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LICHT UND SCHATTEN 1987

Das Projekt "Licht und Schatten" im< November 1987 dient(e) als Plattform für fünf künstlerische Arbeiten aus dem experimentellen Bereich. Einige sind unabhängig von der Ausstellung entstanden, andere wurden eigens für das Projekt geschaffen

Auf unterschiedlichen medialen Ebenen - Tanz, Musik, Film, Performance, Theater und Lichtinstallation - fand eine Auseinandersetzung mit einer durch das Thema vorgegebenen Dialektik statt. In den Veranstaltungen griffen die Ausführenden Gegensätze wie "Licht - Schatten", "Lärm - Stille" oder "Ordnung - Chaos" auf. Diese verstanden sie als Metaphern eines universell vorfindbaren und ständig neu inszenierten Spiels und Kampfes von Materie, Mensch und Verhältnissen.

Auftakt war eine Lichtinstallationen in einem vollkommen dunklen Raum von Anke Schulte-Steinberg. Die Künstlerin konzentrierte sich bei dieser Aufgabenstellung auf die bewußte visuelle Wahrnehmung von Licht und Schatten. Allein durch künstliches Licht war eine Raumerfahrung möglich; das "Entweder - Oder" von Dunkel und Helligkeit wurde erweitert durch die Möglichkeiten des Spiels mit dem Schatten. Licht- und Schattenflächen veränderten die räumlichen Gegebenheiten, ermöglichten durch die unterschiedliche Ausleuchtung des Raumes eine stets neue Auseinandersetzung mit den Begriffen "hell" und "dunkel".

In dem Dunkelraum platzierte sie drei Exponate, deren jeweils eigene Licht- und Schattenwirkung vom Betrachter per Knopfdruck hervorgerufen und kombiniert werden konnte.

"Es macht Spaß, innerhalb dieser Lichtinstallation mit den eigenen Raumwahrnehmungen zu spielen, sich einzulassen auf die wechselseitige, oftmals im wahrsten Sinne des Wortes "übersehene" Wirkung von Licht und Schatten."(Stadtblatt/Münster)

Der Wuppertaler Maler Hans-Georg Pink, die Tänzerin Hilke Kluth, ebenfalls aus Wuppertal, und der Münsteraner Musiker Erhard Hirt machten in einer Performance mit ihren unterschiedlichen Ausdrucksmitteln Raum und Zeit als Grundlage von Dasein schlechthin erfahrbar. Zu improvisierten Gitarrenklängen entstanden schwarze Linien innerhalb des Raumes, zugleich getanzte "Raumerfassung" und musikalisches "Zeitmaß". Der Zuschauer saß mittendrin im Geschehen und erlebte visuell und akustisch den gestalterischen Prozeß.

Einen Ausflug besonderer Art in die Geschichte des sowjetrussischen Film bot die Zusammenarbeit mit der Filmgruppe Münster. Gezeigt wurde der sowjetische Stummfilm aus dem Jahre 1929 "Der Mann mit der Kamera" von Dsiga Wertow. Hierbei handelt es sich um einen Klassiker des europäischen Dokumentarfilms, der sich mit dem Medium Film selbst beschäftigt. Der Film wurde durch die schweizer Musiker Norbert Möslang und Andy Guhl live begleitet. Ausgerüstet mit einem Instrumentarium, das aus 'geknackter' Alltagselektronik zusammengestellt ist, gehen sie im Zusammenspiel von Musik und Bild-bzw. Schnittrhythmus des Films weit über eine bloße Entsprechung von Bild und Ton hinaus.

der Instrumententisch von Norbert Möslang und Andy Guhl

Ein Dialog zwischen Tanz und Malerei gab es ebenfalls in Jürgen Lemkes und Christine Grunerts "Schattenprojektionen": Aus dem Prozeß tänzerischen Bewegung gewonnene flüchtige Bilder wurden auf einer Leinwand 'festgehalten'.

Die Novelle "Peter Schlemihl's wundersame Geschichte" von Adelbert von Chamisso war Ausgangspunkt der Theater- und Musikperformance "Eine Nacht im März". Der Schauspieler Bart Hogenboom und der Musiker Martin Drewer zeigten eine Präsentation, die sich mit markanten Passagen der Novelle und mit Auszügen der Textsammlung "März" von Heinar Kipphardt auseinandersetzte.




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