadtmarketing, und viele Geschäfte in der Innenstadt beteiligen sich durch entsprechende Schaufensterdekorationen, Fahnen und grüne Teppiche vor der Tür. Auch wir haben extra einen grünen Teppich angeschafft und besorgen sogar noch einen grünen Schal für diesen Anlass. Dann geht es an die Arbeit - zweimal zwei Stunden ohne Verstärkung unter freiem Himmel zu singen und zu spielen ist schon eine Herausforderung.
Aber es klappt, auch wenn das Wetter nicht recht mitspielt - leichte Schauer und etwa 10 Grad Celsius zu wenig lassen den Publikumsstrom zeitweilig etwas dünn werden. Aber das Gesamtkonzept scheint zu funktionieren, es kommen immer wieder neue Besucher, die der Nieselregen nicht schreckt. Insgesamt also macht das Ganze durchaus Spaß, und als wir kurz vor Mitternacht wieder in Münster eintreffen, sind wir zwar etwas geschafft, aber durchaus zufrieden. Ein bisschen Heiserkeit wird uns auch in den kommenden Tagen an Schweinfurt erinnern, aber es bleibt eine nette Erinnerung.
Für den heutigen Auftritt als musikalisches Rahmenprogramm zur Lesung aus dem Buch "Ich bin ein Deserteur" von Joshua Key haben wir ein kleines Sonderprogramm zusammengestellt. Bei einem solchen Thema sollte es eine passende Liederauswahl sein, so haben wir beschlossen. Also bringen wir neben Klassikern wie "Der Deserteur" und "Bring Them Home" auch "Lives In The Balance" und unsere eigene Übersetzung von "Solo le pido a Dios".
Die Lesung selbst ist mit einer teils vertonten Powerpoint-Präsentation verbunden und bietet daher neben der sehr spannenden Autobiografie auch einige echte optische Eindrücke davon, wie Menschen in die US-Armee hineingeworben werden und was sie dann bei Kriegseinsätzen erleben. Entsprechend entbrennt eine durchaus intensive Diskussion zu dem Vortrag. Wir haben diese Lesung gern begleitet, weil sie uns auch inhaltlich ein Anliegen war. Schön, dass wir dabei auch die engagierten, netten Menschen der Friedensinitiative Nottuln und das edle Ambiente der Alten Amtmannei kennenlernen konnten.
Diesmal sind wir vorsichtshalber zu früh losgefahren, schließlich sollen wir genau um die Uhrzeit in der Nähe des Westfalenpark-Stadions ankommen, wenn Borussia sein Spiel gerade beendet hat. Die "Fette Henne" - benannt nach den üppig wuchernden immergrünen Pflanzen, die im Schaufenster stehen - ist ein nettes, gemütliches Café, gerade groß genug, um es mit der Anlage zu beschallen.
Eine Besonderheit und die große Herausforderung an diesem Auftritt ist, dass die Zuhörer erst in der Pause, also nach der ersten Programmhälfte, eine "Ohrensteuer" als Eintritt bezahlen müssen. Das bedeutet natürlich, dass wir möglichst auch alle Zuhörer genug begeistern müssen, auch die zweite Programmhälfte dabeizubleiben. Aber das Experiment glückt. Die Zuhörer, von denen die meisten spontan wegen des Plakats im Schaufenster (und uns, die wir im Schaufenster spielen) hereingeschaut haben, hören unser zweistündiges Konzert erkennbar gern. Und auch wir haben Spaß mit den mitmachbegeisterten Gästen und freuen uns über das nette Feedback.
Noch nie ist uns Sprockhövel so weit entfernt vorgekommen wie heute. Wegen eines schweren Unfalls auf der Autobahn brauchen wir für die Strecke, die eigentlich nur etwa eine Stunde Fahrt bedeutet, fast zwei Stunden - und sind damit zum ersten Mal überhaupt zu spät beim Konzert. Als wir dann noch hören, dass heute zeitgleich vier (!) DFB-Pokalspiele stattfinden, hegen wir schon Sorgen, ob überhaupt jemand kommt.
Aber genau der gegenteilige Effekt tritt ein: Die Zuhörer haben uns nicht nur geduldig erwartet und warten auch noch für 20 Minuten Rekord-Aufbauzeit ab - es werden sogar noch deutlich mehr, so dass der Raum schließlich fast gefüllt ist. Und diese Zuhörer sind richtig aktiv! Sie kündigen schon vor Beginn an, es werde wohl mitgesungen, und bei Stücken, bei denen der Rhythmus geklatscht werden kann, machen nahezu alle Anwesenden mit. Wir sind begeistert. Nach zwei Stunden Konzert - erstmals mit unserem neuen Bass-Xylophon vorn links im Bild - sind trotz Fußballs noch fast alle Zuhörer da.
Besonders danken möchten wir Eva-Maria, die uns den ganzen Abend über betreut hat und unsere Verspätung so charmant 'rüberbrachte, dass niemand verärgert war oder wegging. Bis hoffentlich bald auf der Kleinkunstbühne!
Unsere nächsten Auftrittstermine und -orte 2008 finden Sie in unserer stets aktuellen Terminübersicht.
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